Im Kirchberger Schlecker-Nachfolger herrscht Leere: „Brosi’s“ macht zu. Foto: Stoppel

Vier Jahre hat „Brosis Drogerie“ ausgehalten, einige Drehpunkt-Filialen überlebt. Doch jetzt macht der letzte Schlecker-Nachfolge-Markt im Rems-Murr-Kreis dicht.

Kirchberg - Gähnende Leere in den Regalen: die letzten paar Waren sind eng zusammengestellt, die Preise auf die Hälfte reduziert. Im Schaufenster hängt ein handgeschriebenes Schild: „Alles, was im Laden steht und nicht lebendig ist, steht zum Verkauf.“ Sonya Brosi steht drinnen hinter der Theke, bringt unter die Leute, was übrig geblieben ist. Nach fast genau vier Jahren zieht sie einen Schlussstrich und schließt „Brosi’s Drogerie & mehr“ in Kirchberg. „Ich habe mir immer gesagt, ich mache das, solange es sich trägt und mir Freude bereitet“, sagt sie. Im November entschied Brosi, dass die Drogerie keine Zukunft mehr hat.

Das erste Jahr lief noch ohne Probleme. In der Welle der Solidarität, von der auch die von der Gewerkschaft Verdi unterstützten Drehpunkt-Märkte profitierten, kamen noch viele Kunden in die kleine Drogerie in der Kirchberger Ortsmitte. „Am Ende des ersten Jahres kam der erste Einschnitt“, erinnert sich die Großbottwarerin: Eine benachbarte Metzgerei machte dicht. Viele der Kunden hatten den Einkauf dort mit einem Besuch in der Drogerie verbunden. „Da blieb ein Viertel von ihnen weg“, sagt Brosi.

Der letzte Schlecker-Nachfolger im Kreis

Und so seien es Jahr für Jahr immer weniger Kunden geworden. Brosi bemühte sich, ihren Markt zu etwas Besonderem zu machen, ihn abzuheben von den dusteren Schlecker-Zeiten. Sie setzte auf einen, verglichen mit den alten Schlecker-Filialen, hellen, freundlichen Laden, bot zum Beispiel Präsentkörbe mit Wein an und informierte sich immer auf Fachmessen über neue Trends. Doch auch das reichte zum Schluss nicht mehr aus.

Immerhin: „Brosi’s Drogierie & mehr“ hielt sich länger als viele Drepunkte. Wie es mit den einstigen Kolleginnen weiterging, hat Brosi immer verfolgt – und nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie von den von den genossenschaftlich organisierten Läden nicht allzu viel hält.

Mit Brosis Drogerie schließt der letzte Schlecker-Nachfolger im Kreis. Der Drehpunkt in Schwaikheim machte im vergangenen Sommer zu, die letzte Drehpunkt-Filiale im Kreis, die in Welzheim, im Oktober. Eine Filiale im Bietigheimer Stadtteil Buch (Landkreis Ludwigsburg) schloss erst im November. Jetzt sind von den ursprünglich acht Drehpunkten nur noch drei Filialen übrig geblieben: in Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg), in Ludwigsburg-Hoheneck und in Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen).

Sonya Brosi bereut nichts

Vielleicht ein oder zwei Tage wird Sonya Brosi noch in ihrem Laden sein, um die restlichen Bestände zu verkaufen. „Auch die Ladeneinrichtung muss weg – Regale, Kasse und Theke, alles“, sagt sie. Schon im Februar tritt sie eine neue Stelle als Marktleiterin bei einer Drogieriekette an.

Auch wenn wohl doch ein wenig Wehmut mitschwingt, wenn Sonya Brosi davon erzählt, dass sie bald die Glastüren ihrer Drogerie für immer schließen wird: Die vergangenen vier Jahre als eigene Chefin bereut die Großbottwarerin nicht. „Ich habe in dieser Zeit Erfahrungen gemacht, die mir als Angestellte nicht möglich gewesen wären“, sagt Brosi.

Schlecker – Aufstieg und Fall

Gründung: Der Metzgermeister Anton Schlecker gründete 1967 sein erstes Warenhaus in Ehingen. Nach dem Fall der Preisbindung für Drogerieartikel folgten Drogerien. Nach 1994 mauserte sich die Kette zum Marktführer, von den 1980er-Jahren an expandierte sie ins Ausland. Im Jahr 2000 stieg Schlecker ins Homeshopping ein.

Dunkle Seite: Im Jahr 1998 wurde das Ehepaar Anton und Christa Schlecker zu einer Geld- und einer Bewährungsstrafe wegen Betrugs verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Schlecker-Beschäftigten weniger Lohn erhalten hatten als vorgegeben. Rund zehn Jahre später stand Schlecker wegen der Überwachung von Mitarbeitern in der Kritik.

Pleite: Die Kette Schlecker meldete im Jahr 2012 Insolvenz an. Die Staatsanwaltschaft wirft Anton Schlecker nun Insolvenzverschleppung vor. Es soll vor der Pleite Geld beiseite geschafft haben. Der Prozess gegen ihn beginnt voraussichtlich am 6. März

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: