Schlafstörungen nehmen in Baden-Württemberg zu. Wer ist besonders betroffen – Jüngere oder Ältere, Großstädter oder Landmenschen? AOK-Daten zeigen es.
Die Diagnose Schlafstörungen bedeutet, dass man über einen längeren Zeitraum schlechter schläft als normal. Darunter leiden die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden. Und so geht es vielen. Über 65 leidet jede und jeder Zehnte daran. Bei Menschen zwischen 45 und 65 jeder Zwölfte.
In diesem Text geht es um die Fakten zu Schlafstörungen im Südwesten, basierend auf Daten der AOK Baden-Württemberg. Diese werten wir für unser Projekt „Gesundheitsatlas“ aus. Schlafstörungen werden bei Frauen und Männern ungefähr gleich oft diagnostiziert, im Alter nehmen sie zu. Das zeigt die Tabelle mit der Verteilung der Diagnosen nach Altersgruppen und Geschlechtern:
Ältere Menschen sind deutlich häufiger von Schlafstörungen betroffen als jüngere. Diese Beschwerden „hängen im Alter häufig mit anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Inkontinenz, dementiellen Syndromen, Schmerzsyndromen oder Depressionen zusammen und erhöhen das Risiko für Bluthochdruck und Herzinfarkt. Auch Medikamente können Schlafstörungen als Nebenwirkung verursachen", sagt die AOK-Medizinerin Alexandra Isaksson. Wichtig sei jedoch, normale altersbedingte Veränderungen des Schlafes von Schlafstörungen abzugrenzen. Zudem sei Prävention wichtig, um zu einem guten Schlaf zu kommen.
Verglichen mit 2012 ist der Anteil der Menschen mit Schlafstörungen in Baden-Württemberg deutlich angestiegen – von 3,7 auf 4,9 Prozent. Nur bei Kindern nahm der Anteil ab, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen stieg er um rund die Hälfte. Allerdings ist der Anteil der Diagnosen hier auf relativ niedrigem Niveau. Männer zwischen 65 und 80 leiden ebenfalls deutlich häufiger als noch vor zehn Jahren als Schlafstörungen, hier stieg der Anteil von 8 auf 12 Prozent.
Ein Anstieg von Diagnosen sei ein Hinweis darauf, dass die Erkrankungshäufigkeit tatsächlich zugenommen habe, sagt die Medizinerin Alexandra Isaksson. Dieser Hinweis müsse aber von epidemiologischen Studien bestätigt werden. Denkbar sei auch, dass Patienten sowie Ärzte für Schlafprobleme sensibler seien. Zudem könnten der Lebensstil und Stress die Probleme verschärfen. „Hier besteht unverändert Aufklärungsbedarf", so Isaksson.
Schlafstörungen in Baden-Württemberg
Wie verteilen sich Schlafstörungen-Diagnosen in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart? Das zeigen die folgenden Karten. Zunächst visualisieren wir die Verteilung über alle Altersgruppen hinweg. Dunkelblau eingefärbte Stadt- und Landkreise liegen über dem Landesschnitt, hellblau eingefärbte darunter.
Die Vermutung, dass Schlafstörungen (auch) ein Problem von Großstädten sind, wird durch die folgende Karte teilweise belegt. Heidelberg, Stuttgart und Baden-Baden liegen unter dem Landesschnitt, die anderen Stadtkreise darüber. Allerdings sind die nordöstlichen Landkreise und der Zollernalbkreis noch stärker betroffen. Wie bei anderen Erkrankungen auch dürfte das mit der Altersstruktur dort zu tun haben.
Ist es nicht überraschend, dass die Menschen in einer großen, vermeintlich lauten Stadt wie Stuttgart gut schlafen? „Lärm ist nur ein psychosozialer Risikofaktor für Schlafstörungen", sagt Alexandra Isaksson - neben dem sozioökonomischen Status, der Beschäftigungssituation und der psychischen Gesundheit. Arbeitslosigkeit beispielsweise erhöhe das Risiko für Schlafstörungen, ebenso wie Kinder im Haushalt.
Klicken Sie auf einen Landkreis für den exakten Wert:
Am häufigsten sind Senioren zwischen 65 und 80 von Schlafstörungen betroffen. Vergleicht man den Anteil der Senioren mit Schlafstörungen in den Stadt- und Landkreisen, dann sind wiederum der Neckar-Ordenwald- und der Main-Tauber-Kreis sowie der Zollernalbkreis auffällig. Dass die Werte hier wegen des höheren Anteils älterer Menschen auffällig sind, stimmt also nur teilweise. Auch innerhalb dieser Altersgruppe sind Menschen in diesen Landkreisen überproportional betroffen. Auch die in der obigen Karte auffälligen Stadtkreise sind wieder hervorgehoben, wenn auch nicht mehr ganz so stark.
Die folgende Karte zeigt nach Geschlechtern getrennt, wie sich der Anteil der Diagnosen bei älteren Erwachsenen in den Stadt- und Landkreisen verteilt. Ein Klick auf den Kreis zeigt Ihnen auch hier den exakten Wert an:
Schlafstörungen in der Region Stuttgart
In der Region Stuttgart schläft man vergleichsweise sehr gut. Der Rems-Murr-Kreis und der Kreis Ludwigsburg haben den zweit- und drittniedrigsten Anteil von Menschen mit Schlafstörungen landesweit, auch der Rest der Region liegt unter dem Landesschnitt. Einzelne Gemeinden oder Stuttgarter Stadtbezirke wie Weilimdorf und Mühlhausen, Baltmannsweiler oder Notzingen (beide Kreis Esslingen) stechen dennoch hervor.
Auf der Karte liegt der Anteil in den dunkler eingefärbten Gemeinden über dem Landesschnitt. Klicken Sie in der Karte auf die Gemeinde, die Sie interessiert, um den Anteil der Bewohner mit Diagnose Schlafstörungen zu sehen:
Die Daten in diesem Beitrag stammen von der AOK Baden-Württemberg. Sie ist mit rund 4,6 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Baden-Württemberg. Für zwölf ausgewählte Krankheiten stellt uns die AOK aggregierte Diagnosedaten ihrer Versicherten zur Verfügung.
Bis hinunter auf Postleitzahlebene kann man damit sehen, wie verbreitet die Krankheiten sind – aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, von Kindern bis zu Hochbetagten. Die Verteilung der Diagnosen unter ihren Versicherten entspricht in etwa der Verteilung unter allen Einwohnerinnen und Einwohnern.
Zu unserem Projekt „Gesundheitsatlas“ gelangen Sie über diesen Link.
Zum Datenprojekt „Gesundheitsatlas“
Daten
Wie alle Krankenkassen erhält die AOK zu Abrechnungszwecken von Ärzten und Krankenhäusern Daten zu Diagnosen und der Therapie ihrer Versicherten. Diese Daten aggregiert sie nach Wohnort, Geschlecht und Alter der Patienten. Damit kann die AOK errechnen, wie hoch unter ihren Versicherten der Anteil einzelner Krankheiten in bestimmten Altersgruppen oder Postleitzahlbereichen ist.
Repräsentativ
Die Zusammensetzung der AOK-Versicherten entspricht bei Geschlecht und Altersgruppe in etwa der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg. Bei Unter-45-Jährigen liegt der Anteil höchstens fünf Prozent über dem der Gesamtbevölkerung, bei Älteren höchsten 15 Prozent darunter. Lässt man Einkommensunterschiede außen vor, sind die Daten zur Verteilung einzelner Krankheiten unter AOK-Versicherten also annähernd repräsentativ für Baden-Württemberg.