Ilona Prauß und ihr Lebensgefährte Rolf Bürkle sind dankbar für die Hilfe, die sie bekommen haben – und für die Unterkunft auf Zeit. Foto: Eva Herschmann

Die Wohnung von Rolf Bürkle und seiner Lebensgefährtin Ilona Prauß ist bei einem Feuer zerstört worden – dank ihrer hilfsbereiten Nachbarn in Schmiden haben sie erst einmal ein Dach über dem Kopf sowie Kleidung und Schuhe.

Schmiden - Wie wertvoll Nachbarschaftshilfe ist, erfahren Rolf Bürkle und Ilona Prauß aus Schmiden derzeit am eigenen Leib. Nachdem es in ihrer Wohnung gebrannt hatte, stand das Paar im Jogging- und im Schlafanzug auf der Straße. Doch dank ihrer Nachbarn haben sie jetzt ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen und auch sonst alles, was sie zum täglichen Leben brauchen.

Obwohl sie unfreiwillig im Hotel wohnen, können Rolf Bürkle und seine Lebensgefährtin der Situation auch Positives abgewinnen

Die Ursache des Feuers ist bisher nicht bekannt. Die Kriminalpolizei wertet noch immer die Spuren aus. Die Folgen des Balkonbrands in der Uhlandstraße in Schmiden am Mittwoch, 25. März, waren jedoch verheerend. Rolf Bürkle und seine Lebensgefährtin Ilona Prauß haben ihr Zuhause verloren – aber dank ihrer hilfsbereiten Nachbarn schnell eine Unterkunft auf Zeit sowie Kleidung und Schuhe zum Anziehen gehabt. „Als wir aus der verrauchten, verrußten Wohnung in das saubere, weiße, helle Hotelzimmer im Hirsch gekommen sind, hatten wir Tränen in den Augen“, erzählt Rolf Bürkle.

Der Rocksänger Udo Lindenberg, der Dauergast im Hamburger Atlantic ist, schätzt das Hotelleben schon lange. Obwohl sie unfreiwillig im Hotel wohnen, können Rolf Bürkle und seine Lebensgefährtin der Situation auch Positives abgewinnen. Zwar hat ihr Zimmer keinen Balkon, aber bei schönem Wetter sitzt das Paar gerne in Oettingers Höfle draußen.

Der Brand, der am frühen Morgen ausbrach, hat nicht nur Mobiliar zerstört

Ilona Prauß und Rolf Bürkle sind die einzigen Gäste in dem wegen der Corona-Krise geschlossenen Hotel Hirsch. Nicht nur die Unterkunft ist ungewohnt. Alles, was Rolf Bürkle am Leib trägt, gehört ihm nicht. „Vom Hemd angefangen bis zu den Schuhen.“ Auch die Kleidung von Ilona Prauß besteht aus Spenden von Nachbarn, Feuerwehrangehörigen und den Mitgliedern des Kegelclubs Floriankegler, die schon lange nicht mehr gemeinsam eine Kugel schieben, aber noch immer befreundet sind. „Sogar Hausschuhe habe ich von der Claudia Bürkle bekommen“, sagt die 65-Jährige gerührt.

Der Brand, der am frühen Morgen ausbrach, hat nicht nur Mobiliar zerstört. „Zum Glück kümmert sich die Versicherung um alles, sie haben sogar unsere noch heilen Habseligkeiten abholen lassen, wie die Römer-Gläser, an denen ich sehr hänge. Alles wird gereinigt und aufbewahrt, bis wir wieder einziehen können“, erzählt Ilona Prauß. Sie hat wenigstens ihre Papiere retten können. Der Geldbeutel von Rolf Bürkle ist nur noch ein undefinierbarer verschmolzener Klumpen. „Aber die Papiere bekomme ich alle wieder“, erzählt der 63-Jährige.

Allzu viel retten konnten die Floriansjünger allerdings nicht

Noch immer fragt sich Rolf Bürkle, selbst seit 46 Jahren aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr Schmiden, warum das Feuer ausgebrochen ist. „Wir haben keine elektrischen Geräte oder sonst irgendwas draußen stehen gehabt. Das Ganze ist mir ein Rätsel.“ Die Polizei schließt deshalb auch Brandstiftung nicht aus. Durch die enorme Hitze zerbarsten alle Fenster der Wohnung beinahe zeitgleich mit einem riesigen Knall. „Und dann hat der Wind ungehindert die Flammen ins Innere treiben können“, schildert Rolf Bürkle das Schreckensszenario.

Froh ist der Schmidener, dass der Brand rechtzeitig bemerkt wurde, seine Lebensgefährtin, die noch im Halbschlaf im Bett lag, und er heil aus der Wohnung herausgekommen sind und, dass seine Kameraden von der Wehr binnen weniger Minuten da waren. Allzu viel retten konnten die Floriansjünger allerdings nicht. „Unseren drei Katzen ist aber nichts passiert. Sie waren zu dem Zeitpunkt in der Scheune“, erzählt Rolf Bürkle, der jeden Tag vom Hotel Hirsch die paar Meter nach Hause läuft, um die Miezen in der Scheuer zu versorgen. „Für die hat sich am wenigsten geändert.“ Das Ehepaar hat sich derweil in dem Hotelzimmer eingerichtet. Mit einer Mikrowelle, die sie geschenkt bekommen haben, können sie sogar kleinere Gerichte aufwärmen. „Eine Kaffeemaschine und einen Kühlschrank, nicht nur eine kleine Minibar, gab es schon im Zimmer“, sagt Ilona Prauß.

Voraussichtlich bis Mitte oder Ende April können sie im Hirsch wohnen bleiben. Je nachdem, wie lange das Hotel wegen der Corona-Krise keine Gäste aufnehmen kann und Reservierungen somit keine Gültigkeit haben. Ilona Prauß würde am liebsten bleiben, bis ihre Wohnung in ein paar Monaten renoviert und wieder bewohnbar ist. „Wir fühlen uns trotz der Umstände wohl“, sagt auch Rolf Bürkle. Nachbarn und Freunden sei Dank.

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