Andy Magro hat in einem Hollywoodfilm, in Werbespots und Fernsehserien mitgespielt. Vom Schauspiel leben kann er nicht – und hält dennoch am Traum von der einen großen Rolle fest.
Schauspieler zu werden, ist für viele ein Kindheitstraum. Andy Magro verfolgt ihn seit rund 20 Jahren – und rät anderen dennoch davon ab. „Werdet alles außer Schauspieler“, sagt der 35-Jährige mit einem Lachen. Der gebürtige Leonberger stand bereits mit elf Jahren erstmals vor der Kamera.
Er besuchte renommierte Schauspielschulen in Köln, Los Angeles und New York. Größere Rollen, etwa im Kinofilm „Eine dunkle Begierde“ mit Keira Knightley und Michael Fassbender, folgten. Auch in Formaten wie „Soko Leipzig“, „Aktenzeichen XY“ und in der „Spreewaldklinik“ war er bereits zu sehen.
Vom Schauspiel allein leben kann Magro dennoch nicht. „Es gibt keine Regelmäßigkeit, keine Garantie auf Rollen und ein unregelmäßiges Einkommen“, sagt er. Deshalb arbeitet er derzeit in Vollzeit als Bankberater im Raum Böblingen. Zum Gespräch mit unserer Zeitung kommt er nach Feierabend, sein Smartphone liegt griffbereit auf dem Tisch. Denn jederzeit könnte ein Jobangebot eingehen.
Kein regelmäßiges Einkommen, keine Sicherheit
„Eigentlich habe ich zwei Vollzeitstellen“, sagt er. Denn neben seinem Bankjob bemüht er sich weiter um seinen Traum, als Schauspieler von seinen Rollen leben zu können. Magro bewirbt sich laufend, nimmt an Castings teil und bereitet sich auf Dreharbeiten vor. Dafür nimmt er dann nach Absprache unbezahlten Urlaub. Dass sein aktueller Arbeitgeber das ermöglicht, sei für ihn ein großer Glücksfall.
Dennoch fühlt sich Magro oft wie in einem Teufelskreis gefangen. Der Job bei der Bank sichert ihn finanziell, er nehme ihm aber Zeit und Energie, die er für die Schauspielerei brauche. Besonders für internationale Rollen müsse man flexibel und präsent sein. Nach Feierabend investiert er deshalb weiter in seine Karriere. So trainiert er Sprachen mit Apps, Live-Tutoren, Filmen und Büchern. Er spricht fließend Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch, dazu kommen Kenntnisse in Französisch, Niederländisch und Norwegisch. Aktuell lernt er außerdem Mandarin.
Der Traum vom Schauspielen kostet Zeit und Kraft
Neben Talent spielten in der Branche eben oft andere Faktoren eine Rolle, bemängelt er: finanzielle Rücklagen, Unterstützung aus dem Umfeld – und das Aussehen. „Ich bin nicht reich, klein und habe kein Sixpack“, sagt der 1,60 Meter große Magro. An seiner Körpergröße könne er zwar nichts ändern, aber an anderen Äußerlichkeiten. Gemeinsam mit seinem Management versucht er sich an einer Typveränderung, die wiederum Kosten verursacht. Er trägt eine Zahnschiene, geht zur dauerhaften Haarentfernung, will sportlicher werden. Durch Golfen, Training im Home-Fitnessstudio und bisweilen durch Stunden mit einem Personal-Trainer.
Dieser Aufwand habe auch private Beziehungen belastet. „Es gibt Momente, da denke ich, das schaffe ich nicht mehr“, sagt Magro. Halt finde er bei seiner Familie – psychisch wie finanziell. Nachdem er bereits in Los Angeles, London, Madrid, Rom und Sydney lebte und arbeitete, wohnt er inzwischen wieder bei Eltern und Bruder in Wimsheim.
Zweifel, Druck und die Hoffnung auf den Durchbruch
Ein eigener Wohnsitz sei ohnehin zu teuer und bei seinem mobilen Lebensstil wenig sinnvoll. Der Wohnort spiele aber eine wichtige Rolle, um in der Schauspielwelt mithalten zu können. Viele Castings fänden nach wie vor in großen Städten statt, sagt der 35-Jährige. Zu seinem Glück würden inzwischen jedoch viele Termine auch online angeboten.
Trotzdem: Bisher ist ihm der große Durchbruch nicht gelungen. Zwischen seinen Rollen absolvierte er zahlreiche Ausbildungen und machte unterschiedlichste Jobs – unter anderem im Handel, Tourismus sowie im Zoll- und Exportbereich. „Mein Lebenslauf hat acht Seiten“, sagt er. Zahlreichen Kollegen gehe es ähnlich, doch aus Scham sei es für viele schwer, offen darüber zu sprechen. Je länger er keine Rolle bekomme, desto größer würden seine Zweifel: „Bin ich gut genug, ist mein Gesicht noch gefragt? Das macht mich fertig.“
Schauspieler Andy Magro: „Am Set bin ich ich“
Um sichtbar zu bleiben, arbeitet Magro auch als Werbegesicht großer Marken und hat sich in sozialen Medien eine Reichweite von rund einer Million Followern aufgebaut. Influencer werden wolle er aber nicht.
„Ich bin am Set ich – da arbeite ich auch gerne 18 Stunden am Tag, weil es mir so viel Spaß macht“, sagt Magro. Die Hoffnung auf diese eine Rolle, die alles verändert, sie bleibt. Deshalb bewirbt er sich weiter, erweitert sein Profil mit neuen Sprachen, Reiten oder einem Bootsführerschein. „Als Schauspieler kann es dir immerhin nie langweilig werden.“