Immer für einen Spaß gut: Landrat Rainer Haas beim Schäferlauf. Foto: factum/Weise

Beim Schäferlauf in Markgröningen verteilt der Ludwigsburger Landrat ironische Spitzen gegen den OB von Ludwigsburg. Ein relativ politischer Beginn für das Spektakel mit Festzug und Wettlauf.

Markgröningen - Kaum ist er aus dem Urlaub zurück, treibt den Landrat Rainer Haas weiter die Stadtbahndebatte um. Zum Schäferlauf muss Rainer Haas natürlich zurück sein – denn traditionell wird der Landrat beim Schäferlauf am frühen Samstagmorgen „abgeholt“ und darf dann eine Rede in Reimen wie bei der Fasnet von sich geben. So ist es Tradition, nachdem schon um 6 Uhr morgens der Bürgermeister Rudolf Kürner vom Fanfarenzug in seinem Haus „geweckt“ wird. Kommunalpolitiker müssen also früh aufstehen beim Schäferlauf. Es ist die Ouvertüre für den ersten großen Tag mit Massenspektakel – um 11 Uhr startet der prächtige Festzug durch die Innenstadt und zum Stoppelfeld, bevor sich dann dort die Jugendlichen um die Krone des Schäferkönigs bewerben.

Haas dichtet gegen die Lieblingsprojekte von OB Spec

Doch zunächst wird es ziemlich politisch. Der Landrat reimt – und teilt dabei kräftig aus. „Zur Hauptzeit sind die Straßen voll – die Autos steh’n im Dauerstau.“ Dann kommt er zu dem Schluss, dass da nur eine Straßenbahn helfen könnte, und wird dann ziemlich deutlich: „Doch mancher noch im Bette pennt, und träumt den Traum vom Autobahn!“ Damit auch jeder versteht, worum geht es geht, kritisiert er dann noch die beiden Lieblingsprojekte des OB Werner Spec: „Der Bus allein wird es nicht richten, zu viel ist auf den Straßen Zoff! Und ich mag es auch nicht erdichten: eine Lok mit Wasserstoff.“ Das zielt auf die Ideen von Spec ab, Ludwigsburg mit Schnellbussen an Umlandkommunen wie Remseck anzubinden, oder nach Markgröningen die Bahnstrecke zu reaktivieren. Dabei soll eine Bahn mit einem Antrieb mit Brennstoffzelle und Wasserstoff verwendet werden.

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Der Landrat räumt weiter von der SSB-Stadtbahn

Und dann schwärmt der Landrat erneut von der eigentlich im Juli endgültig beerdigten Idee, die gelben Straßenbahnen der Stuttgarter SSB mit hohen Einstiegen durch den Kreis Ludwigsburg fahren zu lassen. „Wir alle brauchen deshalb nur – auf der ganzen Länge Strecke, die SSB mit hoher Flur, in Remseck biegt sie um die Ecke!“ Nur sie könne den Kreis verbinden, die Gemeinden mit den Städten, nur Ludwigsburg, das „tanze aus der Reihe“. Und die Niederflur-Bahn wie in Straßburg sei ein „Querschuss“ dichtet er weiter.

Nach Versöhnung, Kompromiss und Annäherung zwischen Haas und dem OB Werner Spec klingt das nicht, eher im Gegenteil. Man darf gespannt sein, die der Ludwigsburger Rathauschef nach der Rückkehr aus seinem Urlaub reagiert. In Markgröningen, so viel ist gewiss, fand Haas für diese Rede viel Beifall: Außerhalb der Barockstadt Ludwigsburg kann er sich der Unterstützung sicher sein.

Derart politisch gestärkt beginnt der gesellige Teil des Tages. Haas selbst leitet auf ihn über: „Doch nun von Politik genug! Schäfer und Schafe warten drauf, dass ich jetzt endlich nehm‘ den Krug und trinke auf den Schäferlauf!“ Die Innenstadt wird zusehends bevölkert, der große Festzug nimmt seinen Lauf. Dann geht es aufs Stoppelfeld.

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