Zwischen Feuerbach und der Schnellfahrstrecke nach Mannheim könnte eine zehn Kilometer lange neue Röhre entstehen. Das Landesverkehrsministerium steht der Idee aufgeschlossen gegenüber.
Stuttgart - Die Landesregierung begrüßt Überlegungen des Bundes, einen rund zehn Kilometer langen Bahntunnel im Norden von Stuttgart zu bauen. Das schreibt Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in einer Antwort auf eine Anfrage des Ulmer SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir, die unserer Zeitung vorliegt. Rivoir wollte von Hermann wissen, wie das Land zur Idee des Bundes stehe, „den sogenannten Nordzulauf von der Neubaustrecke Mannheim-Stuttgart zum neuen Tiefbahnhof mit zwei weiteren Gleisen in Tunnellage zu erweitern.“
Tunnel bringt Fahrzeitvorteile
Auslöser der Gedankenspiele ist der sogenannte Deutschland-Takt. Bei diesem Fahrplankonstrukt sollen die Züge besser aufeinander abgestimmt werden. Dazu ist es notwendig, dass die wichtigen Knotenbahnhöfe innerhalb einer Fahrzeit erreicht werden, die entweder knapp unter 30 Minuten oder knapp unter einer Stunde liegt. Zwischen Mannheim und Stuttgart brauchen die schnellsten Züge heute 37 Minuten. Zusammen mit der neuen Infrastruktur von Stuttgart 21 könnte der in der Diskussion stehende Tunnel zwischen Feuerbach und der bestehenden Schnellfahrstrecke Richtung Mannheim nach Ansicht von Fahrplanexperten die entscheidenden Minuten Fahrzeitersparnis bringen. Auf der Achse Mannheim, Stuttgart, Ulm, Augsburg, München lägen dann alle Bahnhöfe in der für den Taktfahrplan günstigen Fahrzeit von knapp unter 30 Minuten – den eben erst in die Planungsphase gestarteten Ausbau zwischen Ulm und Augsburg einmal unterstellt.
Der Deutschland-Takt wird schrittweise entwickelt. Gutachter werden alsbald eine dritte überarbeitete Version des Fahrplanentwurfs vorlegen. Alle darin enthaltenen Ausbaumaßnahmen – wie etwa der neue Tunnel im Stuttgarter Norden - werden auf ihren volkswirtschaftlichen Nutzen in Relation zu den Kosten abgeklopft. Fällt diese Prüfung positiv aus, können die Projekte in das Bundesschienenwegeausbaugesetz aufgenommen werden. „Erste Ergebnisse dieses Prüfungsprozesses werden voraussichtlich im zweiten Halbjahr dieses Jahres vorliegen“, schreibt Hermann.
S-21-Gegner sehen Offenbarungseid
Der Verkehrsminister hatte Mitte vergangen Jahres eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit Ausbauoptionen am Bahnknoten Stuttgart in der Zeit nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 befassen soll. An der seien „aktuell auch themenbezogen die Deutsche Bahn, die Landeshauptstadt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart beteiligt“, wie Hermann in seiner Antwort an Martin Rivoir schreibt. Ergebnisse des verschwiegenen Zirkels liegen indes noch nicht vor.
Gleichsam wandte sich Hermanns Amtschef Uwe Lahl im Oktober vergangenen Jahres ans Verkehrsministerium nach Berlin, um auf den Engpass im Stuttgarter Norden hinzuweisen. Dies in dem Bewusstsein, dass „vor allem durch die Errichtung einer neuen, unterirdischen Verbindung zwischen der bestehenden Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart und der neuen Infrastruktur von Stuttgart 21“(…) „erhebliche infrastrukturelle Aufwendungen“ vonnöten seien.
Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 sieht diese Überlegungen kritisch. Sie seien ein „Offenbarungseid der S-21-Befürworter“ und „ein milliardenschweres weiteres Geschenk an die Bauindustrie, das aber die Probleme des viel zu kleinen S-21-Tiefbahnhofs nicht lösen wird.“ Die Kritiker des Milliardenvorhabens halten „Verbesserungen von Zulaufstrecken grundsätzlich für wünschenswert – aber nicht, solange sie in einen viel zu kleinen Tiefbahnhof münden.“