Die Pipeline Nordstream 2 ist zwar fertig, geht aber vorerst nicht in Betrieb. Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine rechnet der Esslinger Versorger mit steigenden Energiepreisen. Der Bedarf an Gas sei jedoch bis auf Weiteres gedeckt.

Esslingen - Entsetzen über den Angriff Russlands auf die Ukraine: Ein Krieg mitten in Europa, Blutvergießen und menschliches Leid machen stumm und betroffen. Es werden mit Blick auf die mögliche Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen aber auch Fragen nach wirtschaftlichen und energiepolitischen Konsequenzen des Konflikts wach. Dominik Völker, Prokurist sowie Leiter von Vertrieb und Marketing bei den Esslinger Stadtwerken (SWE), kann beruhigen: Niemand werde frieren müssen, denn es sei genügend Gas vorhanden. Allerdings sei mit Preiserhöhungen zu rechnen. Bei einer Beurteilung der Lage verweist Völker auf die sich überschlagenden Ereignisse, die Undurchsichtigkeit der Situation, das Nichtwissen um die Pläne des russischen Präsidenten Wladimir Putin und den dynamischen Gasmarkt: „Fast alle Experten halten sich mit Prognosen zum Energiesektor zurück.“

 

Norwegen und USA liefern

Doch selbst wenn Russland den Gashahn zudrehen würde, seien noch genügend Mengen vorhanden. Nach Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sei die Gasversorgung in Deutschland gesichert. Es könne Habecks Worten zufolge auch problemlos Gas aus anderen Ländern wie Norwegen, den Vereinigten Staaten oder den Niederlanden zugekauft werden. In Esslingen, so beschreibt Dominik Völker die lokalen Gegebenheiten, würde es sowieso keine Gasspeicher geben. Gelagert werde es in großen, unterirdischen Lagerstätten, in Kavernenspeichern, die vor allem in Norddeutschland angesiedelt seien. Mit diesen Vorratsmengen könnten Engpässe aufgefangen werden. Zudem könnten Lieferungen über Pipelines und per Schiff nach Deutschland kommen.

Speicher fangen Engpässe auf

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Das Aussetzen des Genehmigungsverfahrens für die Pipeline Nordstream 2, die russisches Erdgas aus arktischen Feldern durch die Ostsee nach Deutschland transportieren sollte, habe keine Auswirkungen auf die Versorgung: Denn diese Gaslieferungen seien als zusätzliche Mengen eingeplant gewesen, um eine Entlastung zu bringen.

Märkte reagieren nervös

Eine mittelfristige Erhöhung der Gaspreise will Völker nicht ausschließen. Seit Mitte vergangenen Jahres würden die Kosten für Gas und Öl stark in die Höhe gehen. Gründe dafür seien bereits in den letzten Monaten die unklare internationale Lage, die Spannungen um die Ukraine, die Diskussionen um Nordstream 2 und die niedrigeren Füllstände der Speicher während des Winters gewesen. Auf diese Gegebenheiten hätten die Märkte nervös reagiert hätten. Daher herrsche bei der Preispolitik eine hohe Dynamik: „Die Weltmarktpreise spiegeln sich in Esslingen wieder.“ Vor zwei Tagen, nennt er ein Beispiel, habe der Preis noch bei 75 Euro pro Megawattstunde gelegen. Am gestrigen Mittwoch gegen 12 Uhr seien die Kosten bereits auf 115 Euro angestiegen.

Gaspreise gehen nach oben

Stammkunden der SWE könnten wohl noch stabile Preise garantiert werden. Doch für Neukunden, für die Mengen hinzugekauft werden müssten, könne es teurer werden. Allerdings schränkt Dominik Völker ein: „Leider kann ich mit Blick auf die Gasentwicklung in keine Glaskugel schauen.“