Schießübungen auf dem Weihnachtsmarkt Granatenzielwurf und Glühweinduft

Von Eberhard Wein 

Auf dem Oberndorfer Weihnachtsmarkt kann man nicht nur Glühwein trinken. Foto: dpa-Zentralbild
Auf dem Oberndorfer Weihnachtsmarkt kann man nicht nur Glühwein trinken. Foto: dpa-Zentralbild

Berliner Aktionskünstler kapern den Weihnachtsmarkt in Oberndorf, dem Sitz der Waffenschmiede Heckler und Koch. Ihre Performance kommt nicht bei jedem Besucher gut an.

Oberndorf - Der Posaunenchor spielt fürs Herz, der Glühwein geht in den Kopf – alles gut also auf dem Weihnachtsmarkt in Oberndorf. Doch dann ist da dieser Stand: eine adventlich geschmückte Schießbude mit Glücksrad, Spielzeugwaffen und Handgranatenzielwurf, davor ein Nikolaus mit gekreuzten Patronengurten vor der Brust. In Oberndorf, wo der Waffenhersteller Heckler und Koch (HK) seinen Sitz hat, muss man wohl mit allem rechnen. Doch was beim diesjährigen Adventsmarkt für Aufregung gesorgt hat, geschah keineswegs mit dem Segen des veranstaltenden Handels- und Gewerbevereins (HGV). So einen Stand werde es im nächsten Jahr auf keinen Fall mehr geben, versichert eine HGV-Sprecherin und ist hörbar verärgert. Ansonsten will sie nicht mehr darüber sprechen. „Für uns ist das Thema durch.“

Es war ein Überfall aus der fernen Bundeshauptstadt. Angemeldet hatte sich ein fliegender Händler. Doch dann kamen „Rocco und seine Brüder“. Schon mehrfach ist das Künstlerkollektiv mit ungewöhnlichen und nicht ganz legalen Aktionen aufgefallen. Zuletzt hatten die Aktionskünstler vor der Berliner AfD-Zentrale „Wehrmachts-Stolpersteine“ ins Pflaster eingelassen und damit den AfD-Chef Alexander Gauland wörtlich genommen. Der hatte das Recht eingefordert, „stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“.

Ist das noch Kunst, wenn sie erklärt werden muss?

Auf das Gastspiel in der schwäbischen Provinz hatten sich die Berliner übrigens akribisch vorbereitet, Lebkuchen in Pistolenform gebacken und eine syrische Bürgerkriegskulisse in Gestalt eines HK-Logos gezimmert. Bei vielen jungen Besuchern kam die Aktion fast zu gut an. Sie fände das echt auch nicht in Ordnung, zitiert die Berliner Tageszeitung eine junge Frau, als ihr die Zusammenhänge zwischen Rüstungsexporten und Migration erklärt wurden. Aber „kann ich jetzt schießen?“

Ist das noch Kunst, wenn sie erklärt werden muss?, fragt die Taz nun besorgt. Und auch langjährige Kritiker von Heckler und Koch sind nicht überzeugt von der Aktion. „Ohne Provokation geht es nicht“, sagt der Landesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG), Roland Blach. Doch um das Thema vor Ort zu verankern, erscheine ihm „ein behutsames Vorgehen“ doch vielversprechender.

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