Die Fridolinschule im Lörracher Stadtteil Stetten bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Zuerst hat es geheißen, die wegen Sicherheitsbedenken geschlossene Lörracher Fridolinschule werde schnell wieder öffnen. Doch jetzt könnte es doch länger dauern.

Lörrach - Vielleicht war es schon der Feueralarm in der Mädchentoilette in der vergangenen Woche, vielleicht auch erst das kritische Urteil eines fachlich qualifizierten Vaters, der sich daraufhin die Elektrik in der Lörracher Fridolinschule – mit Erlaubnis der Stadt, aber ohne Auftrag – einmal genauer anschaute: jedenfalls zog Christine Mörth die Notbremse. Bis auf Weiteres bleibe die Grundschule geschlossen, teilte sie den Eltern am Donnerstag mit. Jetzt ist die Rektorin in aller Munde und zwar weit über die 50 000-Einwohner-Stadt am äußersten Südwestzipfel des Landes hinaus.

„Hut ab vor dieser Rektorin“, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Karsten Rees, dem SWR. Schließlich gebe es inzwischen landesweit viele Schulbauten, die dringend sanierungsbedürftig seien. Der Fall aus Lörrach sei „nur die Spitze des Eisbergs“, sagte der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Matthias Schneider. Der Sanierungsstau betrage bundesweit mehrere Milliarden Euro. „Wir müssen uns von der Schuldenbremse verabschieden, um deutlich mehr zu investieren.“

„Zumutung für die Eltern“

Der Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz (parteilos) versuchte hingegen zu beschwichtigen. In einer Presseerklärung führt die Stadt minutiös auf, welche Unterhaltungsmaßnahmen und turnusgemäßen Begutachtungen in den vergangenen Jahren an der Schule vorgenommen worden seien. Die kurzfristige Schließung, von der die Stadt vorher offenbar nicht informiert worden war, sei eine Zumutung für die Eltern.

Allerdings stehen diese bisher hinter ihrer Rektorin. Man habe eine Unterschriftensammlung initiiert, um die Stadt zu einer baldigen Behebung der Probleme zu bewegen, teilte die Elternbeiratsvorsitzende Kathrin Yüksel mit. Tatsächlich beschränken sich die Probleme nicht nur auf die Elektrik in dem fast 100 Jahre alten Gebäude. So musste mehrfach der Schulhof gesperrt werden, weil Schieferdachziegel hinunterfielen. In der Sporthalle sichern Netze und Platten die Decke. Zuvor waren Teile der Gipsgewölbedecke heruntergefallen. Ballspiele sind untersagt.

„Nicht leichtfertig gehandelt“

Zunächst hatte Lutz mitgeteilt, die notwendigen Arbeiten könnten bereits am Wochenende abgeschlossen werden. Nun dauert es wohl doch ein wenig länger. Auch am Montag würden die Kinder am Morgen von den Lehrern in die Ausweichquartiere gebracht. Der Stadt gelang es kurzfristig, Ersatzräume an anderen Schulen und Einrichtungen zu organisieren.

Christine Mörth sei keine Schulleiterin, die leichtfertig ihre Schule schließe, sagte eine Kollegin. Seit sechs Jahren leitet Mörth die Fridolinschule, mit 320 Schülern die größte Grundschule in Lörrach. Zuvor war die 48-Jährige als Konrektorin tätig. Einsatzwille, Durchsetzungsvermögen und Diplomatie kennzeichneten ihr Auftreten, hatte ihre damalige Chefin über sie beim Abschied gesagt. Dabei gehe sie aber auch Konflikten nicht aus dem Weg. Jetzt aber ist erst einmal abgetaucht. Die Konversation mit den Medien hat, wie in solchen Fällen üblich, das Schulamt übernommen.

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