Züge auf der Gäubahn sollen deutlich schneller unterwegs sein können. Foto: dpa/Felix Kästle

Der Ausbau der Strecke Richtung Schweizer Grenze könnte mehr als 2 Milliarden Euro kosten. Gleichwohl halten Gutachter der Bundesverkehrsministerium das Vorhaben für wirtschaftlich.

Stuttgart - Um die Fahrzeit zwischen Stuttgart und der Schweizer Grenze auf der Schiene um 20 Minuten zu reduzieren, müssten rund 2,1 Milliarden Euro in den Ausbau der Gäubahnstrecke fließen. Trotz dieser hohen Summe sehen Gutachter im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die Wirtschaftlichkeit gegeben. Der Kosten-Nutzen-Faktor, der den Aufwand und den unterstellten volkswirtschaftlichen Nutzen in Relation zueinander stellt, liegt bei 1,2. Das hat Steffen Bilger (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, am Donnerstag bekannt gegeben. Projekte, die auf Werte größer als 1 kommen, gelten als wirtschaftlich.

 

Bund müsste den Ausbau bezahlen

In dem Ausbaupaket enthalten ist ein elf Kilometer langer Tunnel zwischen der bestehenden Strecke und dem Stuttgarter Flughafen. Der zweigleisige Neubauabschnitt soll bis Böblingen-Goldberg reichen. Der Bau des Tunnels schlägt mit 976 Millionen Euro zu Buche, der Fahrzeitgewinn liegt bei dreieinhalb Minuten. Die Finanzierung soll über den Bundeshaushalt sichergestellt werden. „Wir haben den klaren Auftrag, die Vorhaben aus dem Bundesverkehrswegeplan umzusetzen“, sagt Bilger und verweist auf steigende Mittel, die für den Ausbau der Schienenwege zur Verfügung stünden. Zunächst müssten sich aber die Projektpartner von Stuttgart 21, für das am Flughafen bislang eine andere Lösung vorgesehen ist, auf den Gäubahntunnel verständigen.

Der umfangreiche Ausbau der Gäubahn geht auf die Idee des Deutschland-Takts zurück. Dabei sollen Strecken so beschleunigt werden, dass Züge besser aufeinander abgestimmt werden können. „Für den Deutschland-Takt brauchen wir den Ausbau. Andere Möglichkeiten, die geplanten Fahrzeiten zu erreichen, gibt es nicht“, erteilt Bilger alternativen Überlegungen eine Absage. Neben dem Gäubahntunnel sind weitere zum Teil umfangreiche Ausbauten an der Strecke vorgesehen. Züge des Fernverkehrs würden den Halt in Böblingen auslassen und in Singen an der Station „Landesgartenschau“ statt am Bahnhof halten. Das sei aber nur die Sicht der Infrastrukturplaner, so Bilger. Wo letztendlich gehalten werde, entscheide das Bahnunternehmen, das Fernverkehr auf der Strecke anbiete.

Nils Schmid ruft Grüne zum Einlenken auf

Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen und Abgeordneter aus dem Wahlkreis Nürtingen, zieht den massiven Ausbaubedarf in Zweifel. Für den Deutschland-Takt brauche es nur elf Minuten weniger im Vergleich zur heutigen Fahrzeit, das sei auch ohne den Tunnel auf den Fildern zu erreichen. Wer Stuttgart 21 an dieser Stelle verändern wolle, müsse auch über weitere Modifikation sprechen, etwa über die von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gewünschte, unterirdische Ergänzungsstation in der Innenstadt. Gastels Bundestags- und Wahlkreiskollege Nils Schmid (SPD) ruft hingen die Grünen dazu auf, „ihre Blockade aufzugeben“. Mit dem Gäubahntunnel lasse sich der Mischverkehr von S-Bahnen und Fernverkehrszügen auf denselben Gleisen vermeiden. Der Verlauf im Tunnel bringe deutlich weniger Betroffenheiten längs der Strecke mit sich. Deswegen erwartet Schmid auch ein schnelleres Genehmigungsverfahren. „Jetzt ist das Land am Zug schnell eine Einigung mit dem Bund zu erzielen.“

Kostenklage der Bahn als Hemmschuh?

Ähnlich sieht das die CDU im Landtag. „Das Landesverkehrsministerium sollte den Bund nun bei der Umsetzung des Ausbaus unterstützen. Alles andere wäre ein Bärendienst für alle Menschen entlang der Gäubahn, die seit vielen Jahren die Beschleunigung der Strecke herbeisehnen“, erklären die beiden Verkehrspolitiker der Christdemokraten Nicole Razavi und Thomas Dörflinger. Wer ständig den Schienenausbau fordere und von der Mobilitätswende rede, dürfe sich nicht, wenn es darauf ankommt, einer besseren Lösung verweigern.“ Landesverkehrsminister Winfried Hermann betont, es dürfe „nicht zu Verzögerungen bei der Anbindung der Gäubahn an den Knoten Stuttgart und an den Flughafen kommen“. Er kritisierte die Haltepolitik in Böblingen und Singen. Zudem fordert er den Bund auf, auf die Bahn einzuwirken, die Klage gegen die Stuttgart-21-Projektpartner zurückzunehmen, mit der die Bahn seit 2016 versucht, Stadt, Land und Region auf eine Beteiligung an den Mehrkosten zu bewegen.