Für manche der Filialen gibt es Hoffnung. Foto: dpa-Zentralbild

Bis zu 100 Schlecker-Filialen sollen in Baden-Württemberg wiedereröffnen. In Stuttgart stehen die Chancen dafür schlecht.

Filder - Die Lösung ist keine für die Stadtbezirke unterm Fernsehturm. In Degerloch, Birkach, Plieningen und Sillenbuch werden die einstigen Schlecker-Filialen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wiedereröffnen, so teilt es die Gewerkschaft Verdi auf Anfrage der Redaktion mit. Für andere einstige Standorte der insolventen Drogeriemarkt-Kette ist der Neuanfang indes seit Kurzem im Gespräch.

Verdi hat angekündigt, ehemalige Schlecker-Mitarbeiter bei dem Unterfangen zu unterstützen. Leni Breymaier, die Landeschefin von Verdi, hatte vergangene Woche gesagt, die ersten Geschäfte sollten noch in diesem Herbst wieder in Betrieb genommen werden. Namentlich genannt wurden ehemalige Schlecker-Läden in Erdmannhausen, Murr und Bietigheim-Buch. Für die Zukunft sieht Verdi im Südwesten an bis zu 100 Standorten die Möglichkeit, dass bisherige Schlecker-Frauen einen Neuanfang wagen. Bundesweit ist von bis zu 1000 Wiedereröffnungen die Rede.

Die Idee ist, dass die Ex-Drogerien – je nach Standort – als eine Art Dorfläden eine zweite Chance bekommen sollen. „In manchen Orten gibt es nach der Schließung der Schlecker-Filiale nur noch einen Bäcker und einen Metzger“, sagte Breymaier vergangene Woche, als sie das Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Aus Sicht der Gewerkschafter hätte die Wiedereröffnung noch einen weiteren Vorteil: Sie würde einigen von denen, die wegen der Schlecker-Pleite ihren Job verloren haben, eine berufliche Perspektive bieten. Von einstigen Kassiererinnen als Einzelunternehmerinnen hält Verdi jedoch nichts. Im Gespräch sind Mini-GmbHs als Rechtsform, die von einer Holding zusammengehalten werden.

Verdi rechnet damit, dass jede Neueröffnung durchschnittlich 50 000 Euro kostet. Das Geld soll unter anderem mit Hilfe der Menschen vor Ort zusammenkommen. So ist geplant, Münzen zu prägen, die mit Zertifikaten verkauft werden sollen.

Für die einstigen Standorte in den Bezirken unterm Fernsehturm passt das Konzept der Verdi-Leute offenbar nicht. Die Filialen dort sind zwischen November 2011 und März 2012 geschlossen worden. Damals war Schlecker noch nicht insolvent, sondern wollte mutmaßlich retten, was zu retten ist. Anfangs hieß es, dass sich die Kette von Läden verabschiedet, die sich nicht mehr rechnen. Das Unternehmen plane, sich neu aufzustellen. Daraus wurde bekanntlich nichts mehr.

Einmal abgesehen von den Standorten unterm Fernsehturm sei es in Stuttgart insgesamt schwierig, dass aus der Dorfladen-Idee etwas werde. So sagt es Christina Frank vom Verdi-Bezirk Stuttgart. Zur Debatte stünden höchstens die früheren Schlecker-Niederlassungen in Neugereut, an der Gablenberger Hauptstraße, an der Augsburger Straße sowie an der Böblinger Straße. „Stuttgart ist ein schwieriges Pflaster für Nahversorgung“, sagt Frank. „Da kann jederzeit in der Nähe ein starker Konkurrent auftauchen. Ohne klare Strukturförderung ist es für die Frauen nicht ratsam, im Stadtgebiet aufzumachen.“

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