Schauspieler Martin Leutgeb Der orange-rote Sonnenuntergang

Von Nina Ayerle 

Martin Leutgeb verlässt Stuttgart. Foto: Achim Zweygarth
Martin Leutgeb verlässt Stuttgart. Foto: Achim Zweygarth

Der Staatstheater-Schauspieler Martin Leutgeb kehrt nach Österreich zurück. Im Interview spricht er über seine Zeit in Stuttgart.


Stuttgart-Mitte – Er ist einer der beliebtesten Schauspieler am Stuttgarter Staatstheater gewesen. Jetzt verlässt der gebürtige Österreicher Martin Leutgeb nach fast sieben Jahren Schwaben und kehrt zurück in die Heimat.

Herr Leutgeb, wenn Sie auf ihre Zeit hier in Stuttgart zurückblicken, was hat Ihnen am besten gefallen?
Der orange-rosa-rote Sonnenuntergang, den ich sehr oft abends von meinem zweiten Wohnzimmer , dem Plenum im Landtag, aus betrachtet habe. Während ich auf der Terrasse saß und einen Aperol Sprizz getrunken habe, hab ich die Leute beobachtet, die schön gekleidet ins Theater gehen und gewartet, bis die Sonne untergeht. Ich hab mir immer gedacht, wenn ich eines Tages aus Stuttgart weggehe, kann ich sagen, so einen Sonnenuntergang gibt es nur hier.

Was waren denn ihre Lieblingsplätze hier?
Ganz besonders der Stuttgarter Osten. Als ich nach Stuttgart kam, hat mir jeder empfohlen, in den Westen zu ziehen. Ich habe dann aber eine schöne Wohnung in der Nähe des Ostendplatzes gefunden und ich habe es geliebt, dort zu leben. Vor allem den grünen Markt hinter dem Rewe, der jeden Freitag stattfindet, finde ich toll. Dort gibt es sehr guten Käse und leckeres Lammfleisch. Auch alles andere für meinen täglichen Bedarf konnte ich zu Fuß in nicht einmal fünf Minuten erreichen.

Von Österreich nach Schwaben, war das für Sie ein Kulturschock?
Nein, überhaupt nicht. Die typische schwäbische Mentalität, von der viele reden, ist mir hier nie aufgefallen. Das kommt aber vielleicht daher, dass ich gebürtiger Tiroler bin und man uns nachsagt, dass wir den Schwaben sehr ähnlich sind.

Als Schauspieler waren Sie zeitlich bestimmt sehr eingespannt. Wenn Sie frei hatten, was haben Sie dann in Stuttgart unternommen?
Ich bin tatsächlich fast immer den ganzen Tag im Theater gewesen. Aber gerade deshalb finde ich es sehr schön, dass es in Stuttgart so viele tolle Geschäfte und gute Lokale gibt. Ich esse sehr gerne, ob persisch, türkisch, italienisch oder schwäbisch, ich habe alles hier ausprobiert. Ich bin aber auch viel draußen in der Natur gewesen. Oft war ich mit einem Picknickkorb bei der Kapelle auf dem Württemberg oder war bei den Bärenseen und auf der Waldau spazieren.

Stuttgart scheint Ihnen sehr gut gefallen zu haben. Warum haben Sie sich entschieden zu gehen?
Ich habe jetzt fast 22 Jahre fest in einem Ensemble gearbeitet, ich wollte mich nächstes Jahr nicht noch einmal an einen neuen Intendanten gewöhnen. Außerdem, ich bin jetzt 45 Jahre alt, alles hat in mir nach etwas Neuem gerufen. Ich habe immer Theater gemacht. Dadurch hatte ich sehr wenig Freizeit, wenig Zeit, um Freundschaften zu pflegen. Das möchte ich in Zukunft ändern.

Werden Sie irgendwann nach Stuttgart zurückkehren?
Ich hoffe ja. Vielleicht habe ich schon in der nächsten Spielzeit eine Gastrolle hier, dann nehme ich mir eine WG hier und eine in Wien. So kann ich in beiden Städten leben.
Die Fragen stellte Nina Ayerle.

Ansprechpartner
Martin Haar
s-mitte@stz.zgs.de

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