Matthias Reim freut sich auf sein neues Album „MR20“ Foto: picture alliance/dpa/Patrick Seeger

Es läuft für Schlagerstar Matthias Reim: Schon die erste Single „Eiskalt“ des neuen Albums „MR20“ (erscheint am 25. Oktober) schaffte es auf Charts-Spitzenplätze. Mit den „Stuttgarter Nachrichten“ sind Sie näher dran an – am 29. Oktober ist Matthias Reim Gast der „StN“-Reihe Treffpunkt Foyer in der Liederhalle Stuttgart.

Stuttgart - „Ich bringe meine Gitarre mit“, sagt Schlagerstar Matthias Reim – am 29. Oktober ist der Sänger Gast der „Stuttgarter Nachrichten“-Reihe Treffpunkt Foyer in der Liederhalle Stuttgart. Beginn ist um 19.30 Uhr. Mit dabei beim Podiumsabend zum Thema „Schlager – Boom ohne Grenzen?“ ist die schwedische Newcomerin Julia Lindholm. Der Eintritt zum Treffpunkt Foyer ist frei, eine Anmeldung ist notwendig.

Herr Reim, das Thema Schlager hat immer diese zwei Seiten – keiner will die Musik gehört haben, aber die Nachfrage ist enorm. Ist dies für Sie nach so vielen Jahren des Erfolgs noch immer amüsant oder doch ärgerlich?

Ach, „Schlager“ - das ist so ein Wort. Ist ein Karnevalslied ein Schlager - oder der „Griechische Wein“ von Udo Jürgens? Meist gebraucht man diesen Begriff ja immer nur, wenn man abschätzig über Songs redet. Dabei meint man aber immer seltsamerweise nur deutschsprachige Lieder. Bei einer Schnulze von Cliff Richard oder Albano und Romina Power redet man ehrfürchtig von romantischen Liedern. Nee, wissen Sie: Ich mache Lieder so, wie ich sie fühle und schreibe Texte so, wie ich sie fühle. Ob man das Ergebnis „Schlager“ nennt oder – wie oft bei mir „Pop-Schlager“ oder „Rockiger Schlager“ – das ist mir eigentlich gleich.

Schlager, das ist heute auch Kerstin Ott, die sich mit „Alle wollen meine“ offen zu ihrer Homosexualität bekennt. Und das ist auch Helene Fischer, die mit Kerstin Ott einem Millionenpublikum „Regenborgenfarben“ präsentiert. Was tut sich da aus Ihrer Sicht?

Vergessen wir das Wort „Schlager“. Aber es ist ein guter Trend, dass man vielleicht wieder mehr auf die Texte achtet und dadurch auch wieder stärker deutsche Songs hört.

In Ihren Songs machen Sie auch immer wieder ihr eigenes musikalisches Leben zum Thema und gehen offensiv mit höchsten Höhen und tiefsten Tiefen um. Wie wichtig ist das für Sie – das eigene Tun musikalisch zu reflektieren?

„Ich singe persönliche Lieder – aber nicht private Lieder“

Das stimmt in dieser Form eigentlich nicht. Natürlich – wenn man Texte schreibt, dann fließen auch immer wieder persönliche Erfahrungen mit ein, ob man will oder nicht. Ich singe persönliche Lieder – aber nicht ­private Lieder.

Wie meinen Sie das?

Ok – manchmal ist ein persönliches Erlebnis der Anlass. Als ein guter Freund starb, habe ich ihm ein Lied gewidmet: „Im Himmel geht es weiter“. Ich habe auch schon mal gesungen „Mein Leben ist Rock ‚n’ Roll“ – aber das sind eher Ausnahmen. Bei den meisten meiner Songs besinge ich Zweierbeziehungen – und da geht es um Grundsituationen, die alle Menschen nachempfinden können oder auch schon einmal selber so oder ähnlich erlebt haben. Das ist vielleicht auch das Geheimnis meines Erfolgs. Die Lieder, in denen sich mein Publikum wiedererkennt, bei dem es sagt: „Genau das, was der Reim da besingt, das kenne ich. Das ist mir genauso gegangen, das spüre ich genauso...“

Wir haben die Tiefs angesprochen. Wie kommen Sie da wieder raus. Zuletzt etwa mit „Eiskalt“ wieder auf Platz 5 der Schlager-Charts – was treibt Sie an?

(lachend): Ich muss Sie korrigieren: Auf Platz 1 bei den meisten Charts. Was soll ich dazu sagen? Ich bin eben ein erfolgreicher Sänger und singe gute Songs. Aber wenn ich komponiere oder texte, schiele ich nicht auf den Geschmack des Publikums. Ich schreibe das nieder, was ich im Augenblick fühle und denke. Da kommt alles zusammen: Dinge, die ich selber so oder ähnlich erlebt habe, Geschichten, die ich gehört habe, Fantasien, Wunschträume – das will ich einfach loswerden. Mein Antrieb ist natürlich auch die Sucht nach Erfolg – aber viel mehr das herrliche Gefühl, musikalisch Geschichten erzählen zu können, die die Menschen hören wollen.

„Dieses Album ist das Beste, was ich machen kann“

Am 25. Oktober erscheint Ihr neues und 20. Album – „MR20“. Was erwartet uns?

