Starker Auftakt: Viswanathan Anand Foto: dpa

Ausgerechnet in der ersten Runde traf Viswanathan Anand auf einen der beiden Turnierfavoriten, den Armenier Levon Aronian – und gewann in beeindruckendem Stil.

Khanty-Mansiysk - Damit hatte keiner gerechnet: Das Kandidatenturnier, bei dem der WM-Herausforderer von Schachweltmeister Magnus Carlsen ermittelt werden soll, hat im sibirischen Khanty-Mansiysk mit einer faustdicken Überraschung begonnen. Eigentlich galt von den acht Teilnehmern der Inder Viswanathan Anand als Außenseiter. Nachdem er im November gerade erst vom jungen Norweger als Weltmeister entthront worden war, schienen die Zeichen für den Inder eher auf Abschied aus der Turnierarena zu stehen. Auch er selbst schien sich zunächst einen neuen Anlauf auf die Weltmeisterkrone nicht mehr zuzutrauen. Anand war der letzte der startberechtigten Spitzenspieler, die ihren Start in Russland zusagten.

Und ausgerechnet in der ersten Runde traf er auf einen der beiden Turnierfavoriten, den Armenier Levon Aronian – und gewann in beeindruckendem Stil. In einem ruhigen Gefecht sicherte er sich – gestützt auf eine sehr gute Eröffnungsvorbereitung – geduldig kleine positionelle Vorteile. Der Armenier geriet ins Grübeln, kam in Zeitnot und verirrte sich mit seinem schutzlosen Springer zu weit ins gegnerische Lager.

Anand setzte sich mit seinem Überraschungscoup an die Spitze des Feldes, denn die anderen drei Begegnungen endeten mit Unentschieden. Der zweite Favorit, der russische Ex-Weltmeister Vladimir Kramnik, kam gegen seinen als Außenseiter eingeschätzten Landsmann Dmitry Andreikin zu einem schnellen halben Punkt. Kramnik hat sich intensiv auf das Turnier vorbereitet und dabei auf lukrative Starts verzichtet. Er selbst sieht das Kandidatenfinale als letzte Chance, noch mal nach dem Titel zu greifen.

Derweil diskutiert die Schachwelt, was von dem Sieg Anands zu halten ist. Von Aronian ist bekannt, dass er unter Druck selten sein bestes Schach zeigen kann. Vielleicht hat auch eine Niederlage gegen Anand zu Beginn des Vorjahres nachgewirkt, die aufgrund ihrer Schönheit und Wucht Eingang in die Schachgeschichtsbücher finden wird. Aronian selbst hatte nach der Partie eine profanere Erklärung. Er habe die entstandene Stellung „einfach unterschätzt“.

Anand dagegen zeigt sich gut präpariert. Der Sieg ist sein erstes spektakuläres Resultat nach einer langen Durststrecke. Die Art, wie er im Vorjahr seinen Titel gegen Carlsen verlor, wurde als enttäuschend eingestuft. Eine Prognose auf den Turnierverlauf lässt sich nach den Auftaktpartien noch nicht ziehen. Ganz unklar ist zum Beispiel, wie der zweimalige Vizeweltmeister Veselin Topalow (Bulgarien) aufspielen wird. Gegen Shakriyar Mamedyarov (Aserbaidschan) musste er eine ganze Weile um den halben Punkt kämpfen. Auch der Russe Peter Svidler überzeugte beim Auftakt nicht und kam gegen seinen Landsmann Sergey Karjakin in große Bedrängnis. Die acht Teilnehmer spielen doppelrundig gegeneinander – 14 Runden, die letzte am 30. März. Der Sieger wird nicht nur um die Weltmeisterschaft kämpfen, sondern erhält auch einen ansehnlichen Siegerpreis von 135 000 Euro.

Schachfans können die Partien immer ab 10 Uhr (MEZ) auf dem Server von chessbase oder mit gutem (englischen) Live-Kommentar auf der Turnierhomepage (http://candidates2014.fide.com) verfolgen – und dabei auf den nächsten Paukenschlag Anands hoffen.

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