Warum stürzte Flug MH17 mit 298 Menschen an Bord über der Ostukraine ab? Ein Zwischenbericht von Experten stützt die These, dass die Maschine abgeschossen wurde - auch wenn das nirgends so explizit geschrieben steht.

Warum stürzte Flug MH17 mit 298 Menschen an Bord über der Ostukraine ab? Ein Zwischenbericht von Experten stützt die These, dass die Maschine abgeschossen wurde - auch wenn das nirgends so explizit geschrieben steht.

Den Haag - Der Absturz einer malaysischen Passagiermaschine mit fast 300 Todesopfern über der Ostukraine ist weder auf menschliches noch technisches Versagen zurückzuführen. Der erste offizielle Untersuchungsbericht kommt außerdem zu dem Schluss, dass zahlreiche Objekte die Maschine durchlöcherten und diese danach noch in der Luft zerbarst. Von Raketenbeschuss sprach der niederländische Sicherheitsrat am Dienstag nicht ausdrücklich.

Der australische Premier Tony Abbott sagte jedoch, die Ergebnisse passten zur Annahme seiner Regierung, dass das Flugzeug von einer großen Boden-Luft-Rakete getroffen wurde.

Keine Belege für Angriff von ukrainischem Flieger

Bei dem Absturz von Flug MH17 von Malaysia Airlines waren am 17. Juli 298 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon Niederländer. Westliche Staaten gehen davon aus, dass prorussische Separatisten die Maschine abgeschossen haben. Für Anschuldigungen Russlands und der Aufständischen, ein ukrainisches Militärflugzeug habe das Feuer auf die Boeing eröffnet, finden sich in dem Bericht keine Belege. Zur Uhrzeit der Katastrophe um 13.20 Uhr befanden sich demnach nur drei Verkehrsmaschinen mit MH17 im Luftraum über Donezk: Am dichtesten dran war demnach ein Flugzeug in 30 Kilometern Entfernung.

Die Beschädigungen am Wrack könnten nach Ansicht von Luftfahrtexperten auf Einschläge einer Buk-Rakete hindeuten. Diese explodiert dicht bei ihrem Ziel, und die Bruchstücke können es dann zerstören.

Metallsplitter sollen untersucht werden

Die Experten des Sicherheitsrats wollen nun Metallsplitter untersuchen, die in Leichen der Besatzungsmitglieder gefunden wurden. „Das könnten Reste der Objekte sein, aber auch Splitter aus dem Cockpit“, sagte der Vorsitzende Tjibbe Joustra im niederländischen Radio. Im niederländischen Hilversum sollen alle Opfer identifiziert werden.

Eindeutige Aussagen über einen Raketen-Beschuss sind nach den Worten von Joustra verfrüht. „Wir wollen absolute Sicherheit“, sagte der Vorsitzende des Rates. „Zurzeit ist nur sicher, dass das Flugzeug durch Objekte in der Luft mit hoher Schnellheit durchbohrt wurde.“ Dadurch wurde die Maschine so beschädigt, dass sie zerbrach.

Der Sicherheitsrat vermutet, dass an der Absturzstelle noch Reste einer Rakete zu finden sein könnten. Wegen der heftigen Kämpfe konnten die internationalen Experten die Absturzstelle nicht untersuchen. Angesichts der Waffenruhe im Osten der Ukraine hoffen sie, so schnell wie möglich dorthin zu reisen. Die Flugschreiber und die Daten der Luftverkehrsleitung wiesen dem Bericht zufolge auf einen normalen Flugverlauf hin. Es habe auch kein Notsignal der Piloten geben. „Alles weist auf ein abruptes Ende hin“, heißt es in dem Bericht.

Malaysias Premierminister Najib Razak fordert angesichts der offenen Fragen einen uneingeschränkten Zugang zur Absturzstelle. Auch er betonte, dass die Maschine laut Bericht flugtauglich war, keine Mängel aufwies und einer offiziellen, freigegebenen Route folgte.

Ukrainische Regierung: Bericht ist objektiv

Die ukrainische Regierung hat den Zwischenbericht als objektiv bezeichnet. Aus seiner Sicht gehe daraus klar hervor, dass eine Boden-Luft-Rakete die Maschine zerstört habe, sagte Vizeregierungschef Wladimir Groisman am Dienstag in Kiew. Zur Frage nach den Tätern sagte er: „Ich denke, dass es genügend Fakten gibt; Sie können sie in Ruhe prüfen und Ihre Schlüsse ziehen.“

Die Regierungstruppen hätten keine Flugabwehrsysteme im Konfliktgebiet Ostukraine benutzt. „Wie haben keine derartige Waffe eingesetzt. Der Bericht bestätigt unsere Mutmaßungen“, sagte Groisman. Die Regierung hatte nach dem Absturz erklärt, aus ihrer Sicht hätten moskautreue Separatisten mit russischem Kriegsgerät die Boeing abgeschossen. „Die Ukraine wird alles dafür tun, damit jeder, der an dem Terrorakt beteiligt war, bestraft wird“, sagte Groisman.

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