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Eine Woche nach dem Schiffsunglück in Budapest werden noch immer 15 Menschen vermisst. Doch die schlechte Sicht und die starke Strömung verhindern die Bergung.

Budapest - Stumm stellen Angehörige und Passanten am Donauufer unweit der Budapester Margaretenbrücke Kerzen auf und legen Blumen nieder. Doch auch eine Woche nach dem Untergang des am vergangenen Mittwoch von einem Hotelboot gerammten Ausflugsschiffs Nixe geben die graubraunen Fluten der ungarischen Donau ihre Opfer nur widerwillig preis: 15 von vermutlich 28 Todesopfern werden noch immer vermisst.

33 südkoreanische Touristen und zwei ungarische Crew-Mitglieder waren an Bord der Nixe, als das Ausflugsboot von dem wesentlich größeren Hotelschiff Viking Sigyn gerammt und unter Wasser gedrückt wurde – und innerhalb von sieben Sekunden sank. Nur sieben Menschen konnten gerettet, die Leichen von sieben weiteren Opfern unmittelbar nach dem Unglück geborgen werden. Starke Strömungen und der nach tagelangem Dauerregen sehr hohe Wasserstand hemmen seitdem noch immer die Bergungsarbeiten.

Am Mittwochvormittag zogen Rettungstaucher in Budapest die 13. Leiche unweit des in neun Meter Tiefe liegenden Wracks aus dem Wasser. Zuvor hatte die Polizei am frühen Morgen den Fund einer weiteren Leiche im Kreis Fejer 60 Kilometer flussabwärts gemeldet. Die Suche nach weiteren Opfern ist mittlerweile bis auf die serbische Donau ausgeweitet.

Kapitän des Hotelschiffs ist sich keiner Schuld bewusst

Die Überreste der meisten noch vermissten Opfer werden allerdings im Innern des Wracks der Nixe vermutet. Mit deren Hebung soll in den nächsten Tagen begonnen werden: Wegen des hohen Wasserstands der Donau konnte der Schwimmkran Clark Adam erst am Mittwoch aus seinem 100 Kilometer westlich von Budapest gelegenen Heimathafen Komarom auslaufen.

Auf der unterhalb der Margaretenbrücke geschaffenen Taucherplattform sind außer ungarischen und südkoreanischen Rettungstauchern auch Taucherteams aus Tschechien, der Schweiz und Österreich im Einsatz, um die komplizierte Bergung des Wracks vorzubereiten. Wegen der geringen Sicht und der starken Strömung hat der Krisenstab trotz des anfänglichen Drängens der südkoreanischen Rettungskräfte bewusst davon abgesehen, Taucher in das Innere des Wracks vordringen zu lassen. „Wir wollen keine Helden schaffen, sondern die Leichen und das Schiff an die Oberfläche bringen“, erklärte der ungarische Innenminister Sandor Pinter. Südkoreanische Diplomaten bereiten in Budapest die Rückführung der ersten identifizierten Opfer in ihre Heimat vor. Eindringlich hat Seoul unterdessen die ungarischen Justizbehörden gebeten, den am Donnerstag inhaftierten Kapitän des Hotelschiffs weiterhin in Untersuchungshaft zu belassen.

Nach Auskunft der Anwälte des aus der Ukraine stammenden Kapitäns haben die Ereignisse ihren Mandanten sehr mitgenommen, doch beharre dieser auf seiner Unschuld: Der 64-Jährige sei sich keines Fehlverhaltens bewusst.

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