Auf dem Bau greift die sogenannte Solo-Selbstständigkeit Foto: dpa

Oskar Vogel, Chef des Baden-Württembergischen Handwerkstags, kritisiert den Mindestlohn. Weil viele die Lohn-Untergrenze umgehen wollen, hätten die Fälle von Scheinselbstständigkeit stark zugenommen, sagt er.

Stuttgart - Die Einführung des Mindestlohns hat nach Ansicht des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) bereits zu einem deutlichen Wachstum von Billigkonkurrenz in Form sogenannter Solo-Selbstständigkeit geführt. „Wir haben in den vergangenen Monaten eine rasante Zunahme dieser Form der Beschäftigung konstatiert und sind der Meinung, dass das direkt mit dem Mindestlohn zusammenhängt“, sagte BWHT-Hauptgeschäftsführer Oskar Vogel der Zeitung „Wirtschaft in Baden-Württemberg“, die von den Wirtschaftsredaktionen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten herausgegeben wird. In vielen Fällen handle es sich bei diesen Selbstständigen tatsächlich um abhängig Beschäftige, für die die Mindestlohngesetzgebung umgangen werden solle. Vor allem auf dem Bau greife dies immer mehr um sich. „Da kommen Busse mit Arbeitskräften aus Osteuropa in deutsche Metropolen. Vorne sitzt ein Dolmetscher und ein Anwalt, der den Leuten Verträge unterschiebt, in denen steht, dass sie Selbstständige sind“, so Vogel.

Die Politik scheine die „Wucht dieser Entwicklung noch nicht im Entferntesten wahrgenommen zu haben“. Besonders in Gewerken, die nicht mehr dem Meisterzwang unterliegen, gebe es massive Probleme. Die Unterschreitung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde sei häufig. Jeder zehnte dieser Solo-Selbständigen verdiene unter 4,85 Euro pro Stunde. Vogel räumte ein, dass auch Handwerksbetriebe solche Selbstständige beschäftigten. „Klar ist aber, dass wir des Problems Herr werden müssen. Mit Kontrollen und gesetzlichen Vorschriften.“

Der Mindestlohn selbst tangiere die Branche in Baden-Württemberg dagegen kaum. „In fast allen Gewerken lagen wir auch bisher schon über den 8,50 Euro je Stunde.“ Allerdings könne die Lohnuntergrenze einen allgemeinen Aufwärtstrend im Lohngefüge insgesamt auslösen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: