Die Zigeunergruppe beim Markgröninger Schäferlauf stand im Zentrum einer Debatte. Foto: factum/Schäferlauffreunde

Nachdem der „Zigeunerwagen“ seit 30 Jahren am Umzug in Markgröningen teilnimmt, streitet man heute über den Begriff. Mit einer einordnenden Ergänzung des Namens sind die Wogen nun wieder geglättet.

Markgröningen - Der Streit um einen in die Kritik des Zentralrats der Sinti und Roma geratenen Umzugswagen für den Markgröninger Schäferlauf ist beigelegt. Nicht mehr als „Zigeunerwagen“, sondern als „historischer Zigeunerwagen“ wird das Gefährt an diesem Samstag und Sonntag an einem Umzug teilnehmen. Bürgermeister Rudolf Kürner (parteilos) sagte am Mittwoch, man sei auf Beschwerden eingegangen und habe den Wagen durch den Zusatz in einen historischen Zusammenhang gestellt: „Es ist jetzt alles in Ordnung.“

Auch aus Sicht des Zentralrats ist mit der Umfirmierung die Meinungsverschiedenheit ausgeräumt. „Weil Sinti-Familien in Markgröningen seit vielen Generationen ansässig waren, kann das in diesem Kontext mit dem Begriff historisch dokumentiert werden“, sagte Herbert Heuss, wissenschaftlicher Leiter des Dachverbandes. Generell solle aber jede Minderheit so genannt werden, wie sie sich selbst nennt. „Stuttgarter Nachrichten“ und „Stuttgarter Zeitung“ hatten zuvor über den Zwist berichtet.

Lesen Sie hier: Ist ein „Zigeunerwagen“ diskriminierend?

Der Konflikt hatte sich beim letztjährigen Schäferlauf angebahnt. Nach Worten von Heuss hatte sich eine deutsche Sinti-Familie den Lauf angeschaut und die Darstellung der aus ihrer Sicht zerlumpt gekleideten Menschen auf dem Wagen als nicht akzeptabel empfunden. Sie beschwerte sich beim Zentralrat. Der Verband leitete die Kritik in einem Schreiben an die Gemeinde im Kreis Ludwigsburg weiter.

Wirken der Sinti und Roma in Markgröningen wird positiv beleuchtet

Deren Bürgermeister Kürner: „Ich habe zunächst mal einen Schreck bekommen - das hat mich schon getroffen.“ Zuerst seien Bilder des seit 30 Jahren zum Umzug gehörenden Wagens von der Webseite der Gemeinde entfernt worden. Dann habe er einen Gutachter bestellt. Der Jurist riet ihm zur Neubenennung. Der Schultes betonte, in der Gemeinde habe es stets ein gutes Miteinander mit den Sinti und Roma gegeben. In historischen Überlieferungen werde das Wirken der Sinti und Roma in dem Ort positiv beleuchtet.

Der Politikwissenschaftler Heuss verwies auf die hohe Sensibilität der Sinti und Roma vor dem Hintergrund der Verfolgung durch das Nazi-Regime, das sie als „Zigeuner“ abgestempelt hatte. Aus Markgröningen seien zwei Familien in das NS-Todeslager Auschwitz deportiert worden. Zentralratschef Romani Rose könne der Einladung Kürners, als Ehrengast dem Schäferlauf beizuwohnen, nicht nachkommen. Aber er werde die Kommune später besuchen und seinerseits den Schultes und die Besatzung des Wagens in das Heidelberger Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma einladen.

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