Sascha Gerecht zwischen Stuttgart und Hollywood Partykönig wird Geschäftsmann für saubere Fortbewegung

Von Uwe Bogen 

Sascha Gerecht, bekannt als DJ Pate No. 1,  mit seinem E-Bike der Marke  Munro. Foto: Rockstars & Angels
Sascha Gerecht, bekannt als DJ Pate No. 1, mit seinem E-Bike der Marke Munro. Foto: Rockstars & Angels

Verschmutzte Städte verlangen nach sauberer Fortbewegung. Doch nicht alles, was rollt, ist von der Polizei erlaubt. E-Mobilität ist ein Wachstumsmarkt, bei dem nun der Stuttgarter Sascha Gerecht, bekannt als DJ Pate No. 1, mitmischt.

Stuttgart - Muskulös, tätowiert, strotzend vor Testosteron. So ist der Schwabe, der 16 Jahre als DJ Pate No. 1 den House-Club N-Pir in Feuerbach geführt hat, in den USA zum Spitznamen „German Tank“ gekommen. Sascha Gerecht pendelt zwischen Stuttgart und Hollywood. Sein Leben ­bewegt sich zwischen US-­Fernsehshows, Promi-Partys und Mode­präsentationen ­seines Labels Rockstars & Angels.

Als DJ hat er Musiktrends aufgespürt – als Geschäftsmann geht der 41-Jährige nun den gesellschaftlichen Trends nach. Vielleicht kommt man schneller darauf, wenn man aus der Feinstaubmetropole Stuttgart stammt: Fahrzeuge, die Schadstoffe ausstoßen, meint er, könnten bald nur noch Vergangenheit sein. In der Autostadt werden Pläne für ­Lösungen ohne herkömmliche Autos geschmiedet. „Die Zukunft heißt E-Mobilität“, sagt Gerecht, „und sie beginnt jetzt.“

Wie groß ist Stuttgarts unsichtbare Verschmutzung wirklich – und welche Gesundheitsgefahren liegen in der Luft? Feinstaub und Stickoxide – die Fakten im Check lesen Sie hier.

Lifestyle auf Rädern

Die neue Generation der urbanen Fort­bewegung, so wünscht es sich der einstige ­Partykönig, soll „Umweltbewusstsein mit Design paaren“. Bald werde man mit Verbrennungsmotoren nicht mehr in die Städte fahren dürfen, prophezeit er. In Stuttgart wird dies mit älteren Dieselautos an Tagen mit dicker Luft bereits von Anfang 2018 an der Fall sein. Mit dem Grazer Unternehmer Batista Gérard Ruben hat der Stuttgarter eine Firma mit dem Namen R.O.M. gegründet. Die drei Buchstaben stehen selbstbewusst für „Revolution of Mobility“. Das Magazin „Forbes“ feiert die beiden als „Wegbereiter eines neuen Zeitalters“.

R.O.M. will zusammenklappbare E-Roller,  formschöne,  in  China  produzierte E-Bikes der Marke Munro sowie E-Bretter mit zwei Rädern, die durch Gewichtsverlagerung gesteuert werden, die sogenannten Boards, im Online-Handel weltweit anbieten. Partner sind die Akku-Entwickler von Kreisel Electric. Die Fahrgeräte sind nicht nur lautlos und emissionsfrei, sie sehen dank eines ausgefeilten Designs auch nach Zukunft aus. Wer damit fährt, soll ein „völlig neues Gefühl“ spüren und sich cool finden. Lifestyle auf Rädern ist das Ziel.

Während die Visionäre von R.O.M in Österreich und in Asien das gesamte Angebot absetzen können, wird dies in Deutschland bei den Boards schwierig. Die Händler dürfen die Bretter verkaufen, doch die Kunden damit nur auf privatem Gelände fahren, nicht im Straßenverkehr. Auf positive Bewertungen der Tester von Dekra und Tüv hoffen die Leute von R.O.M. Doch auch wenn es von dort kein grünes Licht geben sollte, habe man viele andere Ideen, um Fortbewegung auf umweltfreundliche Weise attraktiv zu machen. Der Markt, daran zweifelt Sascha Gerecht nicht, werde bald mit Innovationen boomen. Am Wachstumsschub der E-Mobilität wollen immer mehr Start-ups teilhaben. Was sich auf diesem Sektor tut, ist vom 20. bis zum 23. April auf der Messe Stuttgart bei der i-mobility, der Ausstellung für intelligente Mobilität, zu sehen.

Polizei bremst elektronische Bretter aus

Segways, Hoverboards, Solowheels, Monowheels, E-Scooter – da rollt was auf die Städte zu. Elektronische Einräder sind darunter, deren Bedienung nach Meinung der Hersteller „kinderleicht“ ist. Wenn der Fahrer den Körperschwerpunkt nach vorne neigt, beschleunigt er. Zum Abbremsen lehnt man sich nach hinten. Beim Bremsen wird die Energie zurückgewonnen, um den Akku aufzuladen. Und wenn man von dem Gefährt runterspringt, bleibt es sofort stehen. Um die 500 Euro kostet so ein modernes Einrad. Wie gefährlich ist es?

Immer öfter muss sich die Polizei mit den neuen Flitzern befassen. „Was schneller als sechs km/h fährt, ist auf Gehwegen und Radwegen verboten, braucht eine Versicherung und eine Zulassung für den Straßenverkehr“, sagt Arno Dünkel von der Stuttgarter Polizei. Für die Praxis heißt das: Für Wheels und Boards wird die Straßenzulassung verweigert, weil Licht, Hupe, Lenkung sowie Bremsen fehlen. Dennoch kann man in den Elektromärkten die Elektro-Bretter und -Einräder kaufen. Auch wenn sie nicht auf Lager sind, kommen sie auf Bestellung. Wer die nicht zugelassenen Fortbewegungsmittel verkauft, macht sich nicht strafbar – denn auf privatem Gelände darf man „Fun-Fahrzeuge“ benutzen,

Segways sind auf Straßen erlaubt

Werden die Verbote bald gelockert? Viele Politiker wollen E-Mobilität und Umweltschutz fördern. Deshalb hoffen Hersteller, dass es Ausnahmegenehmigungen auch für die neuen, bisher nicht zugelassenen E-Geräte geben wird. Dass dies möglich ist, zeigt das Beispiel Segway. Der Fahrer steht hier zwischen zwei Rädern auf einer Plattform und kann sich an einer Lenkstange festhalten. Jedes Rad wird per Einzelradantrieb von einem Elektromotor angetrieben. Segways waren zunächst verboten. Seit 2009 ­erlaubt eine Spezialverordnung „über die Teilnahme elektronischer Mobilitätshilfen am Verkehr“ deren Nutzung in Deutschland.

Um die neuen Technologien nach vorne zu bringen, lässt Sascha Gerecht seine Beziehungen spielen. In seinem Bekanntenkreis hat er Fußballer wie Cristiano Ronaldo und Mesut Özil. Der Stuttgarter will Promis ­gewinnen, Trendsetter und Vorbild für E-Mobilität zu werden. „Damit treffen wir den Nerv der Zeit“, glaubt der frühere DJ Pate No. 1. Sein Geschäftspartner Batista Gérard Ruben aus Graz will mit seinen Ideen und Fahrgeräten OB Fritz Kuhn überzeugen. Eine Stadt mit hoher Feinstaubbelastung müsse gegenüber neuen Technologien für die Fortbewegung besonders aufgeschlossen sein. Ruben hört, wie „die Uhr tickt“. Das Ende der Verbrennungsmotoren stehe bevor, sagt er: „Wir haben keine andere Wahl.“

 

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