Erfolgreich beim Kindergarten-Schachturnier: die Vorschulkinder vom Kinderhaus Pezzettino, dem Kindergarten St. Barbara und dem Kinderhaus „Alte Schule“ Foto: /Susanne Degel

Im Kinderhaus Pezzettino und im Kindergarten St. Barbara in Rommelhausen sowie im Kinderhaus „Alte Schule“ in Stetten wird seit vielen Jahren eine Schach-AG für Vorschülerinnen und Vorschüler angeboten. Beendet wird diese mit einem Abschlussturnier vor den Sommerferien.

Wenn vom 20. November bis zum 15. Dezember dieses Jahres in Singapur der neue Schachweltmeister gesucht wird, dann sitzt dem aktuellen Titelträger Ding Liren aus China, 31, der 18-jährige Dommaraju Gukesh gegenüber. Der Inder ist der jüngste Herausforderer eines Weltmeisters in der Schachgeschichte.

 

Ob die schachbegeisterten Vorschüler aus dem Kinderhaus Pezzettino, dem Kindergarten St. Barbara (beide in Rommelshausen) oder dem Kinderhaus „Alte Schule“ in Stetten einmal ähnlich erfolgreich sein werden wie der Teenager, bleibt abzuwarten. Fakt aber ist, dass die meisten von ihnen wie der junge Inder mit fünf Jahren das Schachspielen erlernt haben – dies in der Schach-AG der drei Kindergärten unter der Anleitung von Simona Gheng und in Kooperation mit der Schachabteilung der Spvgg Rommelshausen. Seit mehr als zehn Jahren bringt die Bundesliga-Spielerin der Schachfreunde Deizisau, professionelle Trainerin und deutsche Vizemeisterin 2016 im Schnellschach der Frauen, den Kindern das Brettspiel mit den Figuren bei. Erfolgreich, wie jüngst beim traditionellen Abschluss-Schachturnier zu sehen war.

Gelb Karte für einen falschen Zug oder lautes Vorsagen

Im Kinderhaus Pezzettino kämpften diesmal vier Mannschaften um den Siegerpokal. Zwei Teams stellte der Gastgeber, eines der Titelverteidiger vom Kindergarten St. Barbara und eines das Kinderhaus „Alte Schule“. Gespielt wurde an einem Brett mit 15 Minuten Bedenkzeit pro Team, das aus maximal zehn Spielern bestand. Die Mädchen und Jungen machten also nacheinander und abwechselnd immer einen Zug. Eine besondere Aufgabe hatten die vier Kapitäne, die zuvor von der 50-jährigen AG-Leiterin bestimmt wurden. Sie mussten darauf achten, dass ihre Mitspieler nach dem Zug die Uhr drückten und durften zudem als Einzige bei einem falschen Zug, der rückgängig gemacht wurde, helfend einschreiten. Für Fehler wie beispielsweise den König im Schach stehen lassen, die Figur falsch ziehen oder einen Zug laut vorsagen, bekommt das ganze Team eine gelbe Karte. Der fünfte Fehler zieht die rote Karte und den Verlust der Partie nach sich.

Alle bekommen eine Medaille und eine Urkunde

Und just so endete diesmal auch das Finale zwischen dem am Ende siegreichen Team eins vom Kinderhaus Pezzettino und jenem des Kindergartens St. Barbara. Weil einer der Vorschüler den Läufer nicht diagonal, sondern waagrecht zog, blieb Simona Gheng keine andere Wahl, als zum fünften Mal Gelb zu zeigen. Dabei stand das Team des Titelverteidigers besser, hatte am Ende aber mit Konzentrationsmängeln zu kämpfen. Was freilich nicht verwunderlich war. Fast zwei Stunden dauerte das Turnier mit insgesamt vier Partien. Und nur zwischen diesen durfte kurz etwas getrunken und durften ein paar Kekse genascht werden. Ansonsten herrschte Ruhe. Für manch’ einen der jungen Protagonisten eine zusätzliche Herausforderung an diesem Morgen.

Simona Gheng war nach der Siegerehrung, bei der es für alle Denksportler eine Medaille und eine Urkunde gab und für das siegreiche Team zudem noch einen Pokal, mit den Leistungen zufrieden. „Das war besser als erwartet, alle haben gut gekämpft.“

Talent macht 20 Prozent aus, der Rest ist harte Arbeit

Bei der Schach-AG, die jedes Jahr für die dann neuen Vorschüler stattfindet, dürften alle mitmachen, die Lust haben. Vier Wochen lang können alle Interessierten schnuppern, danach bleiben in der Regel rund 80 Prozent dabei. Zu ihnen gehört auch Hasan vom Kindergarten St. Barbara. Dem Sechsjährigen im Thomas-Müller-Trikot gefallen vor allem die Figuren. Und am besten die Dame. „Die kann einfach alles machen“, sagt er.

Gelernt wird spielerisch. „Ich hole mir immer zwei Kinder und erkläre ihnen etwas, danach spielen sie. So lernen sie am besten“, sagt Simona Gheng, selbst Mutter von vier schachspielenden Kindern und inzwischen auch Oma eines achtjährigen Enkels. Mit ihrem Sohn Dominik war sie einst bei der U-8-Weltmisterschaft in Brasilien, mit Sohn Christian bei der U-10-Weltmeisterschaft in der Türkei. „Wer gut werden will, muss früh anfangen“, sagt die lizenzierte Trainerin, die das Spiel selbst mit zwei Jahren erlernt hatte. Allerdings reiche Talent allein nicht aus. Das mache höchstens 20 Prozent aus, der Rest sei harte Arbeit. Bei kleinen Kindern sei zunächst das Verständnis das Wichtigste.

In der Grundschule finde die Schach-AG eine Fortführung

Dass die Kinder mit großer Begeisterung die wöchentliche Schach-AG besuchen, kann Cornelia Marx, der Leiterin des Kinderhauses Pezzettino, nur bestätigen. Auch im Freispiel werde immer öfter das Schachbrett hervorgezogen. Und auch auf die Erzieherinnen und Erzieher schwappt mitunter das Schachfieber über.

Außer der kognitiven Anforderung eine Spielstrategie zu entwickeln, fördert der Denksport unter anderem auch das soziale Verhalten, Konzentration, Ausdauer und er baut die Frustrationstoleranz aus. „Das ist schon toll. Wir sind dankbar, dass es die AG bei uns gibt“, sagt Cornelia Marx und spricht dabei auch für ihre Kolleginnen und Kollegen der anderen Kindergärten.

Mit dem Abschlussturnier im Kindergarten hört das Schachspielen für die Mädchen und Buben aber nicht auf. Für die meisten geht es in der ersten Klasse in der Haldenschule im „Rom“ respektive in der Karl-Mauch-Schule in Stetten nahtlos weiter. Auch dort leitet Simon Gheng die AGs. Mit dem Schulteams qualifiziert sie sich regelmäßig bis hinauf zu den deutschen Schulschachmeisterschaften.