Der traditionsreiche Sauerwasserbrunnen am Göppinger Christophsbad hat eine zweijährige Durststrecke hinter sich. Nun soll er bald wieder sprudeln.
Die Winterpause an den Göppinger Sauerbrunnen ist zu Ende, das berühmte eisenhaltige Mineralwasser strömt nun wieder aus den öffentlichen Entnahmestellen. Allderdings nicht am Christophsbad, dem eigentlichen „Göppinger Sauerbrunn“, der im Jahr 1404 erstmals erwähnt wurde und Keimzelle der heutigen Privatklinik ist. Dort ist der Trog seit zwei Jahren staubtrocken. Einer, der sich damit nicht einfach abfinden wollte, ist Anton Hegele, ein ausgewiesener Göppinger Sauerwasser-Experte. Er erinnerte in einem Brief an den Ersten Bürgermeister daran, dass mit dem Verkauf des herzoglichen Göppinger Bads im Jahre 1747 das Recht auf kostenlose Sauerwasserversorgung für die Göppinger Bevölkerung verankert wurde und nach wie vor gelten muss.
Brunnen soll Mitte Mai wieder zugänglich sein
Die gute Nachricht: Die Christophsbad GmbH hat den Brunnen jetzt instandsetzen lassen. Nach Angaben der Pressestelle der Privatklinik waren die Hintergründe für die mehrjährige Trockenperiode „notwendige Prüf- und Instandhaltungsmaßnahmen, die im Sinne der Betriebssicherheit und insbesondere der Trinkwasserqualität zwingend erforderlich sind.“ Nach der Instandsetzung erfolge derzeit eine gründliche Spülung der Anlage. Dann werden aus dem Brunnen Proben genommen. „Diese Analyse dient dazu, die Qualität des Wassers eindeutig zu bestätigen und sicherzustellen, dass keinerlei gesundheitliche Risiken bestehen. Erst bei einem beanstandungsfreien Ergebnis wird der Brunnen wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.“ Das werde, wenn alles gut läuft, am Freitag, 15. Mai, passieren.
Mineralwasser-Experte Hegele freut sich, „dass das Christophsbad seiner historischen Verpflichtung nachkommt und so dauerhaft eine Reminiszenz an die große und lange Sauerwassertradition am Ursprungsort schafft“. Denn: „Ich finde es, nachdem ich mich ja auch intensiv mit Geschichte und Geologie des einst weitbekannten Brunnens auseinandergesetzt habe, für die Identität der Stadt Göppingen wichtig, dass diese Tradition, soweit möglich und in diesem Fall auch vertraglich festgelegt, erhalten bleibt.“
Am Freibad wird das Sauerwasser auf Knopfdruck gezapft
Auch an den Sauerbrunnen beim Freibad hat sich etwas getan. Ausgangspunkt war die nachlassende Ergiebigkeit der dortigen Quelle. Daran wurde die Anlage angepasst. Die beiden Brunnenrohre im Dauerbetrieb wurden durch ein einzelnes Becken aus Cortenstahl und eine Brunnenstele ersetzt. Das frische Sauerwasser wird jetzt auf Knopfdruck gezapft. „Die Ergiebigkeit des Mineralbrunnens am Freibad ist für die neu errichtete Entnahmestelle ausreichend,“ erklärt Soja Paunowa, Sprecherin der EVF. In einer Mitteilung heißt es: „Die Anlage erfüllt nun höchste hygienische Standards und ermöglicht eine nachhaltige Nutzung des Mineralwassers“. Und wie steht es allgemein um die Wasserqualität der Brunnen? „Der Zustand der Göppinger Mineralbrunnen ist insgesamt einwandfrei. Derzeit liegen keine Auffälligkeiten vor“, sagt die EVF-Sprecherin.
Die symbolische Einweihung des Brunnens übernahmen Peter Naab und Andreas Bantel, die Geschäftsführer der Energieversorgung Filstal (EVF), gemeinsam mit Eva Noller, Baubürgermeisterin der Stadt. „Der Mineralbrunnen ist ein historisches Kleinod für unsere Stadt und ein beliebter Treffpunkt für Freibadbesucher und Spaziergänger“, erklärte Naab. Noller sagte: „Der Brunnen ist ein Stück Stadtgeschichte, das wir erhalten und gleichzeitig zukunftssicher gemacht haben. Er verbindet Tradition mit modernem Umweltschutz und zeigt, dass wir unsere Ressourcen verantwortungsvoll nutzen.“
Passé ist der Brunnenpavillon im Freibadpark
Anton Hegele sagt: „Ich würde mir wünschen, dass viele Göppinger ihr Sauerwasser wieder entdecken und für sich ein paar Flaschen abfüllen würden“. Er könnte sich vorstellen, „dass der Christophsbad-Brunnen, ähnlich dem in der Karlsallee, ständig gemächlich fließen kann und vielleicht auch das ganze Jahr, was dort ja auch möglich ist“. Hegele erinnert daran, dass sich Göppingen unter dem einstigen Oberbürgermeister Hans Haller in den Achtzigerjahren sogar fast einmal den Beinamen „Sauerwasserstadt“ gegeben hätte. Er bedauert, dass das Bewusstsein für diese Tradition gesunken ist.
Endgültig passé ist im Übrigen der Brunnenpavillon im Freibadpark. Er litt unter mangelnder Wasserführung und ist auch Ziel von Randalierern gewesen. Deshalb wurde er abgebaut, erklärt Claudia Leihenseder, die Sprecherin der Stadt. „Die Brunnenanlage stand auch nicht unter Denkmalschutz.“
Über einen Wiederaufbau oder eine Versetzung des Pavillons sei zwar nachgedacht worden, „doch ist das aufgrund der vorhandenen Schäden an Holz und Verbindungen nicht in Frage gekommen“. Für die neue Gestaltung des Bereichs gebe es in der Verwaltung verschiedene Ideen. „Unter anderem wurden zusätzliche Sitzgelegenheiten diskutiert sowie eine Bepflanzung des Brunnens. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen.“
Recht auf kostenloses Sauerwasser
Rechtsanspruch
Der Sauerwasser-Experte Anton Hegele erklärt: „Die Verpflichtung des Christophsbads auf kostenloses Sauerwasser für die Bevölkerung gingen auch Dr. Heinrich Landerer und Dr. Ludwig Heinrich Palm ein, als sie am 16. November 1839 das Christophsbad erwarben.“
Lektüre
Anton Hegele hat über die Göppinger Sauerbrunnen ein Buch verfasst, es trägt den Titel: „Sprudelnde Quellen, heilende Bäder – das Göppinger Sauerwasser“. Stadtarchiv Göppingen Bd. 36, 1997.