Das regelmäßige Schwitzen hilft vor allem Menschen mit leichtem Bluthochdruck, chronischen Schmerzen wie Rheuma oder bei Hautbeschwerden wie der Schuppenflechte. Menschen mit Fieber, multipler Sklerose und Schilddrüsenüberfunktion sollten der Sauna fernbleiben. Foto: dpa

Kann man sich gesund schwitzen? Experten erklären, ob regelmäßige Saunagänge wirklich vor Infekten schützen.

Berlin - Um Erkältungen zu vermeiden, suchen einige Menschen Saunen auf, um ihr Immunsystem abzuhärten. Der Wechsel zwischen Hitze und Kälte kurbele das Immunsystem an, erklären sie. Doch ist Saunieren wirklich so gesund, wie alle sagen?

Die Haut sieht nach dem Saunagang rosiger und gesünder aus

In der Sauna erwärmt sich die Hautoberfläche um bis zu zehn Grad. Im Körperinneren steigt die Temperatur um ein Grad. Das Herz schlägt schneller, der Körper benötigt mehr Sauerstoff, und die Blutgefäße weiten sich. Aus den Poren fließt der Schweiß. Um den Wasserverlust auszugleichen, entzieht der Körper den Muskeln und dem Bindegewebe Feuchtigkeit. Diese gelangt ins Blut. Die Haut sieht danach rosiger und gesünder aus. Doch ob ein Saunabesuch auch gegen Erkältungen und Grippe hilft, lässt sich nicht eindeutig beantworten: Rainer Brenke gilt als Saunaexperte. Er arbeitete jahrelang als Facharzt für physikalische Medizin an der Berliner Charité. „Obwohl einige Studien in den vergangenen Jahren zu dem Ergebnis kamen, dass Saunieren die Abwehrkräfte stärke, ist das nur ein Teil der Wahrheit.“ Der Saunabesuch rege zwar die Aktivität der wichtigen Killerzellen an und lasse den Anteil an Immunglobulin A im Speichel steigen, doch die spezifischen Abwehrkräfte würden dadurch nicht beeinflusst.

Auf die Hitze der Sauna reagiert der Körper wie auf ein künstliches Fieber

Während die unspezifische Abwehr schon das Eindringen von Krankheitserregern in den Körper verhindert, reagiert die spezifische Abwehr erst, wenn sich die Eindringlinge bereits im Organismus tummeln. Die unspezifische Abwehr ist also eine Art Burggraben, die Angreifer abhält. Zu ihr zählen etwa der Säureschutzmantel der Haut oder die Sekrete auf den Schleimhautoberflächen von Rachen und Nase. Gelangen Erreger auf diese oberflächlichen Schutzschichten, schlagen die Fresszellen des Immunsystems Alarm – sogenannte Makrophagen oder Granulozyten. Sie beseitigen körperfremde Substanzen und schützen so präventiv vor Infekten. Auf die Hitze der Sauna reagiert der Körper wie auf ein künstliches Fieber – die Fresszellen werden trainiert und damit die unspezifische Abwehr gestärkt.

Doch was, wenn es Erregern gelingt, die Barrikade dieser unspezifischen Abwehr zu überwinden? Dann ist die spezifische Abwehr gefragt. Weiße Blutkörperchen wie B-Lymphozyten produzieren sofort sogenannte Antikörper oder Immunglobuline. Sie erkennen bestimmte Strukturen auf der Oberfläche der Eindringlinge und passen zu ihnen wie ein Schlüssel zum Schloss. Mit einer maßgeschneiderten Immunantwort binden sie die Erreger und zerstören sie so.

Regelmäßiges Saunieren senkt die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Herztodes

Verbesserten Saunabesuche die spezifische Abwehr also tatsächlich, müssten Saunagänger einen erhöhten Antikörperpegel im Blut aufweisen. Das ist aber nicht der Fall. „In all den Jahren konnte nicht bewiesen werden, dass sich die spezifische Abwehr durch Saunagänge verbessert“, sagt Brenke. Wohl aber deren präventive Schutz vor Infekten und Erkältungen, weil Nase und Rachen besser durchblutet werden.

Zudem senkt regelmäßiges Saunieren die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Herztods. So stellte das finnische Forscherteam um Tanjaniina Laukkanen im Jahr 2015 fest, dass männliche Probanden die vier- bis siebenmal pro Woche in die Sauna gingen, weniger Gefahr liefen, einen plötzlichen Herztod zu erleiden, als Männer, die nur einmal pro Woche in die Sauna gingen. Warum Saunieren die Wahrscheinlichkeit eines Herztods verringert, ist den Forschern allerdings noch nicht klar. Es sei vorstellbar, dass regelmäßiges Saunieren die Elastizität der Blutgefäße vergrößere und somit den Blutfluss in den Gefäßen verbessere. Dennoch sei Vorsicht geboten. „Direkt nach einem Herzinfarkt oder mit einem Infekt sollte man nicht in die Sauna gehen beziehungsweise erst mit seinem Arzt darüber sprechen“, erklärt Saunaexperte Brenke. Das regelmäßige Schwitzen helfe vor allem Menschen mit leichtem Bluthochdruck, chronischen Schmerzen wie Rheuma oder bei Hautbeschwerden wie der Schuppenflechte. Menschen mit Fieber, multipler Sklerose und Schilddrüsenüberfunktion rät Brenke vom Saunabesuch ab.

So sauniert es sich richtig

Nüchtern schwitzt es sich besser – Das Sauna-ABC

Erholung nach dem Sport, einfachmal runterkommen oder die Abwehrkräfte stärken: Es gibt viele gute Gründe, in die Sauna zu gehen. Gesund ist es aber nur, wenn man ein paar der folgenden Regeln beachtet.

Alter: Babys und Kleinkinder gehören nicht in die Sauna. „Bei Säuglingen spielen Flüssigkeitsverluste eine größere Rolle und sind viel gefährlicher“, sagt Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten. Für gesunde Senioren gibt es keineAltersgrenze.

Voller Bauch: Ein voller Magen belastet den Kreislauf in der Sauna zusätzlich. „Der Bauch ist dann auf Verdauung eingestellt.“

Trinken: Zwischen den Saunagängen darf getrunken werden, unbedingt notwendig ist es aber nicht, wenn man es bei zwei bis drei Runden belässt.Danach müssen die Flüssigkeitsspeicher aber aufgefüllt werden.

Alkohol: Alkoholische Getränke belasten den Kreislauf und sind während eines Saunabesuchs tabu. „Unter Alkohol sind wir auch nicht gut in der Lage, Gefahren wahrzunehmen“, warnt Internist Wolfgang Wesiack.

Schwangerschaft: Solange sie unkompliziert verläuft und die Schwangere gesund ist, spricht nichts gegen moderate Saunabesuche. Die Hitze fördert die Durchblutung und entspannt die Muskeln, auch die Gebärmutter-Muskulatur.

Vorerkrankungen: Auf das Saunieren verzichten sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen und sehr hohem Blutdruck. Auch bei chronischen Lungenerkrankungen sind Schwitzbäder nicht zu empfehlen.

Erkältung: Eine Erkältung „wegzuschwitzen“ gilt als gängigesHausmittel.Die Sauna meiden sollten allerdings Menschen mit erhöhter Temperatur und Fieber. (dpa)

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