Donald Trump und der saudische König Salman verstehen sich. Foto: AP

Im Fall des verschwundenen Regimekritikers Jamal Khashoggi erzählt Saudi-Arabien Märchen aus 1001 Nacht. US-Präsident Trump hört gerne zu. Ein Skandal, kommentiert Christian Gottschalk.

Stuttgart - Stuttgart - Es mutet an wie ein schlechter Witz. Zwei Wochen nach dem Verschwinden des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi haben türkische Polizisten das saudische Konsulat in Istanbul durchsuchen dürfen. Gewiss: Es ist überaus selten, dass Ermittler eines Gastgeberlandes Einlass in die heiligen, diplomatischen Hallen bekommen. Ein Beweis für die Kooperationsbereitschaft der Saudis ist es freilich nicht. Zwei Wochen nach dem Verschwinden des Journalisten dürfte es lediglich Kommissar Özakin noch gelingen, Spuren zu entdecken. Doch dieser Polizist ermittelt bei der „Mordkommission Istanbul“ nur im deutschen Fernsehen.

Riad darf nicht ungestraft durchkommen

Vollends kurios wird die Angelegenheit, wenn sich bewahrheiten sollte, was amerikanische Medien vermelden: die Saudis wollen des Tod des kritischen Journalisten einräumen, und als bedauerlichen Unfall darstellen. Sollte Riad mit dieser Märchenvariante aus 1001 Nacht ungestraft durchkommen, dann wäre das ein ziemlicher Skandal. Und genau danach sieht es aus. Donald Trump hat nach einem Telefonat mit dem Wüstenkönig in diese Version eingestimmt – so naiv, wirklich daran zu glauben, kann nicht einmal der US-Präsident sein. Allerdings glaubt Trump an die Macht des Geldes, und Saudi-Arabien gehört zu den besten Kunden der amerikanischen Rüstungsindustrie.

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