Zwei Daumen hoch : Auf Facebook prahlt der mutmaßliche Uhrendieb mit seinem Luxusleben Foto: Screenshot StN

Ein Millionenräuber triezt die Polizei und Justiz: Er postet Urlaubsfotos auf Facebook. Im Juli hatte er mit einem Komplizen ein Uhrengeschäft in Cannes ausgeraubt. Nun wurde er in Marrakesch erwischt.

Cannes/Marrakesch - Nabil Ibelati wirkt sehr entspannt auf den Urlaubsfotos seiner Facebook-Profilseite – jedenfalls nicht wie ein Verbrecher auf der Flucht. Ein Bild zeigt den Franko-Marokkaner, wie er auf einem Motorrad posiert, ein anderes auf dem Rücken eines Kamels in der Wüste. Dann wieder sitzt er mit einem Glas Roséwein in einem Restaurant. Für Diskretion sah der 29-Jährige offenbar keinen Grund – obwohl die französische Polizei per internationalem Haftbefehl nach ihm fahndete. Am 31. Juli 2013 soll Ibelati mit einem Komplizen ein Geschäft für Luxus-Uhren in seiner Heimatstadt, dem südfranzösischen Cannes, überfallen haben.

Vor einigen Tagen verurteilte ein Gericht in Grasse Ibelati in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft und 200 000 Euro Bußgeld. Eine Strafe, die ihn kaum beeindruckte: Medienberichten zufolge erlaubte er sich den Spaß, dem Gericht Postkarten zu schicken, so sehr wähnte er sich in Sicherheit. Zu Unrecht, wie sich nun herausstellte: Am Samstag wurde er in Marrakesch festgenommen und inhaftiert. Die Ermittler waren ihm über abgehörte Telefone auf die Spur gekommen. In einer gemeinsamen Erklärung begrüßten die Innenminister Frankreichs und Marokkos am Montag die „exzellente polizeiliche Kooperation beider Länder im Rahmen des verstärkten Partnerschaft in Sicherheitsfragen“. Ob Ibelati nach Frankreich ausgeliefert wird, steht aber noch nicht fest.

Ibelatis Partner wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt

Dreist war der junge Mann bereits bei der Tat selbst vorgegangen. Am hellichten Tag und ohne Vermummung waren er und sein 27-jähriger Komplize in das Geschäft „Kronometry“ gegenüber des Festivalpalastes von Cannes eingedrungen, hatten eine Angestellte mit einer Pistole und einer Handgranate bedroht, sie gefesselt und rund 100 Uhren mit einem Gesamtwert von 1,7 Millionen Euro mitgenommen. Die Polizei identifizierte Ibelati problemlos – schließlich war er schon mehrmals verurteilt worden, unter anderem 2009 zu drei Jahren Haft wegen eines tätlichen Angriffs vor einer Diskothek. Doch er entkam nach Marokko.

Die Luxus-Boutiquen und Juwelierläden von Cannes waren schon oft Opfer teilweise spektakulärer Überfälle. Einige von ihnen haben sich deshalb zu dem Komitee „Cannes Sicherheit Prestige“ zusammengeschlossen.

Ibelatis Partner wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, sein Bruder Yassine zu drei Jahren wegen Hehlerei mit den gestohlenen Uhren. Ibelati selbst soll seinen Anteil laut Staatsanwaltschaft für mindestens 350 000 Euro verkauft und sich unter anderem eine Autowaschanlage und eine Wohnung, aber auch einen luxuriösen Lebensstil gegönnt haben. „Wir sind Millionäre, Nabil hat das Ding in Cannes gedreht“, jubelte sein Bruder am Telefon. „Er ist am Swimmingpool, er hat Champagner getrunken, das ist das echte Leben!“ Ein Leben mit Saufgelagen und Prostituierten, wie aus den abgehörten Telefongesprächen hervorging. Ibelati selbst soll im Internet erklärt haben, er lasse es sich „ohne Ende gut gehen“. Damit dürfte es nun vorbei sein – aus seiner Gefängniszelle wird er künftig wohl kaum Fotos auf seiner Facebook-Seite posten.

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