Im Kriminalmuseum in Böblingen sind viele Beweisstücke von bekannten Kriminalfällen ausgestellt. Auch vom Schatzraub auf der Burg Hohenzollern vor 72 Jahren.
Mit zwei zusammen gebundenen Leitern erklimmt Paul Falk in der Nacht vom 31. Juli 1953 die Schlossmauern der Burg Hohenzollern. Er hat nichts Gutes im Sinn: Nur wenige Augenblicke später wird er in die Schatzkammer der Burg einbrechen – Ein Juwelenraub, der in die Geschichte eingehen wird.
Was hat dieser Raub mit dem Kreis Böblingen zu tun? Die Geschichte des Diebstahls ist so spektakulär, dass sie im Kriminalmuseum in Böblingen aufgearbeitet wurde.
Schatzraub ist ein Lehrstück in der Kriminalgeschichte
Das Museum ist nicht zugänglich für die Öffentlichkeit – zu schauerlich sind die Kriminalfälle und Ausstellungsstücke in den Räumlichkeiten im Wildermuth-Areal Böblingen. Die Sammlung, die der mittlerweile pensionierte Kriminalkommissar Rolf Fauser über Jahre zusammengestellt hat, ist vielmehr für die Fortbildung von Polizeibeamten und Angehörigen von Blaulichtorganisationen gedacht. Rund 1700 Personen haben das Museum, das Ende 2022 eröffnet wurde, bereits besucht.
So ist auch der Schatzraub auf der Burg Hohenzollern ein Lehrstück in der Kriminalgeschichte: Saphire, Rubine, samtbezogene und mit Brillanten besetzte Marschallstäbe von Kaiser Wilhelm II. – all diese Dinge und vieles mehr – ließ der Dieb Paul Falk in der Sommernacht vor 72 Jahren mitgehen. Einzig die Königskrone ließ der Einbrecher zurück: Da setzte wohl selbst bei ihm das schlechte Gewissen ein. Der Wert des Diebesguts belief sich auf rund 100 000 D-Mark.
In Böblingen befinden sich Original-Asservate aus dem Fall
Im Museum in Böblingen befindet sich ein Gipsmodell der Burg, mit dessen Hilfe der Einbruch rekonstruiert werden kann. Das Modell haben Kollegen von Rolf Fauser selbst gebaut. „Es steckt voller Details“, sagt er. Es seien die einzigen bildlichen Darstellungen, die es zur Tatrekonstruktion gebe. Und mehr noch: In dem Museum in Böblingen sind auch Original-Asservate – also sichergestellte Objekte von dem Einbruch – ausgestellt. Ein Bolzenschneider etwa, der zum Durchschneiden von Metallstangen oder Ketten benutzt werden kann, spielte eine wichtige Rolle in dem Fall.
Der Dieb war Zirkusartist und arbeitete mit fünf Identitäten
Der Täter hatte seinen nämlich in der Nähe des Tatorts verloren. Ein zehnjähriges Kind fand das Werkzeug damals in einem Waldstück und hat es mit nach Hause genommen. Deshalb fiel der Verdacht zunächst auf den Zehnjährigen. Schließlich jedoch kamen die Ermittler Paul Falk auf die Schliche, weil er sich einen neuen Bolzenschneider im gleichen Fachgeschäft nachkaufte. Den Mann aufzuspüren, war schwierig: Paul Falk versteckte sich hinter fünf Identitäten. Geschnappt wurde er letztlich in Frankfurt – wo er das zusammengeschmolzene Gold aus dem Schatz zum Verkauf angeboten hatte.
Es stellte sich heraus, dass Paul Falk Zirkusartist gewesen war und sich wohl mit Leichtigkeit über die Burgmauern schwingen konnte, um dann durch einen kleinen Spalt in die Schatzkammer der Burg zu gelangen. Am Ende wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt.
Besonders großen Eindruck scheint seine Haftstrafe auf ihn nicht gemacht zu haben: Rund 30 Jahre nach dem spektakulären Einbruch in die Burg Hohenzollern wurde der Täter – damals schon 77 Jahre alt – bei einem einfachen Ladendiebstahl auf der Königstraße in Stuttgart wieder festgenommen.
„Er konnte es wohl einfach nicht lassen“, sagt Rolf Fauser.
Fälle aus dem Kriminalmuseum in Böblingen
Museum
Das Kriminalmuseum in Böblingen ist seit 2022 eröffnet, ist für die Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich. Der Kriminalkommissar Rolf Fauser hat das Museum selbst aufgebaut. Durch das Kriminalmuseum sollen anhand ausgewählter Exponate reale Einblicke in die Kriminalitätsentwicklung, Kriminalitätsprävention und in die Verbrechensbekämpfung ermöglicht werden. Die Bilder von Todesdarstellungen sind tatsächliche Lehrinhalte zum Thema Todesermittlungen für die kriminal-polizeiliche Fortbildung.
Serie
In einer Serie beleuchten wir spektakuläre Kriminalfälle aus ganz Deutschland, die Eingang in die Sammlung in Böblingen gefunden haben.