Samuel L. Jackson spielt in Patrick Hughes hochtouriger Actionkomödie „The Killer’s Bodyguard“ einen Killer, der von Ryan Reynolds beschützt werden muss. Foto: AP

Samuel L. Jackson ist nicht nur einer der fleißigsten Schauspieler Hollywoods, sondern der mit Abstand coolste. Auch in seinem neuen Film „The Killer’s Bodyguard“ ist er wieder ganz der Alte.

Los Angeles - Samuel L. Jackson ist nicht nur einer der fleißigsten Schauspieler Hollywoods, sondern für viele auch der mit Abstand coolste. Vom Erfolg ganz zu schweigen, schließlich haben seine Filme zusammengenommen bisher fast fünf Milliarden Dollar eingespielt. „The Killer’s ­Bodyguard“ ist schon der dritte Film des 68-Jährigen in diesem Jahr.

Herr Jackson, in „The Killer’s Bodyguard“ spielen Sie einen der gefährlichsten Auftragskiller der Welt. So richtig unsympathisch ist er nicht.
Naja, wir sprechen hier ja auch von einer Actionkomödie, nicht von einem ernst gemeinten Drama. Außerdem finde ich es immer wichtig, dass man als Zuschauer auch für solche Figuren etwas übrig hat. Gerade wenn ich besonders verachtenswerte Figuren spiele – so wie zum Beispiel damals in „Jackie Brown“ –, versuche ich denen auch irgendwie was Sympathisches abzugewinnen. So dass man zwar keinen Zweifel daran hat, dass man da ein echt gefährliches Arschloch vor sich hat. Aber sich trotzdem vorstellen kann, dass es ganz cool und lustig sein könnte, mit ihm abzuhängen.
Lustig geht es auf jeden Fall zu. In welcher Szene mussten Sie am meisten lachen?
Wenn man mit Ryan Reynolds dreht, passiert einem das öfter. Aber das Absurdeste war vermutlich, mit einer Gruppe singender Nonnen in einem Bus zu sitzen. Die Szene mit Lionel Richies „Hello“ hat viel Spaß gemacht. Den Song hatte ich mir extra für den Film gewünscht – und persönlich bei Lionel angerufen. Dass wir das Lied ausgerechnet für eine große Kneipenprügelei einsetzen, habe ich ihm natürlich nicht verraten.
Haben Sie den Ehrgeiz, so viele Stunts wie möglich selber zu machen?
Wenn’s nicht unbedingt sein muss, eigentlich nicht. Ich habe seit vielen Jahren meinen persönlichen Stuntman. Kiante Elam ist zwar jünger als ich, aber sieht mir einigermaßen ähnlich. Und er kommt aus einer echten Stuntfamilie. Sein Vater war einer der ersten schwarzen Stuntmen überhaupt, und seine Brüder sind nun auch in dem Business. Außer Kiante hatte ich dieses Mal auch noch einen Kerl namens Remy als Unterstützung, der all die Parkour-Sachen übernehmen konnte. Denn einen Salto kann ja nun wirklich niemand von mir verlangen.
In „The Killer’s Bodyguard“ ist Ryan Reynolds Ihr Beschützer. Haben Sie in Echt auch einen ständigen Bodyguard?
Nur bei Bedarf. Die meiste Zeit kann ich gut darauf verzichten. Am meisten gebrauchen könnte ich einen Bodyguard, immer wenn ich in Deutschland bin. Nirgends sind die Autogrammjäger aggressiver drauf.
Heute gelten Sie als ‚King of Cool‘. Wie lebt es sich als personifizierte Coolness?
Ich will mich zumindest nicht beschweren. Im Laufe der Zeit habe ich mich an dieses Label gewöhnt. Und es gibt ja wahrlich schlimmere Images. In meinem eigenen Leben habe ich mich allerdings noch nie als sonderlich cool empfunden. Außer es ist cool zu wissen, wer ich bin, was ich kann und kein Blatt vor den Mund nehme. Dieses Image ist aber eher einer jener Fälle, wo einen die Öffentlichkeit gleichsetzt mit den Rollen, die man spielt. Mich stört das aber, wie gesagt, nicht sonderlich, deswegen muss ich auch nicht auf Teufel komm raus dagegen ankämpfen.
Wann fing es an, dass Sie als cool galten?
Das verdanke ich wohl in erster Linie Tarantinos „Pulp Fiction“ beziehungsweise meiner Rolle darin. Vorher war ich einfach nur einer von vielen Schauspielern. Aber dieser Jules Winnfield war nun einmal ein verdammt cooler „Motherfucker“. Seine Körpersprache, sein Aussehen, seine Sätze – da entstand beim Publikum ein bestimmtes Bild. Und danach kamen noch ein paar weitere Filme, in denen ich lässige oder unerschütterliche Kerle gespielt habe. Also hat sich das verfestigt.
Fühlen Sie sich auf diesen Typ Mann in Ihren Rollen-Repertoire festgelegt?
Eigentlich nicht, auch wenn man ihn mir vielleicht besonders oft anträgt. Allerdings ist es wirklich nicht so, dass ich ausschließlich Männer spiele, die immer alles im Griff haben und durch nichts aus der Ruhe zu bringen sind. Denken Sie an „The Champ“, da spiele ich einen Obdachlosen, der auf der Straße lebt, und in „Black Snake Moan“ ein alternder Gitarrist. Das sind nur nicht Filme, mit denen mich die meisten assoziieren.
Viele dieser Filme hat kaum jemand gesehen. Warum picken Sie sich nicht nur die Rosinen raus?
Ich bin nun einmal Schauspieler, also muss ich doch auch schauspielen. Ein Maler steht doch auch morgens auf, um zu malen. Aus finanzieller Sicht könnte ich es mir ohne Frage leisten, weniger zu arbeiten. Aber in mir brennt auch nach all den Jahren noch die Leidenschaft für diesen Beruf – und die bleibt unbefriedigt, wenn ich nur zu Hause sitze und die Füße hochlege.
Selbst wenn Sie mit Regisseuren arbeiten, die weit von Quentin Tarantino entfernt sind?
Ich habe schon mit vielen schlechten Regisseuren gearbeitet. In solchen Fällen wird man zum stillen Beobachter und zieht sein Ding durch. Denn natürlich habe ich ohne Zutun des Regisseurs eine gewisse Vorstellung davon, wohin ich mit einer Rolle will. Da muss man einfach zusehen, dass man sich nicht durch die Unfähigkeit anderer von seinem Weg abbringen lässt.
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