Schafe und ihre Schäfer, Tiere, Produkte, Beruf und Handwerk wurden während der Schäfertage auf dem Gelände des Freilichtmuseums Beuren präsentiert. Viele Infos gab es auch: Schafhalter berichteten von ihrem schönen, aber zunehmend schwieriger werdenden Beruf.

Schön sind sie anzusehen. Die kleinen Tiere der alten ostpreußischen Rasse Skudde ziehen viele neugierige Blicke auf sich. Sie gehören zu den Stars bei den 21. Schäfertagen mit Schäfermarkt im Freilichtmuseum Beuren. Auf dem Museumsgelände ging das Aktionswochenende rund um Schippe, Pferch und Karren am Samstag und Sonntag über die Bühne.

 

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Den Schafen geht es an die Winterwolle

Luise Pachaly aus Mönsheim im Enzkreis ist die Besitzerin der Schafe und sich der Besonderheit ihrer Tiere wohl bewusst: „Die Skudde sind schon eine tolle Rasse." Sie besitzt 50 Mutterschafe, die auf einer Gesamtfläche von zehn Hektar grasen und sich aufhalten dürfen. Genau genommen sei sie aber gar keine hauptberufliche Schäferin. Die Tiere seien vielmehr ihr Hobby. Wirtschaftlich lohne sich die Haltung nicht. Denn der Verkauf des Fleisches bringe nur wenig Geld ein, für die Schafschur werde sogar draufgelegt. „Wir arbeiten immer an der schwarzen Null“, sagt die Tierfreundin und Idealistin.

Fleisch und Landschaft

Von der Schafzucht leben, das geht aber schon. Bei Bettina Schmid und ihrer Familie aus Owen klappt das. Allerdings besitzen sie 1200 Tiere. Schmid schätzt, dass 60 bis 70 Prozent der Einnahmen aus Förderungen für die Landschaftspflege kommen. Der Rest wird durch den Fleischverkauf erlöst.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Eine Saison im Zeichen des Genusses

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Schäfer in der Region kennt auch die Schäfermeisterin Annerose Kerner,die ebenfalls aus Owen stammt. Sie übt noch den selten gewordenen Beruf der Hüte- und Wanderschäferin aus. Wie viele Tiere sie besitzt, das möchte sie nicht verraten. Die Bedingungen hätten sich aber in den vergangenen Jahren verschlechtert, berichtet sie. „Es ist alles sehr klein parzelliert, steil und dicht besiedelt“, erklärt die Fachfrau, die Schafweiden in Owen und Neuffen gepachtet hat. Auf den Weiden ist sie vom Frühjahr bis zum Spätsommer mit ihrer Merinolandschafherde, auch Württemberger Schaf genannt, und ihren Altdeutschen Hütehunden unterwegs. Das Württemberger Schaf sei typisch für die Region. Die Tiere seien robust, marsch- und pferchfähig, ausdauernd und liefen viel. Die Lämmer bleiben bei ihren Müttern und ernähren sich von der Milch, von Gras und Kräutern der extensiven Schafweiden.

Wölfe werden zum Problem

Im Schnitt ziehe sie zehn bis 15 Kilometer pro Tag mit den Tieren weiter, berichtet Annerose Kerner aus ihrem ungewöhnlichen Berufsleben. Das macht bei 365 Tagen im Jahr die stolze Strecke von rund 4000 Kilometern, bei jedem Wetter. Es gibt keine Feiertage, keinen Urlaub, kein Wochenende und keine Krankheitstage. „Es ist ein körperlich anstrengender Job“, stellt Kerner klar. Im Sommer mache die zunehmende Hitze Mensch und Tier zu schaffen. Hinzu kämen in den vergangenen Jahren vermehrt Unwetter und Trockenheit. Eine große Sorge bereitet Kerner außerdem die zunehmende Wolfspopulation. Der Herdenschutz sei nicht möglich.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Museumsobjekte zum Wegwerfen zu schade

Eine Zukunft hat der Beruf des Wanderschäfers in der Region kaum. Es gebe in Baden-Württemberg keine Schule mehr, die den Nachwuchs für diesen Beruf ausbilde. Interessierte müssten nun schon nach Bayern gehen, um im Nachbarbundesland die nötigen Kenntnisse im Rahmen einer Ausbildung zum Tierwirt zu erwerben. „Die Wanderschäferei stirbt aus“, sagt die Schäferin. Fachpersonal zu finden, sei sehr schwer. Sie selbst stamme aus einer Schäferfamilie und sei dem Familienberuf aus Leidenschaft treu geblieben.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Geschichten aus Beuren

Dass der Großteil des Einkommens aus Förderbeträgen für die Landschaftspflege bestehe, stimme sie traurig. Mit den internationalen Preisen für Fleisch und Wolle der Konkurrenz aus Irland oder Neuseeland können die regionalen Tierhalter nicht konkurrieren. In Neuseeland gebe es Herden mit bis zu 40 000 Tieren, die sich weitgehend in freiem Gelände bewegten, verdeutlicht Kerner die Unterschiede.

Die Förderung für die Landschaftspflege erhalten die Schäfer, weil die Schafe durch die Beweidung von Flächen das Gelände vor einer Verbuschung bewahren und damit die Artenvielfalt gefördert wird, erklärt Annerose Kerner. Ohne die Schafbeweidung könnte die Kulturlandschaft, beispielsweise rund um die Burg Teck oder auf der Neuffener Heide, nicht bestehen bleiben.

Die Lammkönigin

Seit dem Jahr 2019 ist Annerose Kerners Tochter Alina die Württembergische Lammkönigin. Sie kennt die Vor- und Nachteile des Berufes. „Man bezahlt einen hohen Preis für dieses Leben“, sagt sie. Und die Zukunftsaussichten seien unsicher. Es seien aber nicht allein die schwierigen wirtschaftlichen Umstände, die die Zukunft der Wanderschäferei gefährdeten. Von Passanten würden sich die Wanderschäfer zuweilen mehr Verständnis wünschen – von Autofahrern, Mountainbikern oder Spaziergängern mit Hunden. Aber auch die Schäfertage in Beuren sollen zu mehr Verständnis für den Beruf und die Tiere beitragen.

Die Schäfertage in Beuren

Wolle
Mit diesen Preisen können Schafzüchter und Schafhalter rechnen. Die Wolle bringt 50 Cent pro Kilogramm ein. Ein Schaf gibt ungefähr drei Kilo Wolle - das macht eine Summe von 1,50 Euro. Die Schafschur, die meist nicht von den Schäfern selbst übernommen wird, kostet aber mehr als das Doppelte.

Merinoschaflandschaft
Das mittelgroße, hornlose Merinolandschaf ist typisch für die Region. Das Wanderschaf hat lange Beine für einen raumgreifenden Schritt. Entstanden ist es Ende des 18. Jahrhunderts, als heimische Landschafrassen in Süddeutschland mit Tieren aus Spanien und Frankreich veredelt wurden.

Weiden
Hier fühlen sie sich ganz besonders wohl. Im Sommer ist die Schwäbische Alb ein klassischer Standort für das Württemberger Lamm. Der mildere Bodenseeraum, das Rheintal, der Kraichgau und das Kinzigtal sind dagegen willkommene futterreiche Regionen für die Übergangs- und Winterzeit.