Der Fachmann Lojos Szanto aus Regensburg seilt vorsichtig eine Glocke mit dem Flaschenzug ab. Foto: Roberto Bulgrin

Sankt Konrad in Plochingen ist eine große Baustelle. Neben dem Dach muss das Mauerwerk saniert werden. Der Pfarrer hofft, dass die Glocken an Weihnachten wieder klingen.

In luftiger Höhe ist viel zu tun, seit Sankt Konrad in Plochingen saniert wird. Die katholische Kirche ist seit Mai eingerüstet: Das Dach und der Turm müssen hergerichtet werden. „Wir freuen uns, wenn wir an Weihnachten wieder rein können“, sagt der Pfarrer Bernhard Ascher. Da es aber auf jeder Baustelle Überraschungen geben könne, rechne er vorsichtshalber nicht mit dem avisierten Fertigstellungstermin Advent.

 

Risse in den Stahlträgern

Ob die vier Glocken von Sankt Konrad tatsächlich bis Weihnachten schweigen werden, können auch die Fachleute der Turmuhrenfabrik Georg Rauscher, die für die Arbeiten aus Regensburg angereist sind, noch nicht sagen. Jetzt herrscht jedenfalls erst einmal Stille, denn alle vier Glocken, die Christus-, die Evangelien-, die Ottilien-und die Wetterglocke, mussten abgenommen werden. Mit schweren Ketten wurden sie auf den Boden der Glockenstube abgeseilt, damit der Glockenstuhl demontiert werden kann. Denn an dessen Stahlträgern waren Risse entdeckt worden.

Der Pfarrer freut sich auf die Erneuerung, denn künftig sollen Holzbalken die Glocken tragen. Und da Holz bekanntlich eher nachgibt als Metall, rechnet Ascher damit, dass der Glockenklang dann deutlich weicher ist als der bisherige leicht scheppernden Ton.

Während sich die Regensburger Fachleute also am Glockenstuhl zu schaffen machen, bemühen sind andere Gewerke um den Kirchturm. Wie schlecht es um dessen Mauerwerk steht, habe sich zufällig gezeigt, als sich ein Ziegelstein bei einer ersten Begutachtung löste, erzählt Ascher. Eine Statikerin aus der Gemeinde habe daraufhin eine tiefer gehende Untersuchung angeregt.

Asbest wurde gefunden

„Der alte Mörtel ist porös. In manche Fugen kann man sogar mit der Hand hinein fassen“, sagt der Pfarrer. Zunächst sei der Mörtel im Labor aufwendig untersucht worden, mit dem Ergebnis, dass tatsächlich Sanierungsbedarf besteht. Angesichts des Baujahrs 1929 sei dieser Befund nicht allzu verwunderlich, meint Ascher, denn vor bald 100 Jahren sei die Mörtelqualität deutlich schlechter gewesen als heute. Bereits seit einiger Zeit werde außerdem das Vordach abgestützt, weil auch hier die Statik geprüft werden müsse.

Auch das gut 70 Jahre alte Ziegeldach des Kirchenschiffs steht auf der Aufgabenliste. Dass die Ziegel ersetzt werden müssen, habe sich an den Kalkflecken gezeigt, erklärt Ascher. Sie seien ein deutliches Zeichen für Überalterung. Und eine Überraschung habe die Dachsanierung auch schon ergeben, denn man sei dort auf Asbestmatten gestoßen, die bereits sachgemäß entfernt worden seien. Auch das Innere der Kirche ist eingerüstet, um während der Dacharbeiten die Statik zu stabilisieren. Deshalb wurden alle Konzerte und Proben abgesagt. Ansonsten sieht Ascher im Kircheninneren keinen Sanierungsbedarf, zumal die Kirche, die als einer der ersten Sakralbauten im Bauhausstil gilt, um 1990 eine umfassende Schönheitskur erlebte.

Finanziell komme die Diözese allmählich an ihre Grenzen, berichtet der Pfarrer. Es sei mit rund 1,4 Millionen Euro Baukosten zu rechnen, die sich Diözese und Gemeinde teilten. Dafür müssten Schulden gemacht, Rücklagen genutzt und 90 000 Euro Spenden gesammelt werden.

Überraschendes im Innenraum

Konstruktion
 Typisch für Sankt Konrad sind die Dreigelenksbogenbinder aus verleimtem Schichtholz. Diese Bögen, die der Stuttgarter Architekt Alfred Schmidt erdacht hat, tragen von innen das Kirchenschiff.

Malerei
 Bei der Renovierung 1999 wurde die übertünchte Deckenmalerei entdeckt. Ihre geometrischen Linien und die Flächengestaltung erinnern an die Ästhetik der Bauhausmalerei.