Rettungsfahrzeuge am Tatort in Las Vegas. Foto: dpa

Ein Konzertabend am weltberühmten Las Vegas Strip wird zu einem Massaker. Von seinem Hotelzimmer aus feuert ein 64-Jähriger wahllos in die Menge unter ihm. Mindestens 58 Menschen kommen ums Leben.

Las Vegas - Der Auftritt von Country-Star Jason Aldean am Sonntagabend sollte der Abschluss und der Höhepunkt des dreitägigen Route 91 Harvest Festivals werden. 22 000 Menschen waren dafür auf das Festival-Gelände am Las Vegas Strip gepilgert. Aldean war gerade mitten in einem Song, als es plötzlich mehrmals knallte. Aldean hielt kurz inne, er und viele andere schienen zunächst noch an ein Feuerwerk zu glauben, doch dann wieder Schuss um Schuss, Blut, Schreie und Chaos.

Wahllos feuerte der Schütze von seinem Hotelzimmer aus dem 32. Stock auf der anderen Straßenseite auf die Konzertbesucher unter ihm. Überall in der Menge stürzten Menschen blutüberströmt zu Boden, panisch versuchte der Rest, sich in Sicherheit zu bringen. Verzweifelt hielten sich Freunde und Pärchen an den Händen, um im Chaos nicht getrennt zu werden. Einige trugen verletzte Freunde weg und zerrten sie hinter Getränkebuden in Deckung. Andere krochen unter Autos. Aldean stürmte mit der Gitarre in der Hand von der Bühne. Er blieb unverletzt.

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Der 36-jährige Kodiak Yazzie sagte, nach der ersten Salve sei die Musik kurz verstummt und dann auch kurz wieder angegangen, bis die nächsten Schüsse fielen. „Man könnte hören, dass der Lärm vom Westen kam, vom Mandala Bay. Man konnte sehen, wie es dort immer wieder aufblitzte.“

Las Vegas Strip wird zur Katastrophenzone

Die Kanadierin Monique Dumas stand ganz nahe vor der Bühne, als sie den Lärm hörte. War das eine kaputte Glasflasche oder ein Feuerwerk?, dachte sie erst. Irgendwie konnte sie sich dann in dem Chaos den Weg nach außen bahnen. „Es hat vier oder fünf Minuten gedauert und die ganze Zeit waren Schüsse zu hören“, berichtete sie.

Der üblicherweise von Nachtschwärmern bevölkerte Las Vegas Strip wurde zur Katastrophenzone. Dutzende Polizeiautos, gepanzerte Fahrzeuge und Krankenwagen säumten den Boulevard. Verzweifelt schrien Verletzte um Hilfe. Einige karrten Verwundete in ihren Privatautos in die am Sonntagabend völlig überforderten Notaufnahmen.

Beamte der Spezialeinheit Swat stürmten mit Gewehren aus ihren Bereitschaftswagen in das Mandalay Bay Hotel.

Von dort oben im 32. Stock feuerte nach Angaben der Ermittler der 64-jährige Stephen Paddock auf die Menge. Bittere Minuten dauerte es, bis die Spezialeinsatzkräfte vor Ort waren, im Fahrstuhl nach oben fuhren und die Hotelzimmertür aufsprengten. Bittere Minuten, in denen der Schütze weiter Salve um Salve abgab. Mindestens 50 Menschen tötete er und verwundete mehr als 400 weitere. Als das Swat-Team schließlich zu Paddock gelangte, war er tot, möglicherweise hatte er sich selbst das Leben genommen.

Zehn Schusswaffen bei der Leiche des Täters gefunden

Doch wer war dieser Mann, der für das schlimmste Schusswaffenmassaker in der jüngeren US-Geschichte verantwortlich war? Schlimmer noch als der Anschlag im Schwulenclub „Pulse“ in Orlando im vergangenen Jahr, bei dem ein IS-Sympathisant 49 Menschen tötete. Zwischenzeitlich hat der IS auch den Anschlag in Las Vegas für sich reklamiert. Das FBI wiederum sagte am Montag, dass der Täter keine Terrorverbindung gehabt habe. Was waren die Motive des mutmaßlichen Schützen Paddock?

Der 64-Jährige lebte in einer Wohnanlage für Rentner in Mesquite an der Grenze zwischen Nevada und Arizona. Gemeinsam mit einer 62-Jährigen bewohnte er dort ein einstöckiges Haus mit drei Schlafzimmern, in dem die Ermittler am Montag nach Spuren suchten. Die Frau wurde nicht als Verdächtige gehandelt.

Der Schütze hingegen könnte die Tat bereits länger geplant haben. Bereits am 28. September hatte er sich das Hotelzimmer im Mandalay Bay gemietet. Bei seiner Leiche fand die Polizei zehn Schusswaffen.

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