Infolge des Krieges im Iran schießen die Spritpreise in die Höhe. Das merken auch die Menschen an den Tankstellen in Stuttgart. Ein Stimmungsbild vor Ort.
Die Übermüdung ist nicht das größte Problem von Josef Kovac, während er am Freitagvormittag seinen schwarzen VW Polo mit Benzin befüllt. Der 53-Jährige ist zwar bereits seit dem frühen Morgen wach, um einem Freund bei dessen Umzug zu helfen. Doch bei seinem Halt an der Aral-Tankstelle in Stuttgart-Möhringen beschäftigt ihn vor allem etwas anderes: „Die Spritpreise sind übertrieben“, sagt er.
Stuttgarter Autofahrer wie Kovac bekommen derzeit zu spüren, wie sich die große Geopolitik auf ihren Alltag auswirken kann. Seit dem Ausbruch des Krieges im Iran klettern die Spritpreise auch hierzulande in enorme Höhen. 2,02 Euro pro Liter Super-Kraftstoff muss Kovac an diesem Vormittag in Möhringen bezahlen. Er hofft, dass sich daran bald wieder etwas ändert. Schließlich sagt er: „Ich muss arbeiten, von A nach B kommen – also muss ich tanken.“
Stuttgarterin kritisiert Preisanstieg
Dieses Dilemma schildern auch andere Verbraucher an der Aral. Anders als Kovac hat Tina Schmidt allerdings keine großen Hoffnungen, dass die Preise bald wieder sinken könnten. „Ich gehe davon aus, dass der Krieg noch ein paar Monate weitergeht“, sagt die 42-Jährige aus Möhringen. Gleichzeitig sieht sie in der militärischen Eskalation im Nahen Osten nicht den alleinigen Grund für die Preisanstiege. Stattdessen wittert die Stuttgarterin „Geldmacherei“. „So etwas ist immer eine gute Ausrede, um etwas teurer zu machen“, lautet ihr Verdacht.
Die Situation mache vor allem finanziell weniger gut aufgestellten Autofahrern das Leben schwer. „Mir selbst tut es aber nicht so weh“, fügt Schmidt hinzu. Sie reagiert deshalb auch nicht auf die gestiegenen Kosten, nutzt ihr Auto wie gewohnt – im Gegensatz zu Raoul Erdem. Der 21-Jährige ist bei der Stiftung Jugendhilfe in Möhringen angestellt und hält auf dem Weg zur Arbeit an der Tankstelle. Allerdings nicht mit dem Auto, das steht zu Hause auf dem Parkplatz. „Wegen der Preise fahre ich gerade lieber mit meinem Motorroller“, sagt er.
Auf seinem täglichen Arbeitsweg von seinem Wohnort in Vaihingen aus verbrauche er mit dem Auto fast achtmal so viel Sprit, rechnet Erdem vor. Deshalb setzt er momentan auf zwei statt auf vier Räder. „Auch wenn es zu dieser Jahreszeit mit dem Roller noch ziemlich frisch ist.“
Mitarbeiter aus Stuttgart leiden unter Spritpreisen
Jürgen Keidel bezeichnet die gegenwärtigen Preise sogar als „Katastrophe“. Allerdings nicht wegen seines eigenen Verbrauchs. Der 69-Jährige wohnt in Möhringen und betreibt eine Druckerei an der Tränke in Degerloch – eine überschaubare Distanz, die er dorthin mit seinem Auto zurücklegt. Einige seiner Mitarbeiter kämen dagegen aus der Reutlinger Ecke, hätten also eine deutlich weitere Anfahrt. „Für die ist das richtig bitter“, sagt er mit Blick auf die Tankkosten. „Die sind auf ihr Auto angewiesen.“
Aus persönlicher Sicht befürchtet Keidel vor allem, dass infolge des Krieges auch die Stromkosten in die Höhe schnellen könnten. „Denn Strom brauchen wir in der Druckerei viel“, sagt der Unternehmer.