Große Pläne gibt es für das stillgelegte Papierwerk Scheufelen im Lenninger Tal. Projektentwickler aus Berlin möchten dort Wohnungen und Arbeitsplätze schaffen. Foto: /Carsten Riedl

Der Projektentwickler DLE Land Development will das 24 Hektar große Areal der ehemaligen Papierfabrik in ein Wohn- und Gewerbequartier umwandeln.

Seit Jahren ringen die Scheufelen Grundstücksgesellschaft und die Gemeinde Lenningen um Lösungen, wie das Gelände der früheren Papierfabrik genutzt werden kann. Jetzt zeichnet sich erstmals ein konkreter Weg ab. Die DLE Land Development GmbH, ein Projektentwickler aus Berlin, hinter dem eine Fondsgesellschaft steckt, hat das 24 Hektar große Areal erworben, um daraus ein Quartier für Wohnen und Arbeiten zu machen. Der neue Eigentümer kann sich auf der Fläche auch Freizeitangebote vorstellen. Über die Kaufsumme haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

 

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Niedergang in Raten

„Das sind Signale, die wir gerne hören“, sagt Bürgermeister Michael Schlecht. Bis zur Realisierung des Projekts sei es noch ein weiter Weg. Aber die erste Konzeption stimme ihn hoffnungsvoll. Das Areal habe große Bedeutung für das Lenninger Tal. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang des traditionsreichen Unternehmens Scheufelen, von dem heute nur noch kleine Teilbereiche mit wenigen Mitarbeitern laufen, habe die Kommune in den vergangenen 20 Jahren 800 bis 900 Arbeitsplätze verloren. Ein modernes und nachhaltiges Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsquartier, wie es der DLE vorschwebt, könnte neue Perspektiven für die Region schaffen, so der Rathauschef. Doch müssten die Gemeinde und ihre rund 8300 Bürgerinnen und Bürger in die Planungen eingebunden werden. Einen ersten Schritt dazu soll es demnächst geben. Im Juni werden die Projektentwickler die Pläne im Gemeinderat vorstellen, allerdings erst einmal in nicht öffentlicher Sitzung. Die Leitlinien des Vorhabens auf dem Scheufelen-Gelände – im Kernbereich sind es inklusive der bestehenden Anlagen rund 20 Hektar – wird man aller Voraussicht nach in einem neuen Bebauungsplan festlegen. Er hoffe auf eine zügige Umsetzung, sagt Bürgermeister Schlecht. Als großen Vorteil sieht er, dass für das Riesenprojekt keine neuen Flächen versiegelt werden müssen. Ganz im Gegenteil. Weite Teile der Lauter, die heute unterirdisch unter stillgelegten Industriebauten hindurch führen, könnten wieder freigelegt werden.

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Lauter könnte renaturiert werden

Mit dieser Renaturierung wirbt auch Jan-Steffen Iser, der Leiter der Projektentwicklung von DLE, für das Vorhaben. Er ist überzeugt, dass sich die Fläche zu einem zukunftsfähigen Standort umgestalten lässt. Besondere Herausforderungen dürften neben der Renaturierung der Lauter der Umbau denkmalgeschützter Gebäude und die Beseitigung von Altlasten sein. Auch Iser ist bei der Planung des Projekts an einem Miteinander gelegen. „Wir wollen mit der Gemeinde und den Bürgern schauen, was für Bedürfnisse da sind und was am besten passt“, sagt er. Nach seinen Worten können die derzeitigen Mieter in den Gebäuden bleiben, solange das Bebauungsplanverfahren läuft.

Von seinen Anteilen an der Grundstücksgesellschaft trennte sich auch Ulrich Scheufelen, der frühere Unternehmenschef. Seinen Angaben zufolge waren es 5,1 Prozent. Der 78-Jährige hatte sich in der Vergangenheit immer wieder auch persönlich engagiert, um einen Weiterbetrieb der Fabrik zumindest teilweise zu ermöglichen. Auch heute mischt er in einem auf rund 35 Personen zusammengeschmolzenen Entwicklungsteam mit. An zwei größeren Projekten arbeite man gerade, berichtet Scheufelen. Das eine sei eine im Herbst 2021 in Betrieb genommene Nassfließanlage. Sie dient der Verarbeitung von Carbonfasern, die für die Batterietechnik verwendet werden sollen. Zweites Standbein des Entwicklungszentrums sei die Strohtechnik. Vor allem Stroh von Weizen soll so aufgeschlossen werden, dass es für die Herstellung von Papier verwendet werden kann. Er sei froh, dass nun eine „große und seriöse Firma“ die Entwicklung übernehme, sagt der 78-Jährige. Ihm ist wichtig, zu betonen, dass es sich bei DLE um einen Entwickler und nicht um einen Bauträger handle.

„Müssen als Kommune mithalten können“

Das Konzept von Wohnen und Arbeiten mit kurzen Wegen hält Bürgermeister Schlecht für zukunftsfähig und nachhaltig. In jedem Fall brauche man einen ganzheitlichen Ansatz, auch wenn das Vorhaben dann in verschiedenen Abschnitten umgesetzt werde. Für seine sieben Ortsteile und zwei Weiler zählende Gemeinde sei die Konversion der früheren Industriefläche eine riesige Herausforderung, sagt der Rathauschef. „Wir müssen da als Kommune auch mithalten können.“ Schlecht meint damit den Bau der notwendigen Infrastruktur. Denn wenn auf dem Scheufelen-Areal mehrere hundert Menschen eine neue Wohnstätte beziehen, bedeute das beispielsweise mehr Platzbedarf in Schulen und Kindertagesstätten.

Die Historie der Papierfabrik und die neuen Eigentümer

Geschichte
 Die Papierfabrik Scheufelen wurde 1855 in Oberlenningen gegründet. In Spitzenzeiten – Ende der 1950er-Jahre – waren dort über 2000 Menschen beschäftigt. 1982 geriet Scheufelen in Turbulenzen, 2008 musste das Familienunternehmen Insolvenz anmelden. In der Folge gab es mehrere Eigentümerwechsel, Personalabbau und weitere Insolvenzen. Immer wieder gab es Anläufe, zumindest Teile des Unternehmens zu retten. Zuletzt scheiterte die Ansiedlung des „Technikums Laubholz“.

Fondsgesellschaft
 Die DLE Land Development GmbH, ist ein Entwicklungsunternehmen und Teil der DLE Group AG mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen ist eine international agierende Fondsgesellschaft, arbeitet ohne Fremdkapital und speist sich unter anderem aus drei Fonds mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro. Zu den aktuellen 60 Projekten der DLE zählt die Revitalisierung des Blautalcenters in Ulm.