Überschwemmungen haben zahlreiche Menschenleben in Sierra Leone gefordert. Foto: AP

Im westafrikanischen Staat Sierra Leone sind nach Schätzungen bis zu 200 Menschen unter einer Schlammlawine begraben worden. Die genaue Zahl der Opfer steht noch nicht fest.

Freetown - Eine durch heftige Unwetter ausgelöste Schlammlawine hat im westafrikanischen Staat Sierra Leone hunderte Menschen das Leben gekostet. Rotkreuz-Sprecher Abu Bakar Tarrawellie sprach am Montagabend von 205 Toten, hielt ein weiteres Ansteigen der Zahl aber für wahrscheinlich. Eine Quelle im Gesundheitsministerium sprach von bis zu 500 Toten. „Es ist möglich, dass Hunderte tot unter dem Geröll liegen“, sagte Vizepräsident Victor Foh vor Journalisten an der Unglücksstelle. Die Rettungsarbeiten waren noch zu Gange, rund 600 Menschen wurden noch immer vermisst, wie Tarrawellie sagte.

Der Erdrutsch ereignete sich bei dem Ort Regent in der Nähe der Hauptstadt Freetown, als nach heftigen Regenfällen Teile eines völlig aufgeweichten Hügels abbrachen. Rettungskräfte versuchten in einem Wettlauf gegen die Zeit, Opfer zu bergen und Verschüttete aus dem Erdreich zu befreien. „Die Gegend ist sehr katastrophengefährdet“, sagte Tarrawellie. „Es besteht noch immer eine Gefahr für die Anwohner.“ Daher ermutige das Rote Kreuz die Menschen, die Gegend zu verlassen.

Im westlichen Stadtteil Lumley bargen freiwillige Helfer Dutzende von grässlich verstümmelten Leichen. Im Leichenkeller des größten Krankenhauses der Hauptstadt, dem Connaught-Hospital, lagen demnach bis zum Nachmittag 179 Leichen. Dies überschritt bei weitem die Kapazitätsgrenzen des Krankenhauses. In der ganzen Stadt war das Geräusch von Sirenen der Ambulanzwagen zu hören. Sie erinnerten viele Bewohner der Stadt an die schlimme Phase des Ebola-Ausbruchs, der vor drei Jahren die Stadt in Atem gehalten hatte.

Erdrutsch in der Nähe der Hauptstadt Freetown

Präsident Ernest Bai Koroma besuchte im Laufe des Tages den Ortsteil Regent Village, der als der am schlimmsten betroffene Teil der Stadt galt. Mehrere der oft in Leichtbauweise errichteten Gebäude wurden dort offenbar von der Schlammlawine mitsamt ihren Bewohnern komplett begraben.

Zahlreiche Straßen der Hauptstadt sind von rauschenden Wassermassen überflutet, was die Bergungsarbeiten zusätzlich erschwert. Die Zeitung „Sierra Leone Telegraph“ zeigte Fotos, auf denen ein Hausbewohner bis zum Hals im Wasser steht. „Die Rettungsarbeiten stellen uns vor enorme Herausforderungen“, sagte Tarrawellie.

Die Hauptstadt des ehemaligen Bürgerkriegslands Sierra Leone mit ihren etwa einer Million Einwohnern liegt auf einer Halbinsel neben einer Flussmündung. Die Stadt, die aufgrund ihrer hohen Niederschläge als einer der feuchtesten Orte der Welt gilt, verfügt zudem nur über ein ungenügendes Infrastruktursystem mit einer meist nur rudimentären Kanalisation. Viele Straßen sind nicht asphaltiert, so dass sie sich bei Regen in Schlammwege verwandeln. Die Regenzeit beginnt in Sierra Leone im Mai und endet im November.

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