Zwangsläufig werden Schildkröten in hiesigen Gewässern heimisch. Größere Schäden richten sie laut einem Experten nicht an. Foto: privat

Im Langwieser See bei Plieningen sind schon Exemplare gesichtet worden: Weil sie ihren Haltern als Haustiere irgendwann lästig werden, werden immer wieder Schildkröten in heimischen Gewässern ausgesetzt.

Plieningen - Um Schildkröten zu beobachten, müssen Tierliebhaber nicht unbedingt in die Wilhelma. Bei schönem Wetter kann man sie frei lebend und mitten in Stuttgart entdecken. Die Reptilien, die an warmen Tagen ihre Panzer sonnen, gehören mancherorts bereits zum gewohnten Bild. Das gilt zum Beispiel für die Seen am Bärenschlössle und den Feuersee, aber auch am Langwieser See bei Plieningen sind bereits mehrere Exemplare der exotischen Tiere gesichtet worden.

Bei den in Stuttgarter Gewässer lebenden Schildkröten handelt es sich hauptsächlich um Rotwangen- und Gelbbauch-Schildkröten, erklärt der Amtstierarzt Thomas Stegmanns. Das seien die im Tierhandel am häufigsten verkauften Unterarten. Beide Schmuckschildkröten sind in Nordamerika beheimatet, können aber in Deutschland in freier Natur überleben. „In der Regel handelt es sich um Tiere, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden“, sagt Stegmanns, der die Dienststelle Lebensmittelüberwachung, Verbraucherschutz und Veterinärwesen bei der Stadt Stuttgart leitet.

Mit der Größe eines Suppentellers

„Die Schildkröten werden klein und niedlich gekauft“, sagt er. „Solange sie die Größe eines Fünf-Mark-Stücks haben, sind sie süß – ganz nach Kindchenschema. Wenn sie aber mal die Größe eines Suppentellers haben, finden das die Leute nicht mehr so witzig.“ Nicht bloß, dass die Schildkröten dann bis zu 30 Zentimeter lang und anderthalb Kilo schwer werden können und immer größere Terrarien benötigen, „sie setzen große Mengen an Kot ab, und man braucht immer stärkere Filter, um das Wasser sauber zu halten“, sagt Stegmanns.

Obendrein sind die besonders beliebten Rotwangen- und Gelbbauch-Schildkröten auch noch langlebig, sie werden bis zu 40 Jahre alt. „Mancher, der sich ein Tier kauft, weiß gar nicht, worauf er sich einlässt und welche Verantwortung er übernimmt. Die Leute sind oft nicht informiert“, sagt der Experte. Und so bringen sie ihr lästig gewordenes Haustier vielleicht eines Tages an den Langwieser See, den Seen am Bärenschlössle oder an sonst ein Gewässer, in dem sie es aussetzen. Juristisch betrachtet, handelt es sich dabei um eine Straftat.

Angler klagen wohl

Dass die Fremdlinge großen Schaden anrichten, kann der Stuttgarter Amtsarzt allerdings nicht erkennen, obschon die Allesfresser auch kleine Fische und Amphibien vertilgen. Da es aber bislang keinen Hinweis darauf gebe, dass sich die Schmuckschildkröten in den Stuttgarter Gewässern vermehren, „ist das kein Riesenproblem. Aber es ist halt eine Formenverfälschung“, sagt Stegmanns.

Der Angelverein, der Fischrecht im Feuersee im Stuttgarter Westen hat, sieht die Sache hingegen deutlich kritischer. Bereits verschiedentlich beklagten die Angler, dass die ausgesetzten Schildkröten Fische fressen oder sie mit ihren scharfen Krallen verletzen würden. Mitunter würden ihnen die Reptilien sogar die Köder vom Angelhaken reißen, so ihre Klagen.

Stegmanns Dienststelle sieht keinen Grund, die Schmuckschildkröten aus den Stuttgarter Seen zu holen. Zumal es alles andere als einfach wäre, die Wildtiere zu fangen. Die Stadt wird sich auch nicht um die in einem See am Bärenschlössle gesichteten chinesischen Dreikielschildkröten kümmern oder um die Höckerschildkröten, denen ein Zackenkamm auf dem Panzer eine saurierhafte Anmutung verleiht. Die Natur wird das wohl regulieren: Diese Arten vertragen das hiesige Klima schlecht und werden den nächsten harten Winter sicher nicht überleben.

Weitere Informationen zum Haustier Schildkröte:

Schildkröten, insbesondere Wasserschildkröten, sind heikel in der Haltung. Kunden sollten sich fachlich beraten lassen oder ein Fachbuch lesen. Die Preise für ein Reptil beginnen bei 100 Euro. Zubehör wie Terrarium, Wärmepumpe, UV-Licht oder Pflanzen eingerechnet, kommt man rasch auf 1000 Euro. Zu bedenken ist beim Kauf, dass die Schildkröten im Handel 60 Jahre und älter werden.

Lebensweise, Haltungsbedingungen, Lebensraum und Ernährung sind von Art zu Art sehr unterschiedlich. Eine falsche Ernährung ist der häufigste Fehler bei der Haltung. Grundsätzlich darf man Schildkröten nicht einfach mit Salat, Gemüse, Obst, Küchenabfällen, Brötchen, Katzen- oder Hundefutter füttern. Langfristig führt dies zum Tod. Ein weiterer häufiger Fehler ist das Ignorieren der Winterstarre. Im Winter verbraucht die Schildkröte kaum Energie und nimmt weder Futter noch Wasser zu sich.

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