Die Stadt Renningen richtet das Gebäude der Volksbank für mehrere Millionen Euro als neues Rathaus her. Foto: Simon Granville

Zum Sanierungsgebiet Bahnhof/nördliche Bahnhofstraße gehört auch der Umbau der alten Volksbank in ein modernes Rathaus.

Am Schluss war sich der Gemeinderat einig und verabschiedete einstimmig die Satzung für das Sanierungsgebiet „Bahnhof/nördliche Bahnhofstraße“. Nach jahrelangen Vorberatungen und umfangreichen Voruntersuchungen wurde nun festgelegt, welche Grundstücke und Flächen in dem 6,8 Hektar großen Sanierungsgebiet liegen und welches die Ziele der geplanten Sanierungsvorhaben sind. Dabei hat sich herausgestellt, dass das Sanierungsgebiet eigentlich eher nur „nördliche Bahnhofstraße“ heißen müsste, denn der Bahnhofsbereich selbst ist nicht mehr enthalten.

 

Nachdem die südliche Bahnhofstraße mit dem neugestalteten Ernst-Bauer-Platz schon vor Jahren ein neues Gesicht erhielt, rückte der angrenzende nördliche Bereich dieser langen, schnurstracks auf den Bahnhof zulaufenden Straße in den Blickpunkt der Planer. An dieser vom Autoverkehr geplagten wichtigen innerörtlichen Verbindungsstraße stehen zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser, die oft älter als 40 Jahre sind und auch entsprechende bauliche Mängel, etwa im energetischen Bereich, aufweisen. Die Voruntersuchungen durch die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH haben zudem nicht optimal genutzte Grundstücke und Leerstände aufgezeigt.

Rund 50 Anlieger aus dem Bereich Bahnhofstraße kamen vor Kurzem zu einer Informationsveranstaltung. „Das zeigt das große Interesse an der Sanierung“, meinte der Erste Beigeordnete der Stadt, Peter Müller. Rund ein Viertel der Eigentümer seien bereit, unter Einsatz von Fördermitteln an der Sanierung ihrer Gebäude mitzuarbeiten, sagte die Wüstenrot-Projektleiterin Sindy Bieler. Viele befragte Eigentümer und Bewohner in der nördlichen Bahnhofstraße haben aber auch fehlende öffentliche und private Stellplätze bemängelt sowie eine unattraktive Straßen- und Freiraumgestaltung.

Unattraktive Straßen- und Freiraumgestaltung wird bemängelt

Im Süden des Sanierungsgebiets ist der größte städtebauliche und finanzielle Brocken zu bewältigen – die Neugestaltung und Modernisierung des Areals Bahnhofstraße 31-33, in Renningen besser bekannt als ehemalige Volksbank. Die Stadt richtet das Gebäude als neues Rathaus her, einschließlich eines geplanten Anbaus. Mehrere Millionen Euro sind allein dafür veranschlagt. Weitere Grundstücke entlang der nördlichen Bahnhofstraße gehören der Stadt ebenfalls schon.

Ursprünglich sollten nicht nur die Gebäude beidseits der nördlichen Bahnhofstraße in das Sanierungsgebiet einbezogen werden, sondern auch die Flächen am Bahnhof, etwa der große Park+Ride-Platz sowie der westlich davon gelegene Supermarkt. Ziele waren eine repräsentative Eingangssituation vom Bahnhof zur Stadt durch einen Bahnhofsvorplatz, den Zugang zum Bahnhof durch sicheren und barrierefreien Geh- und Radwegen zu verbessern sowie ein markantes Gebäude als Sichtachse vom Bahnhof zur Innenstadt zu schaffen, einen Eyecatcher, wie der Stadtbaumeister Hartmut Marx es jetzt nannte. Doch die Bahn zog nicht mit. „Wegen neuer rechtlicher Restriktionen zur Entwidmung eisenbahnbetriebsnotwendiger Grundstücke“ seien keine Maßnahmen in den nächsten Jahren zu erwarten, lautete das Ergebnis der Gespräche mit den Bahnverantwortlichen. Eine Aufnahme in das Sanierungsgebiet sei deshalb derzeit nicht sinnvoll, so das Fazit. Stadtrat Jochen Breutner-Menschick (Grüne) war damit nicht einverstanden. „Wir wollten anfangs das Bahnhofsgebiet und die Rathaussituation verbessern. Jetzt fällt der Bahnhof weg“, kritisierte er. Der Beigeordnete Peter Müller versicherte, dass man mit der Bahn im Gespräch bleibe.

Förderrahmen beläuft sich auf 3,5 Millionen Euro

Mit der Aufnahme des Sanierungsgebiets in das Landessanierungsprogramm fließen auch Fördermittel in die Stadt. Nach einer Aufstockung beläuft sich der Förderrahmen nun auf 3,5 Millionen Euro, wovon 60 Prozent vom Land, der Rest von der Stadt kommen. Der Gemeinderat hat jetzt auch die Fördersätze für Privatleute beschlossen, wenn sie ihre Gebäude modernisieren oder neu ordnen. Diese liegen je nach Maßnahme zwischen 25 und 100 Prozent, die Obergrenzen für den Zuschuss zwischen 5000 und 75 000 Euro. Die Stadträtin Monika Breitweg (Grüne) fragte kritisch nach, ob etwa auch der Abbruch eines Gebäudes gefördert wird, selbst wenn darauf dann Garagen gebaut werden, was die Stadtverwaltung bejahte. Und Resi Berger-Bäuerle (Frauen für Renningen) hakte nach, ob vor dem Hintergrund, dass auch bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll, eine Mietpreisbindung einbezogen werden könne.