Itay Tiran als Othello (vorne), Katharina Hauter als Desdemona (hinten) Foto: David Baltzer/Agentur Zenit

Wie der Regisseur Burkhard C. Kosminski „Othello“ die Leidenschaft austreibt und Shakespeares Eifersuchtsdrama als politisch korrekte Verteidigung des Pazifismus interpretiert

Stuttgart - Ein Dreckskerl, ein geiles Vieh, eine fremde Kreatur, ein Adept verbotener Künste wider das Gesetz: Ein wilder Hexer muss Othello sein, zumindest legt die Rede des alten Brabantio dies nahe. Mit einem furiosen hocherregten Auftritt sprengt Elmar Roloff als Senator Brabantio eine Versammlung etwas rastlos da sitzender Militärs. Während sie über Landkarten und Strategien brüten, hat der Senator ganz andere Sorgen: Seine Tochter Desdemona ist ihm abhanden gekommen! Durchgebrannt mit Othello. „Ein Mädchen, das nie frech war!“, wie Brabantio schon fast komisch in seiner Selbstgerechtigkeit erklärt. Othello wird zur Lagebesprechung einbestellt, man hätte ihn ohnehin gebraucht, denn der große General soll in den Krieg ziehen.

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