Schuhe und Schach in der Ausstellung „Memento Werner Fohrer“ im Schauraum Plochingen Foto: Petra Bail

Banale Alltagsszenen wurden zu virtuosen Streetlife-Kunstwerken: Die Ausstellung „Memento Werner Fohrer“ im Schauraum Plochingen zeigt Werke des im Juli verstorbenen Malers.

Werner Fohrer hatte viele Facetten. Dass der 77-Jährige neben seiner Malerei täglich zwei Stunden Schach spielte, wussten nur wenige. Nun hat seine Familie, das take5-Team, wie sich die Ateliergemeinschaft als Betreiberin des Schauraums nennt, eine sehr persönliche Präsentation zusammengestellt, die den geschätzten Kollegen, Freund und Wegbegleiter noch einmal sichtbar werden lässt – seine Persönlichkeit ebenso wie seine Haltung.

 

Zu sehen sind nicht nur Arbeiten aus den Anfängen seiner Studienzeit bis zu jenem Bild, das auf der Staffelei in seinem Atelier unvollendet blieb. Da stehen die lang getragenen Schuhe, liegen Arbeitskleider, die mit Farbe gesprenkelte Hose, wie zufällig über den speckigen Ledersessel geworfen, als wäre er nur kurz aus dem Raum gegangen. Fohrers Schachspiel ist aufgebaut, daneben der Airbrushkompressor, dazu die Pistole, Pinsel, am Computer erarbeitete Vorlagen und ein Bildband über Berge. All die Gegenstände fügen sich neben den Bildern zu einem stimmigen Porträt eines Menschen, der zwar ohne große Worte auskam, aber sehr reflektiert durchs Leben ging – auf der Suche nach dem Sein in einer schnelllebigen Zeit.

Auch seine künstlerische Entwicklung lässt sich anhand der ausgestellten Arbeiten nachverfolgen. In einer Art lockerer Petersburger Hängung reihen sich die Werke dicht bis unter die Decke, als Bild gewordener Überblick über ein Leben für die Malerei. Drei Selbstporträts von 1968, 1976 und 2023 zeigen eine große stilistische Spannweite, geprägt von der jeweiligen Zeit. Neben Nachtbildern mit Airbrush, den Werkserien „Streetview“ und „Streetlife“, Naturbildern mit Bergen, Gewässer und Bäumen hängen auch Porträts von Musiker wie Falco und Pink an der Wand. Seit den 80er Jahren hatte der Maler eine ganz eigenständige Spielart von Fotorealismus entwickelt.

Die Welt mit der Malerei erschließen

In seiner Kunst werde Werner Fohrer weiterleben, sagte Bürgermeister Frank Buß im Rahmen der Vernissage, zu der zahlreiche Besucher gekommen waren. Eine besondere Einführungsrede hielt die ehemalige Kulturamtsleiterin und Fohrer-Kennerin Susanne Martin. Zwar sei die Malerei sein Ausdrucksmittel und sein Weg gewesen, die Welt zu begreifen, doch auch seine selbstverfassten Texte zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Kunst. Sie zeigen einen Maler, der sich selbst hinterfragte und einordnete. Mit Auszügen aus diesen Schriften zu verschiedenen Themen ließ Susanne Martin den Künstler selbst zu Wort kommen.

Über den Malprozess schreibt Fohrer von „Abwägen, Zweifeln, Begeisterung, Verwerfen, Distanzierung, Annäherung, Sprunghaftigkeit, Perfektion, Konzentration und Mal-Lust“. Über die Bildfindung etwa heißt es: „Was mich nie sonderlich interessierte, war ein starrer akademischer Mainstream, der unbekannte kreative Sichtweisen und Darstellungsformen in der Malerei nicht zulassen wollte . . .“ Computer und Photoshop waren für ihn Hilfsmittel, derer er sich bediente, um sich letztlich „die Welt mit der Malerei zu erschließen“.

Ein letztes Mal war die Öffentlichkeit an diesem Abend in Fohrers Atelier eingeladen, um beim Betrachten von 60 ausgestellten Arbeiten Abschied zu nehmen von einem Mann, der einmal sagte, man müsse für sich selbst ein Podest finden, auf dem man sich nicht mehr allzu sehr erschüttern lasse.

Maler und Mensch

Anfang
In den 1970er Jahren studierte Werner Fohrer an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und Stuttgart. Er setzte sich früh mit dem Neuen Realismus und Hyperrealismus auseinander. Eine prägende Zeit verbrachte er als Stipendiat des Landes Baden-Württemberg an der Cité Internationale des Arts in Paris, wo er 1980 und 1981 neue Impulse für seine Arbeiten aufnahm. In den Jahren 1982 bis 1984 erhielt er ein Atelierstipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. Seit 1992 arbeitete der Esslinger Künstler in seinem Atelier im Kulturpark Dettinger.

Abschied
Die Gedächtnisausstellung ist bis 6. Januar 2026 im Schauraum, Esslinger Straße 56, zu sehen. Öffnungszeiten sind donnerstags 15 bis 17 Uhr nach Absprache per Mail schauraum-plochingen@gmx.de.