Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Foto: AFP

Eine europäische Armee würde vor allem eines bedeuten: Souveränitätsverzicht der Nationen an ihrer empfindlichsten Stelle. Da, wo es um Krieg und Frieden geht. Macrons Vorschlag ist deshalb eine schlechte Idee, meint Chefredakteur Christoph Reisinger.

Stuttgart/Paris - Merkwürdig, dass die Idee einer europäischen Armee – von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron frisch aufgewärmt – nicht tot zu kriegen ist. Noch merkwürdiger, dass sie in Deutschland viel Beifall findet. Klar, die „wahre europäische Armee“, von der Macron spricht, klingt irgendwie gut: nach Bollwerk gegen die Anmaßenden ringsum, nach Emanzipation vom stärksten, aber Trump-gesteuerten Verbündeten USA, nach Schulterschluss und fairem Teilen von Risiken.

Tatsächlich hieße europäische Armee aber vor allem eines: Souveränitätsverzicht der Nationen an ihrer empfindlichsten Stelle. Da, wo es um Krieg und Frieden geht. Kaum vorstellbar, dass das ausgerechnet die von zwei Weltkriegen geprägten Deutschen mehrheitlich wollen.

Es gibt bereits EU-Kampfgruppen

Schließlich bedeutet eine „wirkliche europäische Armee“: Über Einsätze entscheidet eine EU-Institution. Nur arbeitsteilig gedacht, bedeutet sie zumindest: Wenn zum Beispiel Deutschland die Fallschirmjäger stellt, dann müssen die verlässlich für alle anderen an einer europäischen Armee beteiligten Staaten zur Verfügung stehen. Selbstverständlich auch für Einsätze, deren Sinn in Deutschland womöglich kaum jemand versteht. Das soll eine Wunschvorstellung sein?

Von europäischer Armee reden heißt kleinreden, was es in Europa sinnvollerweise schon gibt: die EU-Kampfgruppen, die ständigen Einsatzverbände der Nato, die vielen multinationalen Truppen und Stäbe. Dieses Netzwerk europäischer Armeen stärken und verdichten, Rüstung, Logistik, Übungseinrichtungen gemeinsam kaufen und nutzen – das ist der Weg, der mehr Schlagkraft, mehr Zusammenhalt zu geringeren Kosten schafft. Richtig also, dass die Bundeswehr-Planung bis 2032 genau darauf ausgerichtet ist.

christoph.reisinger@stuttgarter-nachrichten.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: