Mercedes-Chef Ola Källenius hat das Unternehmen auf eine Luxusstrategie festgelegt, an der Händler nun massive Kritik üben. Foto: imago images / Arnulf Hettrich/Arnulf Hettrich

Der Stuttgarter Konzern will seine Autos aufwerten und teurer verkaufen. Doch der Markt gibt dies nach Einschätzung der Händler nicht her. Sie sehen ihre wirtschaftliche Zukunft bedroht und warnen in einem Brandbrief vor einer Fortsetzung der Hochpreisstrategie.

Der Verband der Mercedes-Benz-Vertreter, der die Interessen von bundesweit 99 Mercedes-Händlern vertritt, übt scharfe Kritik an der Luxusstrategie des Konzerns und fürchtet um die wirtschaftliche Zukunft der Verkäufer. Die Auftragssituation sei bereits seit Beginn des Jahres schlecht und seit Ende Mai so eskaliert, dass „zunehmend die Sorge unter den Agenten besteht, dass der Hersteller den deutschen Markt mit Vollgas gegen die Wand fährt“, heißt es in dem Brief, über den das Onlinemedium „Business-Insider“ zuerst berichtete.

 

Zwar verzeichnete Mercedes für das zweite Quartal dieses Jahres einen Anstieg der Verkäufe um sechs Prozent; allerdings dürfte dies auch damit zusammenhängen, dass nun Bestellungen abgearbeitet werden, die sich monatelang durch Lieferengpässe aufgestaut hatten. Nach Einschätzung der Händler steht der Umfang der aktuellen Autokäufe in einem starken Gegensatz zu den guten Absatzzahlen, die das Unternehmen veröffentlicht.

Die Händler stellen die schwachen Verkäufe nicht nur in einen Zusammenhang zur Marktentwicklung, sondern auch zur Strategie von Konzernchef Ola Källenius, der Mercedes auf eine Luxusstrategie festgelegt hat. Seit Jahresanfang hat sich nach Einschätzung der Händler die Marktsituation grundlegend geändert, nicht aber die Preisstrategie. Der Markt habe sich vom Verkäufermarkt wieder zum Käufermarkt gedreht, und man verkaufe wesentlich weniger Fahrzeuge als zuvor, heißt es in dem Brief. Die guten Absatzzahlen seien jedoch der Blick in die Vergangenheit. Offenbar sei vergessen worden, dass der schwache Auftragseingang „unsere Zukunft raubt“. Denn Fahrzeuge, die heute nicht verkauft werden, könnten in den kommenden Jahren auch nicht gewartet und repariert werden.

Umstellung des Vertriebs vergrößert Druck

Seit Mercedes seinen Vertrieb auf das sogenannte Agenturmodell umgestellt hat, stehen die Händler unter einem massiven Druck, der durch die Luxusstrategie noch verstärkt wird. Im Agenturmodell treten die Händler nicht mehr als eigenständige Verkäufer in Erscheinung, sondern als Agenten des Herstellers, der genaue Vorgaben über die Verkaufspreise macht. Angesichts der Hochpreisstrategie von Mercedes und der gleichzeitig bröckelnden Marktpreise fehlt den Händlern nun der Spielraum, durch Rabatte die Nachfrage anzukurbeln. Denn diese wären Gift für die Luxusstrategie.

„Auch für Luxus müssen die Preise passen, ganz zu schweigen von der Qualität“, schreiben die erbosten Händler. „Unsere Kunden verstehen die eingeschlagene Strategie der Mercedes-Benz AG weniger als Luxusstrategie, eher als die der ,Gier‘“.

Zu teuer für Geschäftskunden

Ein Sprecher von Mercedes sagt zu den Absatzzahlen des Unternehmens für das laufende Jahr, der Konzernausblick habe sich nicht verändert.

Der Verband erklärt unserer Zeitung, man führe mit dem Unternehmen fortlaufend einen engen Dialog. Dieser sei „mitunter in der Sache hart, doch wir sind dabei stets im Einsatz für dieselbe Sache“, so Verbandschef Michel Farrenkopf. Die Gespräche seien „immer lösungsorientiert und konstruktiv“.