Die Schachfreunde Deizisau beenden die Bundesliga-Saison auf Rang fünf. Für die kommende Runde zieht sich der Verein dennoch aus der Liga zurück
Sportlich war es noch einmal ein Saisonabschluss mit Ausrufezeichen. Beim großen Finale der Schach-Bundesliga in Berlin zeigten die Schachfreunde Deizisau ihre Klasse, gewannen gegen Zugzwang München, den Vorjahresmeister Düsseldorfer SK und die SG Solingen – und kletterten damit noch vom 11. auf den 5. Tabellenplatz. Doch trotz dieses starken Schlussspurts steht der Verein nun vor einer Zäsur: Für die Saison 2026/2027 werden die Schachfreunde kein Team mehr für die Bundesliga melden.
Die Gründe für den Rückzug der SF Deizisau aus der Schach-Bundesliga
Die Gründe dafür sind schnell benannt: „Unser Sponsor steht in dem Umfang nicht mehr zur Verfügung und das Projekt ist finanziell einfach nicht mehr stemmbar“, erklärt SF-Vorsitzender Sven Noppes und ergänzt: „Die Entscheidung ist allen Beteiligten nicht leichtgefallen, letztlich ist der Rückzug aber unumgänglich gewesen.“ Noppes ist auch der Teamchef des Bundesliga-Topteams OSG Baden-Baden, für die die SF als Farmteam fungierten. Damit endet für die Deizisauer ein Kapitel, das 2015 begonnen hatte – mit dem Ziel, ein Bundesligateam aufzubauen, in dem insbesondere junge deutsche Nachwuchsspieler regelmäßig an den vorderen Brettern eingesetzt werden.
Aus dieser Idee wurde eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Sportlich gelang den Schachfreunden der Durchmarsch von der Oberliga über die 2. Bundesliga bis in die Bundesliga. Dort etablierte sich das Team dauerhaft in der Spitzengruppe und belegte in allen acht Bundesliga-Saisons einen Platz unter den besten fünf Mannschaften. In der Saison 2019/2021 wurde Deizisau Zweiter.
Ziele mehr als erfüllt
„Die Ziele, die wir mit diesem Projekt verbunden hatten, wurden mehr als erfüllt“, sagt Noppes. Zahlreiche deutsche Spitzenspieler prägten das Team über mehrere Jahre, darunter Vincent Keymer, Alexander Donchenko und Dmitrij Kollars. Schach-Großmeister Matthias Blübaum gehörte sogar in allen acht Bundesliga-Saisons zum Deizisauer Kader. Auch international sorgten die SF für einen besonderen Höhepunkt. Im Jahr 2021 gewannen sie den European Online Chess Club Cup – in rein deutscher Besetzung mit Blübaum, Donchenko, Meier, Heimann, Keymer und Kollars. Deizisau war damit die erste deutsche Vereinsmannschaft seit 1992, die einen Europapokal gewann. Hinzu kamen die Siege im Deutschen Mannschaftspokal 2016 und 2020 sowie Erfolge in der Deutschen Schach-Online-Liga, die Deizisau 2022 und 2023 gewann.
In der abgelaufenen Saison sammelte auch das Frauenteam in der Bundesliga wertvolle Erfahrungen auf hohem Niveau. Beim Saisonfinale in Bad Königshofen kassierten die Deizisauerinnen zwar drei Niederlagen, belegten aber dennoch den respektablen 7. Platz. Besonders Hanna Marie Klek überzeugte mit acht Punkten aus elf Partien. Für ein weiteres sportliches Ausrufezeichen sorgte Blübaum auf internationaler Bühne. Beim WM-Kandidatenturnier auf Zypern erreichte der Großmeister mit sechs Punkten aus 14 Partien den 6. Platz gegen die absolute Weltelite. Zwar blieb ihm ein Sieg verwehrt, doch mit zwölf Remis gegen Spieler wie Fabiano Caruana unterstrich Blübaum seine Zugehörigkeit zur erweiterten Weltklasse.
Engagement der Schachfreunde Deizisau bleibt bestehen
Der Rückzug des Deizisauer Vereins aus der Bundesliga bedeutet allerdings nicht, dass sich die SF aus dem Spitzenschach verabschieden. Sie werden weiterhin ein Oberligateam stellen. „Da gehören wir immer noch zu den zehn führenden Vereinen im Landesverband“, betont Noppes. Auch im Hintergrund engagiert sich der Club seit Jahrzehnten in zahlreichen Schachprojekten – insbesondere in der Organisation von Turnieren. Bereits 1997 wurde in Deizisau das Internationale Neckar-Open ins Leben gerufen, das über viele Jahre hinweg das größte offene Schachturnier Deutschlands war. Seit 2016 wird diese Tradition im Rahmen des Grenke Chess Festivals in Karlsruhe fortgeführt.
„Unser Engagement bleibt bestehen“, sagt Noppes und ergänzt: „Aber das Kapitel Schach-Bundesliga endet für uns nach einer außergewöhnlich erfolgreichen Zeit.“