Ich glaube, es ist das beste Album, das ich seit langen produziert habe. Es ist auch das Vielseitigste. Ich habe selten so ein gutes Gefühl gehabt. Natürlich – ein Künstler glaubt immer daran, dass sein Album gut ist. Es wäre ja auch schlimm, wenn es anders wäre. Aber diesmal ist es etwas Anderes: Diesmal habe ich Lieder geschrieben und gesungen, die einfach eine andere Qualität haben. Zumindest empfinde ich es so. Ich will es einmal so ausdrücken: Dieses Album ist das Beste, das ich machen kann.

Live-Auftritte bestimmen heute weitgehend den Kalender, gelten als aktuell sicherste Einnahmequelle. Das Spektrum ist bei Ihnen sehr breit – von sehr lokalen Veranstaltern bis hin zu den großen Bühnen. Wie motivieren Sie sich für die kleinen Konzerte?

Dazu brauche ich mich nicht zu motivieren: Wenn ich vor einem Konzert das Gemurmel der Zuschauer höre, die alle nur meinetwegen gekommen sind, wenn dann die Scheinwerfer angehen und ich auf die Bühne gehe – dann bin ich glücklich. Das ist meine Welt – egal, ob da tausend Menschen unten stehen oder siebentausend.

„,Verdammt, ich lieb’ Dich’ ist ein Gottesgeschenk“

Ein Megahit ist immer Segen und Fluch zugleich. Wie sehen Sie selbst „Verdammt ich lieb‘ dich“ heute?

Das ist kein Fluch, sondern ein Segen. Als ich das Lied schrieb war ich ein unbekannter Studiomusiker, der hin und wieder auch mal komponiert hatte. Und dann schrieb ich – aus einer Verärgerung heraus – in ein paar Stunden diesen Song, der mein ganzes Leben verändert hat. Ich wurde buchstäblich über Nacht ein Star – durch einen vier minütigen Auftritt in einer TV-Sendung. Seither habe ich das Lied ein paar tausendmal gesungen – und ich singe es jedesmal wieder gerne.

Mit welchen Gefühlen?

Wenn ich die ersten Takte der Einleitung höre und spüre, wie das Publikum darauf wartet, dass ich anfange zu singen: „...Ich ziehe durch die Straßen bis nach Mitternacht...“ – das ist jedes Mal für mich ein Glücksgefühl. Auch nach tausend Auftritten! „Verdammt, ich lieb Dich“ ist für mich ein Gottesgeschenk, für das ich dankbar bin.

Sie leben seit vier Jahrzehnten mit medialer Dauerpräsenz. Mit den Sozialen Medien ist noch einmal alles beschleunigt und vervielfacht. Wie gehen Sie damit um?

Daran hab’ ich mich gewöhnt. Es wird viel Gutes über mich geschrieben, darüber freue ich mich. Manchmal wird auch viel Unsinn geschrieben. Damit muss ich leben. Schlimm wäre es, wenn ich als Künstler nicht präsent wäre.

„Ich habe ein Peter Pan-Syndrom“

Ihre Songs haben immer wieder junge Musiker beeinflusst, werden auch von diesen gespielt. Wie ist das? Suchen Sie selbst den Kontakt zu den nächsten Generationen?

Eigentlich nicht bewusst. Vielleicht auch, weil ich ein Peter Pan-Syndrom habe. Ich fühle mich mit 60 Jahren immer noch selber als „Junge Generation“. Dazu kommt: Ein großer Teil meines Konzertpublikums sind auch immer wieder junge Zuschauer. Und schließlich habe ich ja auch eigene Kinder, die der jungen Generation angehören.

In Ihren Songs ist der Mann ein in sich zerrissener Typ mit recht rauer Schale. Wie sehen Sie sich selbst?

Ich glaube, ich selber bin ein ganz kleines bisschen so wie der Mann, den ich oft in meinen Liedern schildere. Und wenn ich es nicht bin – dann möchte ich gerne so sein. Ich schau mir ja auch gerne Wildwest-Filme an mit John Wayne und so. Da fühle ich mich richtig gut!

Treffpunkt Foyer mit Matthias Reim – So sind Sie dabei

Was? „Schlager – Boom ohne Grenzen“ ist das Thema beim Treffpunkt Foyer der „Stuttgarter Nachrichten“ am Dienstag, 29. Oktober in der Liederhalle Stuttgart (Mozartsaal). Beginn ist um 19.30 Uhr (Saalöffnung: 18.45 Uhr). Unser Autor Nikolai B. Forstbauer wird die Gäste des Abends befragen.

Wer? Unsere Gäste am 29. Oktober sind Matthias Reim und Julia Lindholm. Mit seiner jüngsten Erfolgssingle „Eiskalt“ bestätigt Matthias Reim seinen Rang als einer der wichtigsten deutschen Musiker. Am 25. Oktober erscheint das neue und 20. Album „MR20“. Die Schwedin Julia Lindholm, 25, hat sich über Youtube-Erfolge einen Plattenvertrag und Fernsehauftritte erarbeitet. „Boom Boom“ heißt ihre aktuelle Single. Wie sehen Reim und Lindholm die Entwicklung ihrer Branche, wie ihre eigenen Chancen? Wir fragen nach – und freuen uns, Reim und Lindholm am 29. Oktober auch live zu hören.

Wie? Die Teilnahme an unserem Treffpunkt Foyer-Abend ist kostenlos, ­eine Anmeldung ­ist jedoch erforderlich. Diese nehmen wir gerne entgegen – digital unter www.stn.de/foyer. Hinweise zu unseren Datenschutzrichtlinien finden Sie unter www.stn.de/datenschutz.

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