Die Proteste der Bürger reichen bis zu den Jüngsten im Kindergarten. Foto: factum/Bach

Der Finanzausschuss entscheidet einstimmig, der US Army Geld gegen Schutz vor Schießlärm anzubieten – wenn auch unter Vorbehalt.

Böblingen - Einem neuen Bürgermeister wäre ein Mangel an Detailkenntnis verzeihbar. Tobias Heizmann, eben erst in Böblingen auf die Bürgermeisterbank gerückt, musste aber nichts verziehen werden – jedenfalls nicht beim Thema Schießlärm aus der Panzerkaserne. Dieses Leid teilen die Bewohner Böblingens mit denen von Schönaich. Eben dort war Heizmann bisher Chef im Rathaus.

In seiner alten Gemeinde gilt das Ärgernis zumindest als gemindert, seit die US Army eine Schutzwand hat aufstellen lassen. In Schönaich ist es ruhiger geworden. In Böblingen gilt das Gegenteil, jedenfalls für die Wohngebiete Rauher Kapf und Tannenberg. In Ersterem brachte die Wand das Gegenteil des Erhofften. In Letzterem war gar vor ihrem Errichten nichts zu hören. Seither knallt es auch dort unüberhörbar.

Der Oberbürgermeister hat den Tabubruch ins Gespräch gebracht

Weshalb der Böblinger Oberbürgermeister Wolfgang Lützner mit einem Tabubruch liebäugelt. Gleichsam in Notwehr will er den Amerikanern ein Geldgeschenk anbieten. Rund 800 000 Euro würde nach Expertenschätzung wirksamer Schallschutz kosten. Bis zu 300 000 davon will Lützner aus der Stadtkasse überweisen.

Eine solche Beteiligung hatte der Gemeinderat stets abgelehnt. Es dürfe nicht sein, dass mit Steuergeld ein Missstand behoben wird, dessen Verursacher feststeht. Offenkundig deutet sich auch bei den Stadträten ein Sinneswandel an, jedenfalls gemessen am Votum des Finanzausschusses. Der beschloss die Beteiligung einstimmig, wenn auch mit Bauchgrimmen.

Dass die Entscheidung nicht ohne Murren fallen würde, war Heizmann offenkundig bewusst. Er warb wortreich für die Beteiligung, obwohl die Amerikaner sie bislang nicht gefordert haben. Eine Arbeitsgruppe mit allen Beteiligten hatte zuletzt im September getagt. Für künftige Verhandlungen „wollen wir einfach ein Pfund in der Hand haben, wenn die Frage kommt“, sagte Heizmann.

Die Reaktionen waren quer durch alle Fraktionen die erwarteten

Die Reaktionen waren quer durch alle Fraktionen die erwarteten. „Letztlich ist das ein Grundsatzbeschluss“, sagte der Sozialdemokrat Florian Wahl. „Ich würde ungern einen Blankoscheck ausstellen.“ Insbesondere die Christdemokraten beharrten darauf, dass Geld nur fließen dürfe, wenn sich der versprochene Erfolg einstelle. „Wir gehen in Vorleistung, ohne zu wissen, ob überhaupt etwas dabei rauskommt“, sagte Daniela Braun. Allerdings würden die Amerikaner unter diesen Voraussetzungen schwerlich bauen, und Prognosen zum Schallschutz können offenkundig mit Fehlern behaftet sein. Auch für die Lärmschutzwand hatten alle Experten Linderung vorhergesagt.

Das Geld könnte fließen. So lautet der Kompromiss. Bevor die endgültige Entscheidung fällt, soll sich der Gemeinderat die neuen Schutzmaßnahmen erläutern lassen. Auch die Schallschutzexperten sollen in einer künftigen Sitzung ihre Prognosen zu den weiteren Plänen erklären. Bis dahin bleiben jene maximal 300 000 Euro mit einem Sperrvermerk im städtischen Haushalt. Überdies beschloss der Ausschuss, dass Heizmann an seinem alten Arbeitsplatz vorsprechen möge. Der Bürgermeister soll in der Gemeinde Schönaich nachfragen, ob dort ebenfalls an eine Beteiligung gedacht ist. Die Aussichten darauf sind allerdings fraglich, denn in Schönaich ist die Stadtkasse klamm.

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