Rund 450 Menschen sind am Sonntagabend zur jüngsten Kundgebung gegen eine Bebauung des Schanzackers gekommen. Die Gegner wollen ihre Proteste ausweiten.
„Wenn das Land meint, es müsse beim Schanzacker in eine vertiefte Prüfung gehen, gehen wir in den vertieften Widerstand!“ Nicht nur für diese Aussage erhielt Andreas Weiser von der Bürgerinitiative GGLTA (Gemeinsam gegen LEA Tamm Asperg) viel Applaus von den laut Polizeischätzungen etwa 450 Menschen, die am Sonntagabend zu einer Kundgebung direkt an der Fläche gekommen waren, auf der laut der Überlegungen des Landes eine große Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge entstehen könnte – falls sie sich nach diversen Prüfungen dafür eignet.
Genau das ziehen jedoch Anwohner, Gemeinderäte und Bürgermeister der betroffenen Städte Tamm und Asperg in Zweifel. „Wir haben das Umweltgutachten sorgfältig geprüft, der Etikettenschwindel ist aufgeflogen“, rief Beate Ade von der GGLTA den Anwesenden zu. Weiser führte das näher aus: Es handle sich mitnichten um ein Umweltgutachten, sondern lediglich um ein Artenschutzgutachten – dessen Ergebnis die Bürgerinitiative übrigens auch konträr zur Einschätzung des Landes wertet.
Umweltgutachten braucht mehr als nur Artenschutzbetrachtung
Und er erklärte: „Wir wollen mit unserer Forderung dafür sorgen, dass ein fundiertes Umweltgutachten in Auftrag gegeben wird.“ Es gehe nämlich nicht nur um Artenschutz, sondern auch um Luft, Boden, Klima und Landschaft – und um Wasser. „Auf dem Schanzacker befindet sich ein schützenswertes Wasserreservoir, das im Notfall unsere Versorgung sicherstellt“, betonte er.
Unabhängig vom Widerstand gegen jedwede Bebauung des Schanzackers verwies Weiser auch darauf, dass es gar keinen Bedarf für eine LEA dieses Ausmaßes gebe. Aktuell seien von den rund 6000 Regelplätzen des Landes nur etwa 70 Prozent belegt. Außerdem gebe es weitere 6000 Plätze in Reserve. Viel wäre schon gewonnen, wenn man die Asylanträge in maximal drei Monaten abarbeite, wobei die Asylsuchenden aktiv mitarbeiten müssten. Aktuell dauerten die Verfahren jedoch oft länger als ein Jahr. Es könne nicht sein, dass „ein geschützter Grünzug für eine verfehlte Bundes- und Landespolitik herhalten“ müsse, so Weiser.
Schanzacker soll Wahlkampfthema werden
Er forderte zudem, der Schanzacker müsse Teil des Klimamobilitätsplans des Landkreises werden. Dieser habe das Ziel, den CO2-Ausstoß im Verkehrssektor bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren – und ein wichtiger Aspekt dabei sei die Reduzierung der Flächenversiegelung, da versiegelte Flächen die natürliche Versickerung von Regenwasser verhindern und somit den Wasserhaushalt negativ beeinflussen.
Unverständnis äußerte er darüber, dass sich nicht nur die Deutsche Umwelthilfe sowie Nabu und BUND beim Schanzacker zurückhielten, obwohl so etwas eigentlich ihr ureigenes Thema sei, sondern auch darüber, dass Thekla Walker, die grüne Umweltministerin des Landes, offenbar kein Problem mit der Versiegelung einer solch wertvollen Fläche habe. „Wir machen den Schanzacker zum Wahlkampfthema“, versprach er den Anwesenden.