In der Comedyserie „Lerchenberg“ spielt Sascha Hehn Sascha Hehn und zieht sich dabei kräftig durch den Kakao. Am Freitag startet die zweite Staffel Foto: ZDF/Christopher Aoun

So viel Selbstironie hätte man Sascha Hehn gar nicht zugetraut: In der Comedyserie „Lerchenberg“ spielt der 60-Jährige sich selbst – als abgehalfterten Fernsehstar. Im Interview spricht er über Satire, seine Karriere und seine Zukunftspläne.

Herr Hehn, im ZDF startet jetzt die zweite­ Staffel der Sitcom „Lerchenberg“ – und sie ist nochmal bissiger als die erste. . . 

Bei der ersten Staffel habe ich ja auch nur halb so viel Geld bekommen, da sehen Sie mal, was das für einen Unterschied ausmacht (lacht).
Was sagen denn Ihre Kollegen dazu, dass die Serie den TV-Betrieb gehörig auf die Schippe nimmt? Gelten Sie jetzt als Nestbeschmutzer?
Im Gegenteil, die sind alle glücklich, dass es das gibt. Im Grunde würden sie doch alle gerne laut über die Zustände in der Branche schreien, wenn sie könnten. Können sie ja leider nicht. So aber freuen sie sich und sagen: Mensch, die Serie ist wichtig, die war so was von überfällig.
Sie spielen sich selber, Ihre Karriere und Ihr Image werden fortwährend verspottet. Sagen Sie bei den Dreharbeiten niemals: Stopp, hier ist meine Schmerzgrenze?
Nein, für mich hat Satire keine Schmerzgrenze. Im Gegenteil, ich sage immer: Kommt, da setzen wir noch einen drauf. Ich neige eher zur Übertreibung und musste manchmal gebremst werden. Wenn sich in den neuen Folgen ein Kerl als Sascha Hehns Sohn ausgibt, dann aber rauskommt, das ist nur ein Larifari-Typ, der sich wichtigmachen will, dann müsste der Serien-Sascha ihn eigentlich über die Balkonbrüstung schmeißen. Aber leider gab das Budget der Redaktion solche Stunts nicht her (lacht).
Hatten Sie denn schon immer so eine ­distanzierte, ironische Haltung zu Ihrer Arbeit?
Na anders ist es doch nicht zu ertragen. In einer Zeit wie heute darf man den Humor nicht verlieren. In der Serie gibt es eine Szene, in der ein vorgefertigter Nachruf auf Sascha Hehn produziert wird. In dieser Szene kommen Satire und Wahrheit zusammen, denn bei den Fernsehsendern liegen ja wirklich Kassetten mit Nekrologen parat, die man nur abspielen muss, wenn ein Star stirbt. Und um Saschas Einfluss zu stoppen, wird er dabei sofort mit einem Nachruf auf seine alten Skandalfilmchen konfrontiert. . .
Mit welchen Gefühlen denken Sie heute an Ihre früheren Rollen zurück, vom Film mit dem vielsagenden Titel „Nackt und heiß auf Mykonos“ bis zur „ Schwarzwaldklinik“?
Das waren doch alles erfolgreiche Filme. Sie sprechen ja heute noch darüber, nach über 40 Jahren. Wir haben die Republik damals aus dem Dornröschenschlaf geweckt, indem wir sie mit solchen Filmen aufgeklärt haben. RTL hat sein Programm anfangs üppig mit dieser Art von Streifen bestückt, sonst hätte wahrscheinlich niemand den Sender geguckt. Denen habe ich zum Erfolg verholfen, wenn Sie so wollen. Und die „Schwarzwaldklinik“ war meiner Meinung nach die beste von allen Serien dieser Art. Natürlich könnten wir auch über die Salzburger Festspiele reden oder darüber, dass Goethes „Egmont“ am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg mit mir in der Titelrolle 48 Mal ausverkauft war. Nur das wäre dann kein Skandälchen.
