Foto: Steinert

Dass Schlecker-Filialen in der Stuttgarter Innenstadt wiedereröffnen, ist unwahrscheinlich.

S-Mitte - Die Idee, das ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen einzelne Geschäfte der insolventen Drogeriekette übernehmen, taugt offensichtlich nicht für die Innenstadt. Die früheren Schlecker-Filialen dort werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wiedereröffnen, teilt die Gewerkschaft Verdi auf Anfrage mit. Das gelte vermutlich auch für die beiden umsatzstärkeren in der Gablenberger Hauptstraße in Stuttgart-Ost und der Böblinger Straße in Stuttgart-Süd. Zwar haben sowohl ehemalige Mitarbeiter als auch Kunden Interesse bekundet, doch die Angst vor Konkurrenten ist zu groß.

Für andere Standorte der insolventen Drogeriemarkt-Kette ist der Neuanfang indes seit kurzem im Gespräch. Verdi hat angekündigt, ehemalige Schlecker-Mitarbeiter bei dem Unterfangen zu unterstützen. Leni Breymaier, die Landeschefin von Verdi, hatte vor Kurzem gesagt, die ersten Geschäfte sollten noch in diesem Herbst wieder eröffnen. Genannt wurden ehemalige Schlecker-Läden in Erdmannhausen, Murr und Bietigheim-Buch (alle Kreis Ludwigsburg). Für die Zukunft sieht Verdi im Südwesten an bis zu 100 Standorten die Möglichkeit, dass Schlecker-Frauen einen Neuanfang wagen. Die Idee ist, dass die Ex-Drogerien – je nach Standort – als eine Art Dorfläden eine zweite Chance bekommen sollen.

Jede Neueröffnung kostet etwa 50 000 Euro

Aus Sicht der Gewerkschaft bietet dies einigen der Frauen, die wegen der Schlecker-Pleite ihren Job verloren haben, eine berufliche Perspektive. Von einstigen Kassiererinnen als Einzelunternehmerinnen hält Verdi jedoch nichts. Im Gespräch sind Mini-GmbHs als Rechtsform, die von einer Holding zusammengehalten werden. Verdi rechnet damit, dass jede Neueröffnung etwa 50 000 Euro kostet. Das Geld soll unter anderem mit Hilfe der Menschen vor Ort zusammenkommen. So ist geplant, Münzen zu prägen, die mit Zertifikaten verkauft werden sollen.

Die Standorte in der Böblinger Straße und der Gablenberger Hauptstraße zählen für Christina Frank vom Verdi-Bezirk Stuttgart aber zu denjenigen, die ohne politische Unterstützung nicht gerettet werden können. „Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass die Läden sich in diesen Gebieten halten können“, sagt Frank. Zwar hätten die beiden Filialen in Süd und Ost vergleichsweise gute Umsätze gehabt, doch in der Stuttgarter Innenstadt sei der Konkurrenzdruck viel größer als in kleineren Dörfern. Solange die Frauen dem Risiko ausgesetzt seien, dass nebenan ein zweiter Drogist aufmache, hätte die Nahversorgung auf dem Land Vorrang.

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