Die Neckarschleusen, wie in Obertürkheim vor der Einfahrt in den Hafen Stuttgart, sind zu kurz für 135 Meter lange Frachtschiffe. Foto: dpa/Franziska Kraufmann

Das Bundesverkehrsministerium legt den geplanten Schleusenausbau am Neckar auf Eis. Ein herber Rückschlag für den Hafen Stuttgart. Trotzdem wird am Wochenende groß gefeiert.

Knapp 640 000 Tonnen an Waren wurden im vergangenen Jahr am Stuttgarter Hafen per Schiff umgeschlagen. Der Neckar ist nicht nur die Lebensader der Region Stuttgart, sondern dient auch als wichtige Verkehrswasserstraße. Seit Jahrzehnten wird daher über die Sanierung und Verlängerung der 27 Schleusen zwischen Mannheim und Plochingen verhandelt. Zumindest Letzteres scheint nun vom Tisch zu sein.

 

Hafen fordert mehr Innovationsfreudigkeit

Das geht aus einem Schreiben von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) an seinen baden-württembergischen Amtskollegen Winfried Hermann (Grüne) hervor, in dem er dem geplanten Ausbau einen Riegel vorschiebt. Darin heißt es, dass die geplante Erweiterung zugunsten der erforderlichen Instandsetzungsarbeiten an den Schleusen zurückgestellt wird. Wie lange, wird dabei nicht erwähnt. Erst im März dieses Jahres hatte Hermann einen erneuten Anlauf unternommen, einen Wasserstand zu erfahren. Nun hat das Bundesverkehrsministerium den Kurs vorgegeben: Die Dauer und die Kosten übersteigen „um ein Vielfaches“ die ursprüngliche Planung. Sprich, in der nun laufenden Legislaturperiode ist unter der derzeitigen Ampelregierung kein Beschluss zur Verlängerung der Neckarschleusen zu erwarten.

Das ist aus Sicht der Hafen Stuttgart GmbH zu kurz gedacht: „Ich würde mir ein wenig mehr Innovationsfreudigkeit wünschen“, sagt Geschäftsführer Carsten Strähle. Zwar sei der Güterverkehr per Schiff derzeit leicht rückläufig. Die Gründe dafür seien zum einen der Ukraine-Krieg, dessentwegen viel Schiffsverkehr über die Donauroute umgelagert wurde, zum anderen weil der Schienenverkehr derzeit das wirtschaftlichere Modell darstelle. Aus Sicht von Strähle aber lediglich eine Momentaufnahme.

Der Straßen- und vor allem der Schienenverkehr stoße bereits an seine Belastungsgrenze. „Das Schienennetz ist seit den 1990er Jahren um ein Drittel geschrumpft, bei einem doppelt so hohen Verkehrsaufkommen.“ Umso mehr sei es wichtig, dass auch die Wasserstraße mit der raschen technischen Entwicklung bei Lkw- und Lokverkehr Schritt halte, um nicht abgehängt zu werden. Auch vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren am Stuttgarter Hafen ein zweites Containerterminal gebaut werden soll. Daher sei mit einer weiteren Steigerung zu rechnen. Umso mehr ist man „über die Entscheidung des Bundesverkehrministeriums, lediglich nach dem Ist-Zustand zu bewerten, mehr als enttäuscht“, betont Strähle.

Grüne und AfD beharren auf den Verträgen

Schließlich birgt der Schiffsverkehr auf dem Neckar nicht nur für den Hafenchef noch großes Potenzial. Auch die Grünen-Landtagsfraktion und die AfD-Kreistagsfraktion bestehen weiter auf dem Ausbau der Schleusen als „überfälligen Schritt“. Dadurch könnten in Zukunft 135 Meter lange Frachtschiffe, wie sie auch auf dem Rhein verkehren, auf dem Neckar fahren. Bislang ist das nur für Kähne mit einer Länge von 105 Metern möglich. Bereits 2007 hatten das Land und der Bund daher eine Vereinbarung über den Ausbau geschlossen. Ursprünglich sollte dieser 2025 abgeschlossen werden.

In einem 2018 präsentierten neuen Zeitplan sollten die Verlängerung der Schleusen bis Heilbronn 2040 und bis Plochingen 2050 abgeschlossen sein. Das rückt nun in weite Ferne. Der Neckar benötige jedoch den Ausbau der Schleusen, um konkurrenzfähig zu bleiben, beharren die Grünen im Land weiter auf der Einhaltung der Verträge. Längere Schiffe bedeuten rund 40 Prozent mehr Kapazität, Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Der Hafen Stuttgart als wichtige Drehscheibe der Region, so Strähle, sei als Umschlagplatz für Waren „wichtig für den Wohlstand und die Lebensqualität“. Das sieht das Bundesverkehrsministerium anders.

Großes Hafenfest

Termin
Zum 66-jährigen Bestehen lädt die Hafen Stuttgart GmbH im Rahmen des Tages der Schiene am Samstag und Sonntag, 21. und 22. September, zum Hafenfest ein. Beginn ist an beiden Tagen um 11 Uhr. Der Samstag klingt ab 20.30 Uhr mit Livemusik aus.

Programm
Auf der Hauptbühne mit Zuschauertribüne entsteht an beiden Tagen eine Flaniermeile mit verschiedenen Musikaufführungen sowie Jetski- und Flyboard-Shows. Zu besichtigen sind moderne Lokomotiven, ein Binnenschiff, verschiedene Lastwagen sowie verschiedene Umschlaggeräte.

Leistungsschau
Die ansässigen Firmen stellen sich vor. Zudem gibt es einen Tauch-Schnupperkurs (Badehose mitbringen), Stand-up-Paddling oder Kanu- und Kajakfahrten. Kostenlose Hafenrundfahrten auf dem Wasser oder mit dem historischen Bummelzug an Land werden angeboten. Wasserschutzpolizei, Zoll, Feuerwehr und DLRG stellen ihre Arbeit vor. Für Kinder gibt es ein großes Spielangebot des Aktivspielplatzes Krempoli. Und am Sonntag kann die neue Fernbedienzentrale an der Untertürkheimer Schleuse besichtigt werden. Nähere Infos unter

www.stuttgarter-hafenfest.de.