Also sind Sie zufrieden mit Ihrem Lebenswerk?
Kennen Sie jemanden, der so viele erfolgreiche Fernsehserien gedreht hat wie ich? Letztlich ist die Rolle als Kapitän auf dem Traumschiff übrigens auch eine Herausforderung: Gegen diese schmucke Uniform müssen Sie erst einmal anspielen (lacht), und das Ganze dann auch noch in der Südsee oder was weiß ich wo. Der Sascha in „Lerchenberg“ würde sagen: „Das ist höchste schauspielerische Qualität!“
Den Grimme-Preis hat „Lerchenberg“ nicht bekommen, obwohl das Format nominiert war. Traurig?
In einer Szene der neuen „Lerchenberg“-Staffel wird der Grimme-Preis ganz schnöde als Hebel benutzt, um einen Safe zu knacken. Dabei geht er kaputt. Ich lag am Boden vor lauter Lachen. Soviel zum Thema Auszeichnungen. Die Sorgen von Kollegen wie etwa Frau Ferres, die ein Problem damit haben soll, wo sie ihre ganzen Preise unterbringen könnte, habe ich gewiss nicht
Ihr Serien-Ich wünscht sich anspruchsvolle Rollen. Sie auch?
Ich habe genug anspruchsvolle Rollen gespielt, insofern habe ich da gar kein Problem. Aber ich finde, es zeigt das ganze Desaster der Branche, dass so viele begabte Leute in Schubladen vergammeln, in die sie irgendjemand gesteckt hat. Eigentlich könnten viele Schauspieler viel mehr und würden das auch gerne zeigen, aber man lässt sie nicht.
Sie selber pendeln zwischen „Lerchenberg“ und dem ironiefreien „Traumschiff“. Wie passt das zusammen?
Sie sehen doch, dass es geht!
Geht es mit „Lerchenberg“ weiter?
Einige Leute beim ZDF haben wohl ein Identifikationsproblem damit, sonst würde es ja nicht so spät gesendet werden. Schade, ich finde, dieses Format könnte ewig laufen, jedenfalls solange es öffentlich-rechtliche Sender gibt. Natürlich könnte man auch mal die Protagonisten austauschen. Aber ich spiele so lange mit, so lange die Leute Freude daran haben und so lange ich zeitlich kann. Wir könnten auch einen Kinofilm zur Serie machen. Aber das ist bislang nur eine Idee von mir.
In den USA gibt es mehrere TV-Formate, in denen Stars sich selber spielen und veralbern. Verfolgen Sie diese Produktionen?
Ich habe in viele dieser Sachen reingeschaut und finde sie sehr komisch. Diese Selbstironie der großen US-Stars hat mich sehr beeindruckt. Sogar eine Kate Winslet ist sich nicht zu schade, auch wenn sie in ihrer Rolle am Set mit einem Beleuchter vögelt.
Würden Sie sich im deutschen Fernsehen mehr Mut wünschen?
Unbedingt. Dem ZDF kann man wirklich nur danken, dass der Sender sich traut, ein freches Format wie „Lerchenberg“ zu realisieren. Nur die späte Sendezeit ist nicht optimal, aber ansonsten ist alles gut.

„Lerchenberg“, ZDF, Freitag, 23 Uhr

Zur Person: Sascha Hehn

Hehn kam am 11. Oktober 1954 in München zur Welt und stand schon als Fünfjähriger vor der Kamera, später trat er in Erotikfilmen wie „Hausfrauen-Report“ auf.

Seinen Durchbruch hatte der Schauspieler in den 80ern als Arzt in der Kultserie „Die Schwarzwaldklinik“ und mit der ZDF-Reihe „Das Traumschiff“ – damals spielte er den Bordsteward.

Seit 2014 ist er in der Rolle als Kapitän zurück auf dem „Traumschiff“, an Weihnachten läuft eine neue Folge.

Hehn lebt zurückgezogen in einem Blockhaus bei Wasserburg am Inn. (ski)

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