Kronprinz bin Salman überrascht mit Äußerungen zu Israel. Foto: dpa

Kronprinz Mohammed bin Salman reicht Israel die Hand. Ob sich der saudische Kronprinz mit seinen Gedanken durchsetzen kann ist unklar. Auf jeden Fall gehören aber mindestens zwei dazu, wenn es zu einem Erfolg kommen soll, kommentiert Christian Gottschalk.

Stuttgart - Das Ereignis war den Nachrichtenagenturen weit über Israel hinaus eine Meldung wert. Benjamin Netanjahu sei mit sehr hohem Fieber ins Krankenhaus eingeliefert worden, hieß es vor genau einer Woche. Bald darauf ließ sich der Ministerpräsident des Landes mit der Nachricht vernehmen, illegale Einwanderer aus Afrika nach Deutschland transferieren zu wollen. Die Halbwertszeit der Meldung war freilich gering, nach nicht einmal 24 Stunden ruderte Netanjahu zurück. Ob noch die Nachwehen eines Fieberwahns für das Verwirrspiel verantwortlich waren, ist nicht bekannt.

Der Rückhalt des Prinzen ist nichht sicher

Über aktuelle Erkrankungen von Mohammed bin Salman ist nichts bekannt. Man kann daher hoffen und vermuten, dass der saudi-arabische Kronprinz völlig bei Sinnen war, als er dem Staat Israel ein Existenzrecht bescheinigte. Das sind ziemlich neue Töne. Noch weiß niemand, ob der Prinz damit auch die Mehrheit der Saudis, oder zumindest die Mehrheit der dort herrschenden Kaste hinter sich hat. Noch besteht die Gefahr, dass der Thronfolger, der erst vor kurzem die Pflicht zur Verschleierung in Frage gestellt hat, sich bei der Umdenkgeschwindigkeit in Sachen Reformen übernimmt. Allerdings ist das, was derzeit aus dem Herrscherhaus in Riad zu hören ist, allemal besser als die Kriegsrhetorik in anderen Teilen des Planeten.

Ein Wert an sich

Das gilt auch dann, wenn es nicht die große Liebe ist, die zwischen den Saudis und Israel ausgebrochen ist. Sowohl Tel Aviv als auch Riad haben den Iran als Hauptfeind auf der Liste. Mohammed bin Salman mag nach dem Motto verfahren, dass der Feind seines Feindes sein Freund sein könne. Doch wenn das bedeutet, ein konfliktreiches Spannungsfeld in Nahost zu beruhigen, dann ist das schon ein Wert an sich. An Konfliktfeldern gibt es dort nach wie vor genügend.

Und natürlich gehören in Sachen Entspannung zwei dazu. Eine arabische Friedensinitiative unter saudischer Führung hat es schließlich schon mal gegeben. Vor anderthalb Jahrzehnten hat Israel den damaligen Vorstoß abgelehnt. Bleibt zu hoffen, dass Benjamin Netanjahu wieder gesund und bei Sinnen ist, wenn er sich nun mit den Vorstellungen des Kronprinzen befassen wird.

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