Hermann Dauser (rechts) klärt Natalie Pfau-Weller, Nicole Hoffmeister-Kraut und Michael Schlecht (von links) über ein Start-up im Scheufelen-Areal auf. Foto: /Robin Rudel

Die Papierfabrik Scheufelen stellte seit 1855 in Lenningen hochwertige Papierprodukte her. Im April 2018 kam das Aus. Um die Zukunft der frei gewordenen Industrieflächen wurde lange gerungen. Nun ist auf dem Areal ein Mix aus Wohnen und Arbeiten geplant.

Das Projekt Scheufelen-Areal in Lenningen soll kein Papiertiger sein. Auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik mit 22 Hektar Entwicklungspotenzial ist laut Bürgermeister Michael Schlecht ein Quartier für Wohnen und Arbeiten geplant. Die frei gewordene Fabrik-Infrastruktur wird aktuell von der Hochschule der Medien aus Stuttgart und zwei Start-up-Unternehmen genutzt, die bei einem Besuch im Rahmen der Sommertour von Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Landesministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, präsentiert wurden.

 

Im August 2021 gingen bei den Nachfolgebetrieben der Papierfabrik Scheufelen die Lichter aus. Gründe dafür waren laut Bürgermeister Schlecht die fortschreitende Digitalisierung, der internationale Konkurrenzdruck und die nachlassende Nachfrage nach den hochwertigen Papierprodukten. Für die Gemeinde seien der Wegfall von Arbeitsplätzen und der Gewerbesteuereinnahmen eine Herausforderung gewesen.

Technikum war geplant

Zunächst sei geplant gewesen, so Michael Schlecht, auf dem frei gewordenen Areal das Technikum Laubholz des Landes anzusiedeln. In diesem außeruniversitären Zentrum sollte erforscht werden, wie Laubholzarten nachhaltig genutzt werden können. Die Ansiedlung sei dann aber doch in der Bahnhofstraße in Göppingen umgesetzt worden. „Dadurch haben wir wichtige Jahre in der Planung verloren“, so der Bürgermeister. Das Scheufelen-Areal sei dann vor etwa zwei Jahren an die Deutsche Landentwicklung (DLE) verkauft worden, die nun für die Projektumsetzung zuständig sei.

Der neuen Eigentümerin schwebt eine Trio-Version als Zukunftsvision für das Scheufelen-Areal vor. Auf der Seite westlich der Lauter, so führte Mitarbeiter Nicolas Sauerwein während des Ministerinnen-Besuchs aus, ist ein reines Wohnquartier mit bis zu 700 Wohneinheiten sowie Freizeiteinrichtungen geplant. Daran soll sich ein urbanes Viertel mit einem Mix aus Wohnen und Arbeiten anschließen. Östlich der Bundesstraße ist ein „produktives Viertel“ ausschließlich für Gewerbe auf einer Fläche von etwa 5,5 Hektar vorgesehen. Als besondere Herausforderung nannte Nicolas Sauerwein, dass ein Teil des Areals unter Denkmalschutz stehe. Dessen Vorgaben gelte es zu beachten. Bei der Planung müsse auch berücksichtigt werden, dass das neue Quartier ein verbindendes Element zwischen Ober- und Unterlenningen bilde. Bis zu 25 Prozent der Flächen sollen zudem im Zuge der Arbeiten entsiegelt und auch die Lauter aus ihrem „Betonbett“ befreit werden.

Zeitplan ist noch vage

Zum Zeitplan betont Bürgermeister Schlecht, dass diese Vision nicht von heute auf morgen umgesetzt werde. Der Aufstellungsbeschluss habe mit dem Gemeinderat noch vor der Kommunalwahl im Juni gefasst werden können. Mit dem neu zusammengesetzten Gremium wolle er zügig in das weitere Verfahren einsteigen. Wie lange das dauern werde, vermag er aber nicht zu sagen.

Ein totes Areal ist das Scheufelen-Gelände aber nicht. Für Leben sorgt die Hochschule der Medien aus Stuttgart, die dort seit 2017 auf etwa 600 Quadratmetern Fläche Forschung betreibt. „Lehre findet hier nicht statt“, stellt Rektor Alexander Roos klar. Doch Professor Matthias Franz und sein Team entwickelten Methoden für nachhaltige Verpackungen. Das Motto laute, vereinfacht gesagt: „Weg vom Plastik.“ Ähnlich ökologisch ist die Mission eines der beiden Start-ups auf dem Scheufelen-Areal laut Geschäftsführer Hermann Dauser. Aus Stroh und ähnlichen Materialien mit Zellstoffen werde etwa Papier hergestellt. Ein großer Vorteil, denn diese Produktion sei normalerweise mit sehr viel Chemie verbunden.