Im September 2008 wurde der Marktplatz im Scharnhauser Park eingeweiht. Klicken Sie sich durch weitere Hingucker des Neubaugebiets und die Konzepte, die dahinter stecken. Foto: Wagner

7000 Neubürger in 15 Jahren - das Konzept des Scharnhauser Parks interessiert New York.

Ostfildern - Es war eine Rechnung mit vielen Unbekannten: Als die Amerikaner 1992 ihr ausgedientes Militärgelände an Ostfildern übergaben, waren die Perspektiven vage. Heute sind alle Zweifel vom Tisch: Die Infrastruktur ist überdurchschnittlich, die Atmosphäre grün.

"Wer kann schon von sich behaupten, dass er eine ganze Stadt gebaut hat?" Karl-Josef Jansen kann es, und deshalb ist der Chefplaner des Scharnhauser Parks erst jüngst wieder als Referent zu einem Hochschulvortrag eingeladen worden. Jansens Herausforderung war, das 140 Hektar große Gelände der Nellingen Barracks, das 1993 Scharnhauser Park getauft wurde, gestalterisch und funktionell zu entwickeln. Beides ist gelungen und wird belegt durch die Zufriedenheit der Bürger, aber auch durch den Deutschen Städtebaupreis. Selbst das Museum of Modern Art in New York hat die Pläne für die Siedlung in die Sammlung aufgenommen.

Dabei hätte viel schiefgehen können. Eine Bürgerinitiative prognostizierte, Ostfildern werde sich mit der aus dem Boden gestampften Stadt übernehmen. Andere befürchteten ein Ghetto, in dem vor allem sozial Schwache unterkommen würden. Selbst die Banken irrten sich: "Das Gelände wurde viel zu schlecht bewertet", erinnert sich Karl-Josef Jansen. Heute gehört der Stadtteil zu den gefragtesten Adressen der Region.

Bis 2014 sollen 9000 Menschen in den Neubauten leben

Ostfildern ging den unüblichen Weg und baute zuerst die Infrastruktur. Damit wurde verhindert, dass die ersten Bewohner ohne Läden oder Kindergarten dastehen würden. Die Finanzierung des Mammutprojekts hat Ostfildern mit damals 30.000 und heute 37.000 Einwohnern über die eigens gegründete Sanierungs- und Entwicklungsgesellschaft (SEG) abgewickelt, über Kredite, die aus Grundstückserlösen getilgt werden. Allein der städtische Part für Schule, Stadthaus, Landschaftsgestaltung und Straßen macht 137 Millionen Euro aus. Der höchste Schuldenstand, so Stadtkämmerer Rolf Weisbarth, summierte sich 2002 auf 42,5 Millionen Euro. Heute frohlockt die Stadt über den kleinen Rest von 3,4 Millionen.

Inzwischen leben 7000 Menschen in den Neubauten - bis zur geplanten Fertigstellung 2012 bis 2014 werden es um die 9000 sein. Dass das Gesamtprojekt in etwa drei Jahren über die Bühne sein kann, hält Jansen für realistisch: "Von der Vermarktung her reicht die Zeit."

Die meisten Park-Bewohner sind zufrieden. Vor allem die Einkaufsmöglichkeiten mit drei großen Supermärkten und Wochenmarkt werden gelobt. Es gibt genügend Grünflächen und Spielplätze, finden die meisten. Es fehlen aber Kindergarten- und Krippenplätze. Derzeit stehen 48 Kindergartenkinder auf der Warteliste.

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