Männer unter sich: dieses Bild hat Seltenheitswert. Wer eine reine Herrensauna sucht, muss unter Umständen weit fahren. Foto:  

Ein 72-jähriger Esslinger prangert an, dass Männer im Merkel’schen Bad nicht unter sich schwitzen können. Er will nun gegen die Stadtwerke als Betreiber klagen. In der Region Stuttgart sind Herrensaunen Mangelware.

Esslingen - Ein 72-Jähriger aus Esslingen hat jetzt die Nase voll. Seit vielen Jahren schon fährt er regelmäßig nach Nürtingen und besucht dort im Hallenbad die Herrensauna. Er nimmt diese circa 50 Kilometer hin und zurück auf sich, weil es in Esslingen keine exklusiven Saunazeiten für Männer gibt. Doch jetzt will der Saunagänger eine Herrensauna im Merkel’schen Schwimmbad erzwingen. Er hat sich an eine Anwaltskanzlei gewandt, die im Namen ihres Mandanten die Stadtwerke Esslingen (SWE) auffordert, eine Herrensauna einzurichten.

Recht auf Schutz der Intimsphäre nur für Frauen?

„Ich fühle mich als Mann diskriminiert“, sagt der Esslinger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Im Merkel’schen Bad gibt es eine Frauensauna und eine gemischte Sauna. Dass es zusätzlich nicht auch eine reine Herrensauna gibt, ist für ihn ein Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung von Mann und Frau. „Ich sehe es nicht mehr ein, dass es in Esslingen drei Termine nur für Frauen gibt. Immer nur Frauen, Frauen, Frauen – von uns Männern ist keine Rede. Doch auch wir haben ein Recht auf Schutz der Intimsphäre. Deshalb prozessiere ich jetzt.“ Außerdem stinke es ihm, immer so weit nach Nürtingen fahren zu müssen.

Die SWE vertreten hingegen eine ganz andere Sichtweise als der 72-Jährige. Zwar liege eine Ungleichbehandlung vor, doch diese sei gerechtfertigt. „Im konkreten Fall dient die Einrichtung der Frauensauna dem Schutz der Intimsphäre gezielt von Frauen, da diese generell gefährdeter sind als Männer, in ihrer Intimsphäre gestört zu werden“, führt das Esslinger Unternehmen in seinem Antwortschreiben an die Rechtsanwältin des 72-Jährigen aus. Die Stadtwerke ziehen auch eine Aussage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2012 heran: „Auch wenn männliche Saunabesucher die Einrichtung eines ,Männer-Saunatags‘ verlangen, kann das durchaus abgelehnt werden“, Schutzbedürfnisse könnten „auch einseitig berücksichtigt werden“, heißt es da.

Die Herrensauna ist nicht so nachgefragt wie die Frauensauna

Die SWE lehnt extra Saunazeiten für Männer gerade auch aus wirtschaftlichen Gründen ab. Es gebe „keinen wettbewerblichen Anlass und Anreiz, eine Herrensauna einzurichten“. Versuchsweise gab es im Merkel’schen Bad im Jahr 2005 dreieinhalb Monate lang eine Herrensauna. Während der gender-getrennten Saunazeiten wurde die Frauensauna bezogen auf die Gesamtbesucherzahl zu 64 Prozent genutzt, die Männersauna zur 36 Prozent. Das heißt, dass die Frauensauna fast doppelt so hoch belegt war wie die Herrensauna.

Vor zweieinhalb Jahren war ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen die Geschlechtertrennung am anderen Ende der Republik aufgehoben worden – im Flensburger Campusbad. Vorübergehend gab es dort nur eine gemischte Sauna. Der Sauna-Streit bewegte die Gemüter im Norden. Der hartnäckige Widerstand des Flensburger Frauenforums zeigte Wirkung. Seither gibt es wieder eine getrennte Frauen- und eine Herrensauna im Campusbad.

Wo es in der Region Stuttgart Herrensaunen gibt

Wirtschaftliche Gründe lässt indessen der 72-jährige Esslinger nicht gelten. Er will die Angelegenheit auf den Brief der SWE hin nun gerichtlich klären lassen. Seine Anwältin bereite in diesen Tagen die Klageschrift vor. Zumindest vorerst muss er jedoch weiterhin den Weg nach Nürtingen in Kauf nehmen.

In der Region und darüber hinaus sind Herrensaunen dünn gesät. Solche Angebote gibt es in Stuttgart im Mineralbad Bad Cannstatt und in Heslach, in der Vinzenz Therme Dad Ditzenbach (Kreis Göppingen) sowie im Gartenhallenbad in Leinfelden-Echterdingen.

Hier gibt es eine Übersicht über Wellnessbäder im Kreis Esslingen.

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