David Pandel werkelt momentan an seinem Spielepavillon. Foto: David Pandel

Veranstaltungen in ganz Deutschland werden wegen der Corona-Pandemie nach und nach abgesagt. Für Schausteller ist das eine existenzgefährdende Katastrophe. Der Schausteller David Pandel spricht über seine jetzige Situation.

Vaihingen - David Pandel ist Schausteller. Momentan lebt der 32-Jährige mit seiner Frau und zwei Kindern auf dem Betriebsgrundstück in Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg). Normalerweise wäre die Familie zum jetzigen Zeitpunkt auf dem Weg zu einem Pfingstmarkt, kurz davor hätten sie einen Stand auf dem Wasen gehabt. Doch momentan finden wegen der Coronavirus-Pandemie in ganz Deutschland keine Veranstaltungen statt. „Eigentlich hätten wir jetzt auf dem Wasen Geld verdient. Das war schon ein mulmiges Gefühl, den Platz leer zu sehen“, sagt Pandel.

Zu Beginn des Jahres hatte die Familie noch 21 Verträge für das Jahr 2020 auf dem Tisch. Davon übrig geblieben sind nur noch drei. Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt mit eingerechnet. Aber auch das könne sich stündlich ändern, sagt der 32-Jährige. Für Familie Pandel, die seit Generationen im Schaustellerleben heimisch ist, bedeutet das fast 100 Prozent Verdienstausfall.

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„Der ein oder andere Schausteller versucht es jetzt mit einem Außenverkauf von Essen vor Supermärkten oder auf dem eigenen Grundstück. Aber nicht jeder hat einen Essensstand“, erzählt Pandel. Das Betriebsgrundstück der Familie sei außerdem nicht von Konzernen oder ähnlichem umgeben. Ein potenzieller Bratwurstverkauf falle also ebenfalls weg.

Rücklagen wegen des Weihnachtsgeschäfts

Zum Repertoire der Schaustellerfamilie zählt ein Imbissstand und ein Spielepavillon, in dem in guten Zeiten unter anderem Entenangeln gespielt werden kann. „Jetzt sitze ich zu Hause im Wagen“, sagt Pandel. In der frei gewordenen Zeit bringe er seinen Pavillon auf Vordermann. „Die Materialien dazu hatte ich schon im vergangenen Dezember gekauft“, sagt er und fügt hinzu: „Das ist Geld, das ich jetzt brauchen würde.“

Für die Pandels gehe es „jetzt schon darum, ums Überleben zu kämpfen.“ Und dabei könne die Familie noch relativ zufrieden sein. „Wir hatten das Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr. Bei anderen Schaustellern ist schon früher Schluss.“ Sein geleastes Auto habe er trotzdem schon verkauft. Das sei bei der jetzigen Situation auf dem Automarkt schwer genug gewesen.

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Eine nie dagewesen Situation

„Am Anfang des Jahres war ich noch stolzer Besitzer einer Kinderrutsche“, erzählt Pandel. Auch die habe er mittlerweile für den Restwert verkauft. Der Familienvater weiß nicht, wie lange die Situation so noch weitergehen kann. Am meisten fehle ihm die Gewissheit darüber, ob und wie Veranstaltungen künftig stattfinden können. „Das beschert einem schlaflose Nächte.“ Ein großes Lob schickt er trotzdem in Richtung der Landesregierung. Die Soforthilfe habe ihm definitiv geholfen. Für ein ganzes Jahr reiche die Summe aber nicht.

Erlebt hat der 32-Jährige eine solch gravierende Situation noch nie. „Sogar wenn man mit Großmüttern und Großvätern spricht, gab es so etwas noch nicht“, sagt er. „Selbst während des Zweiten Weltkriegs konnte mein Opa immer wieder öffnen, um zum Beispiel ein Kasperletheater aufzuführen. Aber auch als Gaukler kannst du ja nicht unterwegs sein.“

„Dann fahre ich eben Waren durch die Gegend.“

Und was plant Pandel, wenn sich die Pandemie noch weiter ziehen sollte? Genau wisse er es noch nicht, sagt der Familienvater. „Vielleicht gehe ich zur Fahrschule. Einen Lkw-Führerschein habe ich ja. Und dann fahre ich eben Waren durch die Gegend.“ Aber auch das sei nicht so einfach. „Einige meiner Kollegen haben sich schon in die Richtung bewegt. Auch dort ist der Markt übersättigt und im Stillstand.“

Was der Familie helfen würde, sagt Pandel, sei der vom Deutschen Schaustellerbund geforderte Rettungsschirm für die Branche. Ob und wie die Politik auf diese Forderung eingehen wird, ist derzeit aber noch offen. Und so bleibt David Pandel nur eins: die Ungewissheit.

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