Die Polizei hat Teile der Straßburger Innenstadt abgesperrt. Foto: aptn/AP

Angriff am Straßburger Weihnachtsmarkt: Zwei Menschen werden getötet, mindestens 13 verletzt. Die Polizei sucht nach dem Täter. Er ist ihr von anderen Delikten her bekannt.

Straßburg - Bei einem Angriff mit vermutlich terroristischem Hintergrund am Straßburger Weihnachtsmarkt sind zwei Menschen getötet und 13 verletzt worden. Der mutmaßliche Täter, der nach Angaben des französischen Innenministers Christophe Castaner der Polizei bekannt ist, war am Dienstagabend auf der Flucht. Das bestätigte die Polizei in Straßburg der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Man gehe von einem terroristischen Hintergrund aus. Der vermutlich radikalisierte Mann sei vor seiner Flucht von patrouillierenden Soldaten verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei.

Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft übernahmen die Ermittlungen. Die Untersuchung wurde unter anderem dem Inlandsgeheimdienst DGSI übergeben, wie Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigten. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron schickte seinen Innenminister in die elsässische Metropole, wie AFP unter Berufung auf den Élysée-Palast meldete.

Innenstadt abgeriegelt

Bei dem Zwischenfall waren am Abend Schüsse abgegeben worden. Die Polizei riegelte Teile der Innenstadt ab. Das Innenministerium in Paris sprach ohne weitere Details von einem „schwerwiegenden Ereignis der öffentlichen Sicherheit“. Bewohner sollten zu Hause bleiben.

Das Europaparlament in der elsässischen Stadt wurde abgeriegelt. Niemand dürfe das Gebäude verlassen, Mitarbeiter seien per Handy-Kurznachricht oder Mail gewarnt worden, teilte eine Parlamentssprecherin der dpa mit. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorserie erschüttert. Dabei wurden bislang fast 250 Menschen aus dem Leben gerissen.

Anteilnahme via Twitter

„Meine Gedanken sind bei den Opfern der Schießerei in Straßburg, die ich mit großer Entschiedenheit verurteile“, schrieb EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker im Kurznachrichtendienst Twitter. Straßburg sei eine symbolische Stadt für den Frieden und die europäische Demokratie. „Werte, die wir immer verteidigen werden.“ Die EU-Kommission stehe an der Seite Frankreichs.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich auf Twitter „erschüttert über die schreckliche Nachricht“ aus Straßburg. „Welches Motiv auch immer hinter den Schüssen steckt: Wir trauern um die Getöteten und sind mit unseren Gedanken und Wünschen bei den Verletzten. Hoffentlich gerät niemand mehr in Gefahr.“

Kontrolle an der Grenze

Am deutsch-französischen Grenzübergang kontrollierte die Polizei am Abend Autos, die von Deutschland nach Frankreich fuhren, wie eine dpa-Reporterin berichtete. „Wir verstärken (...) aktuell die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze in diesem Bereich“, teilte die Bundespolizei Baden-Württemberg auf Twitter mit. Später twitterte sie, dass der Verkehr einer grenzüberschreitenden Straßenbahn eingestellt worden sei. „Sofern möglich vermeiden Sie bitte aktuell den Grenzübertritt im Bereich #Kehl“, hieß es weiter.

In Straßburg selbst war Sirenengeheul zu hören. Eine Straße südlich der Innenstadt war abgesperrt. Ein Mann, der sich der Absperrung näherte, wurde angewiesen, kehrtzumachen. Als er der Aufforderung nicht nachkam, richteten mehrere Sicherheitskräfte ihre Waffen auf ihn. Schließlich kehrte er um. Die Polizei bat auf Twitter darum, keine falschen Informationen zu verbreiten.

Polizei riegelte Europäisches Parlament ab

Der Straßburger Weihnachtsmarkt ist einer der ältesten und größten in Europa. Er zieht viele Besucher in die elsässische Stadt. Nach den Schüssen auf dem Weihnachtsmarkt riegelte die Polizei auch das Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg ab, wie ein AFP-Reporter berichtete. Dort finden in dieser Woche Plenarsitzungen statt, hunderte Abgeordnete und ihre Mitarbeiter halten sich deshalb in der Stadt auf. Wegen der polizeilichen Absperrung konnten Parlamentarier, Mitarbeiter und Journalisten das Gebäude am Abend zunächst nicht verlassen.

Der Straßburger Markt sollte schon einmal Ziel eines Attentats sein: Im Jahr 2000 wurde ein geplanter Sprengstoffanschlag einer algerischen Gruppe rechtzeitig verhindert.

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